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Wirtschaft von innen
01/24/2015

Wieder ein böser Brief an die Chefetage von conwert

Für das Management der Immo-Gesellschaft wird es langsam ungemütlich.

von Andrea Hodoschek

Das Management der börsenotierten Immo-Gesellschaft conwert bekommt in letzter Zeit ziemlich unfreundliche Post. Zuerst von Investmentbanker Klaus Umek (Petrus Advisers), der seinen Brief an die Vorstände Clemens Schneider und Thomas Doll auch gleich in österreichischen Zeitungen inserierte. Dieser Tage ist ein Schreiben von einer der weltweit größten Investmentfonds-Gesellschaften unterwegs.

Die harsche Kritik ist in beiden Briefen ziemlich deckungsgleich. Der Vorstand muss sich den Vorwurf des Missmanagements gefallen lassen: Aufgeblähte Gesamtkosten, zu teure Finanzierungen, zu hohe Leerstände, die Immobilien zu tief bewertet, zu wenig Kommunikation mit den – mittlerweile stark verärgerten – Aktionären.

Nachdem der Vorstand Umek mit einer Klagsdrohung antwortete, ist der zweite Brief an die Chefin des Verwaltungsrates, Kerstin Gelbmann, adressiert. Sie schupft im Hauptjob das Firmenkonglomerat des Sanierers Erhard Grossnig.

Die Fondsmanager äußern ihre "Frustration" und ihre Bedenken über die mangelnde strategische Ausrichtung von conwert sehr direkt. Das Unternehmen habe unter allen kontinentaleuropäischen Immobilien-Gesellschaften eine der höchsten durchschnittlichen Finanzierungskosten. Ebenso wie Petrus Advisers kritisiert man die teuren Swapkontrakte gegen steigende Zinsen.

Vom kräftigen Anstieg der Immobilienpreise haben die conwert-Aktionäre bis dato nicht profitiert. Während die Immo-Preisindizes ständig nach oben klettern, dümpelt der conwert-Aktienkurs vor sich hin. Seit 2010 wurden sogar Immobilien abgewertet, um rund 35 Millionen Euro. Das Unternehmen sitzt allerdings nicht auf grauen Vorstadt-Objekten, sondern hat erstklassige Wohnimmobilien und Zinshäuser im Portfolio. "Die Investoren, vor allem die Kleinanleger, verstehen nicht, warum die Immobilien-Preise ständig steigen, sich diese Entwicklung bei conwert aber nicht abbildet", kommentiert ein Immo-Experte den Aufstand der Aktionäre.

Für das conwert-Management wird es langsam ungemütlich. Immer mehr Aktionäre formieren sich gegen den Vorstand. Petrus Advisers, die mit conwert schon einmal gut verdienten, halten 6,7 Prozent. Der aktuelle Briefschreiber ist mit acht Prozent engagiert. Auch die Investorin Isabella de Krasny äußerte bereits ihr Unbehagen. Die Haselsteiner Familien-Privatstiftung ist mit 24,4 Prozent der größte Aktionär. Fragt sich, wie lange Schneider noch das Vertrauen von Hans Peter Haselsteiner hat. Der Bautycoon holte den ehemaligen Finanzchef des ÖGB in den Holding-Vorstand der Westbahn und setzte ihn 2014 an die Spitze von conwert. Schneider hatte sich in der Vergangenheit unter anderem um den Finanzvorstand der ÖBB bemüht. Derzeit wird kolportiert, er interessiere sich für den Geschäftsführer bei der neuen Staatsholding ÖBIB. "Stimmt nicht, ich bin sehr glücklich bei conwert", dementiert Schneider. Zum aktuellen Schreiben könne er noch keine Stellungnahme abgeben, der Brief sei noch nicht eingetroffen.

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