Wie sich Wien das Heizen ohne Öl und Gas vorstellt

Wie sich Wien das Heizen ohne Öl und Gas vorstellt
Wien will schon ab 2019 keine Öl- und Gasheizungen mehr im Neubau zulassen. Kritiker halten das für nicht machbar.

Sie ist geradezu ein Musterstück einer rot-grünen Politik: die neue Wiener Bauordnung, die derzeit in interner Begutachtung ist und im Herbst beschlossen werden soll. Denn in ihr ist leistbares Wohnen, eine typisch sozialdemokratische Forderung, und der Ausstieg aus fossiler Energie beim Heizen, eine typisch grüne Position, als Planungsziel verankert. Diese Kombination wird nicht einfach umzusetzen sein. Denn alternative Energien wie etwa Fotovoltaik sind zumindest derzeit noch vergleichsweise teuer.

Wird die Bauordnung so beschlossen, wie der aktuelle Entwurf aussieht, soll schon im kommenden Jahr weder Gas noch Öl als Heizquelle im Neubau verwendet werden dürfen. Bei Gas gibt es eine kleine Einschränkung: Gaszentralheizungen – also als Heizsystem für einen Wohnblock – sollten weiterhin möglich sein.

„Die neue Bauordnung bedeutet einen großen Schritt in Richtung eines besseren Klimaschutzes, einer verstärkten Nutzung von erneuerbarer Energie und der Förderung von umweltfreundlicher Mobilität auch beim Wohnen“, lobt der Planungssprecher der Grünen Wien, Christoph Chorherr, den Entwurf.

Auch Umweltschützer wie Global 2000 sind begeistert. „Wien ist mit dem Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen schneller als der Bund“, sagt Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000. Denn die Republik Österreich strebt in ihrer Klimastrategie einen Ausstieg aus fossilen Heizungen (Öl und Gas) im Neubau erst ab dem Jahr 2020 an.

Für Wahlmüller geht aber auch die Wiener Bauordnung nicht weit genug. Er hätte gerne, dass alle Gasheizungen im Neubau verboten werden und zudem alle ineffizienten Öl- und Stromheizungen durch erneuerbare Wärmesysteme ersetzt werden. Immerhin gebe es in Wien noch 31.000 Wohnungen mit Öl- und 37.000 mit alten Elektrodirekt-Heizungen.

Die Alternative

Favorit der Umweltschützer und der Stadtregierung unter den alternativen Heizsystemen ist die Fernwärme: Klimafreundlich und leistbar – zwei Argumente, die klar für Fernwärme sprechen. Einen Nachteil aber gibt es: Viele Teile Wiens sind durch das Fernwärmenetz gar nicht erschlossen. Ein Ausbau dieses Netzes aber ist teuer, die Wien Energie hat dies zuletzt daher unterlassen.

Kritiker meinen denn auch, dass hinter dem Gasheizungs-Verbot eine indirekte Förderung der Fernwärme steckt, die in den vergangenen Jahren durchaus mit Ertragsproblemen zu kämpfen hatte. Denn die Fernwärme stammt großteils aus den Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen , die mit Gas betrieben werden und Strom sowie Wärme gleichermaßen produzieren. Gas als Brennstoff rechnet sich in diesen Anlagen derzeit nur sehr schwer.

Alternative Nummer zwei sind Wärmepumpen. Diese nutzen Erdwärme und Strom zum Heizen der Wohnungen.

Alternative Nummer drei ist die Fotovoltaik, die im Neubau zumindest als Zusatzenergieträger zunehmend an Bedeutung gewinnt (siehe Artikel rechts).

Im Bundesländer-Vergleich liegt Wien mit der neuen Bauordnung nicht schlecht. In puncto Ausstieg aus Öl und Gas sowie Gebäudesanierung haben zwar Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg die Nase vorn. Gleich dahinter aber rangiert Wien gleichauf mit Oberösterreich, ergibt der Wohnbaucheck, den Global 2000 heuer zum zweiten Mal durchgeführt hat. Weit abgeschlagen folgt Tirol, das mit 31 Prozent den höchsten Ölheizungsanteil aller Bundesländer hat.

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