Trübe Aussichten trotz klarer Sicht: In der Reinigungsbranche herrscht ein ruinöser Wettbewerb.

© /Excitator/iStockphoto

A.S.S
05/27/2016

Wilder Preiskampf der Gebäudereiniger

Das mittelständische Unternehmen A.S.S versucht mit Qualität und guten Arbeitsbedingungen zu bestehen.

von Irmgard Kischko

Gefühlsmäßig gab es heuer in Wien gar keinen richtigen Winter. "Wir sind trotzdem 210.00 Kilometer mit 180 Schneeräumfahrzeugen gefahren", zieht Christian Höbinger, Eigentümer und Chef des Wiener Gebäudereinigungsunternehmens A.S.S., Bilanz. 180 Mitarbeiter hatte er im Wintereinsatz, 210 Tonnen Split und 250 Tonnen Auftaumittel haben sie verwendet.

2014 hat Höbinger, der auch Immobilientreuhänder und Hausverwalter ist, das mittelständische Unternehmen übernommen. Seither versucht er, A.S.S. (ausgeschrieben: Anlagen Service System) in dem heiß umkämpften Reinigungsmarkt in Österreich zu positionieren. Das ist gar nicht einfach, denn: "Schwarze Schafe gibt es in der Branche genug", sagt er. Und da wolle er sicher nicht mitspielen.

Mehr als 10.000 Reinigungsunternehmen sind in Österreich tätig. Das reicht vom kleinen Familienbetrieb, wo Vater, Mutter und Kinder putzen, bis zu den Branchengrößen wie dem internationalen Reinigungskonzern ISS. "Gegen die kleinen Familienbetriebe sind wir nicht konkurrenzfähig", sagt Höbinger.

Gegen die Großen aber auch nicht. Sie drücken bei den Ausschreibungen von Reinigungs-Mandaten für große Gebäudekomplexe die Preise derart, dass viele andere Anbieter nicht mit könnten. "Der größte Kostenblock der Reinigungsbranche sind die Personalkosten. Da wird gedrückt", erklärt Höbinger. Bei den Kollektivvertragslöhnen und den Vorschriften für Arbeitszeiten gehe sich der Angebotspreis sonst nicht aus.

Auftraggeber gefordert

Höbinger plädiert an die Auftraggeber, bei der Vergabe nicht nur auf den niedrigsten Preis zu schauen. Aber viele interessierten sich nicht dafür, im Nachhinein könne das allerdings zu Problemen führen.

Etwa beim Winterdienst: Bei unerwartetem Schneefall sei so manches Reinigungsunternehmen dann nicht in der Lage, rasch Personal für Räumungen zu schicken. "Da kann es dann Probleme mit der Haftung geben", erklärt der A.S.S.-Chef. Auch Streusand müsse man zeitgerecht zur Verfügung haben. "Wir haben als einzige Firma in Wien Streugut-Silos", betont Höbinger. Oder bei der Stiegenhausreinigung: Manche Firmen kommen erst, wenn es Beschwerden der Bewohner gibt.

Er versucht in seinem Unternehmen, die Mitarbeiter möglichst lange zu halten. Manche arbeiteten schon 20 Jahre bei A.S.S. Und 13 der 120 dauerhaft Beschäftigten seien über 50 Jahre alt. Höbinger glaubt, dass die Stabilität der Belegschaft in Zukunft noch viel wichtiger werde. "Das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung steigt. Die Menschen wollen das Personal, das in ihr Haus zum Reinigen kommt, kennen", betont er. Das Halten des Personals sei für eine mittelgroße Firma wie A.S.S. leichter als für die Großen, glaubt der Unternehmer. Bei den Branchengrößen sei die Fluktuation hoch. Zunehmend Bedeutung gewinnt in der Gebäudereinigungs-Branche auch die Nachhaltigkeit. "Wir haben einiges mit Chemikalien zu tun. Der sparsame und richtige Ressourceneinsatz ist daher ein zentraler Punkt", erklärt Höbinger.

Höbinger glaubt, dass in nächster Zeit einiges in Bewegung kommt am heimischen Gebäudereinigungs-Markt. Fusionen und Übernahmen seien zu erwarten, zumal kleinere Firmen den Preisdruck nicht auf Dauer durchstehen könnten. Doch die Zahl der Unternehmen werde sich insgesamt nicht rasant verkleinern. Denn immer wieder entstünden neue kleine Reinigungsfirmen, bei der die Gründerfamilie selbst arbeite. Diese ersetzten etwa die früheren Hausmeister, das Gewerbe sei frei.

Frühjahrsputz

Der Winter ist zwar die arbeitsreichste Saison für die Branche, im Frühling und Sommer warten aber doch einige Spezialaufgaben auf sie. Der Garagenputz zum Beispiel: Sie entfernen Salz und Split, den die Autos im Winter mitnehmen, oder Ölreste. "Die Garage ist die erste Visitenkarte für Unternehmen. Ist sie schmutzig, macht das auf Kunden einen schlechten Eindruck", wirbt Höbinger für das Putzservice.

Zudem hat er einige Bürohäuser mit Glasfassaden als Kunden. Für das Reinigen dieser riesigen Glasflächen sei gutes Wetter wichtig. Alle Mitarbeiter bekämen via Handy Daten von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) – im Sommer genauso wichtig wie im Winter.

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