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Wirtschaft
11/17/2021

WIFO-Chef kritisert Corona-Hilfen: „Starker Verdacht der Überförderung“

Felbermayr sieht relativ schwarz für die Wintersaison und kritisiert bisherige Wirtschaftshilfen als nicht immer besonders treffsicher

von Michael Bachner

KURIER: Sie haben schon Anfang Oktober klare und strenge Regeln für die Wintersaison gefordert. Jetzt gibt es die deutsche Reisewarnung und die 4. Welle rollt über das Land. Ist die Wintersaison verloren, bevor sie begonnen hat?

Gabriel Felbermayr: Sie ist nicht verloren, bevor sie begonnen hat, sie dauert ja auch ein paar Monate. Aber klar ist, sie beginnt unter schwierigen Umständen. Wir hören von zahlreichen Stornos und ja, die deutsche Reisewarnung ist gerade für Familien ein großes Problem, weil sich die unter 12-Jährigen noch nicht so einfach impfen lassen können, dann aber bei der Heimreise in Quarantäne müssen. Das wird ganz sicher Spuren hinterlassen.

Nur Spuren?

Wir waren bei unseren Prognosen für den Winter schon sehr verhalten. Der große Boom vom Frühling über den Sommer bis in den September hinein ist aber jetzt einmal unterbrochen.

Was heißt das für Tourismus und Gesamtwirtschaft?

In der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung wird es eher leicht zurück gehen im Winterhalbjahr 2021/2022. Für die Tourismusbranche sind die Dinge aber viel schlimmer. Es wird sicherlich wieder kein Winter, der in irgendeiner Weise an Vorkrisen-Saisonen anknüpfen kann. Wichtig wäre gewesen, dass man den massiven Anstieg der Infektionszahlen früher gebrochen hätte, weil das prägt ja die Wahrnehmung und nicht die einzelnen Regeln, also ob jetzt 2-G gilt oder 3-G.

Gabriel Felbermayr

Im Winter des Vorjahres schrumpfte die Wirtschaft wegen des hohen Tourismus-Anteils um 7,8 Prozent. Wird es heuer ähnlich dramatisch?

Das glauben wir nicht. Das war ja wirklich eine Nullsaison. Heuer gibt es zwar die Reisewarnung, aber es gibt kein Reiseverbot, die Hotels dürfen offen halten, es wird eine gewisse Aktivität geben. Voraussetzung ist, dass kein Ischgl 2.0 passiert und vielleicht bei den Infektionszahlen in den nächsten Wochen eine Trendumkehr gelingt. Eine Hoffnung ist auch, dass der Umsatz, der im Winter nicht gemacht werden kann, im nächsten Sommer teilweise nachgeholt werden kann. Das heilt nicht die Wunden, die so eine verlorene Wintersaison schlägt. Aber eine kleine Kompensation ist da schon drin.

Wirtschaftshilfen wird es ja auch wieder geben ... Es wird sehr schwer sein, Betrieben, die hohe Einbußen haben, zu sagen, heuer ist ganz anders. Man wird sicherlich helfen müssen. Das ist auch durchaus im Interesse der Gesamtwirtschaft. Wir brauchen die Betriebe ja, damit sie durchstarten können, wenn es wieder besser läuft. Aber es wäre schön, wenn wir die Hilfen besser evaluiert hätten und etwa bei den Fixkosten nicht nur den Leasingfirmen, Immobilienbesitzern und Banken geholfen hätten. Oder auch beim Umsatzersatz haben wir den starken Verdacht der Überförderung. Für die Stabilisierung von Unternehmen haben wir eigentlich noch kein gutes Instrument. Es ist schade, dass man da im Sommer die konzeptuelle Arbeit nicht aufgenommen hat, um jetzt punktgenauer helfen zu können.

Gabriel Felbermayr

Am Donnerstag wird das Budget beschlossen. Ist das Zahlenwerk überholt, soll die Steuerreform verschoben werden?

Nein, es geht halt in Corona-Zeiten wahnsinnig bergauf und bergab – von Woche zu Woche, von Quartal zu Quartal Aber speziell die Steuerreform soll ja über Jahre ihre Wirkung entfalten, die Planung geht bis 2025. Und die Basis steht auch ganz gut, 2021 ist schon fast im Kasten, wenn auch der Dezember etwas mühselig werden dürfte.

In rund einem Monat präsentieren sie die neue Konjunkturprognose für 2022? Was lässt sich aus heutiger Sicht sagen?

Am Anfang wird 2022 schlechter ausfallen, als wir bisher dachten. Dafür könnte im Lauf des Jahres der Aufschwung stärker ausfallen. Im Durchschnitt werden uns wahrscheinlich ein paar Zehntel auf die zuletzt erwarteten 5,0 Prozent Wachstum inklusive Steuerreform fehlen. Es werden vielleicht doch nur 4,7 Prozent. Das ändert aber nichts daran, dass man die Steuerreform finanzieren kann und dass sie strukturell wichtig ist. Der Einstieg in die ökosoziale Steuerreform macht Sinn für die nächsten Jahre, das muss jetzt passieren.

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