Wie Versicherungen ihre Kunden "abzocken"

Lebensversicherung…
Foto: DOC RABE Media/Fotolia Lebensversicherungen versprechen oftmals mehr als sie leisten

Radikale Abrechnung mit einer Branche.

Westend, honorarfrei… Foto: /Westend Wer weiß schon, was die soeben abgeschlossene Altervorsorge in 30 oder 40 Jahren bringen wird? Nichts Gutes, denn den Versicherten könne praktisch alles gekürzt oder vorenthalten werden, behaupten die Autoren des Buches "Garantiert beschissen! Der ganz legale Betrug mit den Lebensversicherungen." Wie der Titel schon signalisiert, handelt es sich dabei um eine einseitige und radikale Abrechnung mit der (deutschen) Versicherungsbranche.

Die beiden Fachautoren für die ARD-Magazine "Monitor" oder "PlusMinus" haben es dabei nicht auf die klassische Lebensversicherung abgesehen, sondern auf den – teilweise vom Staat geförderten – Verkauf von Lebensversicherungen zur privaten Altersvorsorge. Der "Insider-Report" blickt dabei kritisch hinter die Kulissen, erzählt von Selbstversuchen und dramatischen Einzelschicksalen und schildert, wie Zukunftsängste bewusst geschürt werden. Wegen zum Teil unterschiedlicher Regelungen betrifft vieles nur Deutschland, aber manche Erkenntnisse oder Warnungen sind durchaus systemrelevant. Ein paar Beispiele:

Intransparenz

"Wer heute eine Polizze unterschreibt, wird von 100 Seiten Buchstaben- und Zahlensalat erschlagen: Fachchinesisch und Kleingedrucktes, wohin man blickt". Wirklich wesentliche Informationen wie garantierte Beitragsrendite oder Gesamtkosten über die volle Vertragsdauer suchen Kunden vergeblich.

Umschichtungen

Alte Verträge werden oft gekündigt, um neue, angeblich lukrativere abzuschließen. Verlierer bei diesen Umschichtungen ist zumeist der Kunde.

Pyramidenspiel

Mit frischen Geld von Neukunden werden die Altkunden bedient, deshalb lautet die Devise: Neukunden um jeden Preis.

Garantiezins

Verzinst wird nicht etwa die eingezahlte Summe, es werden zuerst Risikobeiträge und laufende Verwaltungskosten abgezogen. Verzinst wird nur das Deckungskapital. Der Zinssatz beträgt ab 2016 in Österreich nur noch 1 Prozent. Überschussbeteiligungen sind nicht immer garantiert.

Kosten

Es werden oft deutlich höhere Kosten verrechnet als tatsächlich anfallen. Transparenz, wofür die Gebühren wirklich bezahlt werden, gibt es kaum.

Sterbetafeln

Hier wird getrickst, behaupten die Autoren mit Beispielen. Die Versicherer setzen die Lebenserwartung mitunter höher an als das statistische Bundesamt. Das Kalkül: Je höher die Lebenserwartung, desto länger kann das eingezahlte Kapital bei der spätere Verrentung gestreckt werden und desto niedriger sind die monatlichen Rentenauszahlungen. Der Versicherte muss also sehr alt werden, um sein eingezahltes Kapital herauszubekommen.

Sterblichkeitsgewinne

Versicherte sterben in der Regel früher als in den Rechenmodellen einkalkuliert. Was der Versicherte dann nicht mehr als Rente bekommt, bleibt bei der Versicherung als sogenannter "Sterblichkeitsgewinn". Eine der ertragreichsten und nachhaltigsten Einnahmen von Versicherungen. Fazit des Buches: Alle lebenslangen Renten sind "Wetten auf ein langes Leben". Die Spielregeln legt die Versicherung fest. Und zwar so, dass sie immer auf der sicheren Seite ist.

(kurier) Erstellt am
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