Wie Scheinfirmen Steuerzahler und Sozialversicherungen schädigen
Die Bekämpfung von Scheinfirmen hält die Finanzpolizei ordentlich auf Trab. Vor allem im Bau- und Baunebengewerbe, in der Reinigungsbranche, bei den Kleintransporteuren und bei Security-Firmen werden die Ermittler immer wieder fündig.
„Es macht sich aber quer durch alle Branchen breit – überall, wo es um viel Personal geht, oftmals auch um wenig qualifiziertes Personal“, sagt Wilfried Lehner, Chef der Finanzpolizei dem KURIER. „Wir haben zuletzt bei einem Spiel des Fußballklubs LASK in Linz eine Großkontrolle durchgeführt, die Securitys sind davongelaufen. Rund 100 Securitys konnten wir nicht mehr identifizieren.“ In diesem Fall sollen dubiose Sub-Subunternehmen tätig gewesen sein.
500 Millionen Euro Schaden
Im Jahr 2024 haben die Betrugsbekämpfer der Finanz 197 Verfahren gegen Scheinfirmen abgeschlossen, im Vorjahr waren es 411 Verfahren. Tendenz weiter steigend.
Der Gesamtschaden wird mit 500 Millionen Euro für die öffentliche Hand beziffert, mehr als die Hälfte entfällt auf nicht bezahlte Sozialversicherungsbeiträge und rund 20 Prozent auf die nicht abgeführte Lohnsteuer.
„Wir haben eine bessere Frühkennung von Scheinfirmen. Der Anstieg ist auch darauf zurückzuführen, dass wir mehr Geldwäsche-Meldungen von den Banken bekommen“, sagt Lehner. „Auch hat sich die gesetzliche Grundlage etwas geändert. Wir können jetzt auch Firmen, die nur Scheinrechnungen produzieren und gar keine Dienstnehmer haben, zu Scheinfirmen erklären.“
Zugleich habe sich mit der Konjunkturdelle ein Anstieg von Scheinfirmen ergeben. „Die Flucht in die Teil-Schwarzarbeit ist größer geworden. In Summe ist es tatsächlich ein äußerst lukratives Geschäftsmodell“, sagt der Finanzpolizei-Chef.
Deckungsrechnungen
Es gibt aber Branchen, in denen man keine Tricksereien vermuten würde. „Wir haben einen aktuellen Fall mit einer Firma, die Gemüse für den Handel in Kartons und Cellophan verpackt. Die Firma hat das Personal zum Teil schwarz beschäftigt und sich zugleich Deckungsrechnungen von Scheinfirmen besorgt, damit es besser in der Buchhaltung ausschaut“, sagt Lehner. „Wir haben nachberechnet, dass das Unternehmen bei einem legalen Betrieb 100.000 Euro Verlust gemacht hätte, mit den Teil-Schwarzzahlungen und Scheinrechnungen haben sie 100.000 Euro Gewinn erzielt.“
Scheinunternehmen sind auch in der Reinigungsbranche ein weit verbreitetes Phänomen. Laut Finanzpolizei kommt es des Öfteren vor, dass bei der Reinigung in Hotels Schwarzarbeiter eingesetzt werden.
„Theoretisch sollten wir jedes Scheinunternehmen entdecken. Aber wenn die Firmen bewusst in den Konkurs geschickt werden oder vermögenslos aufgelassen werden, dann schlagen diese nicht bei uns auf“, sagt Lehner. „Wir bekommen dann auch keine Geldwäsche-Verdachtsmeldungen, weil diese Firmen unter der Wahrnehmungsschwelle geblieben sind.“
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