Wirtschaft
31.01.2018

Wie Österreichs Unternehmerinnen ticken

Schon ein Drittel der Selbstständigen in Österreich sind Frauen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind ihnen wichtiger als das Einkommen.

Die Wirtschaft wird immer weiblicher. Rund ein Drittel der Selbstständigen in Österreich sind Frauen, das ist EU-weit der sechste Platz. Bei den Neugründungen erreichte der Frauenanteil im Vorjahr ein neues Rekordhoch von 45 Prozent.

Frauen- und Männerbetriebe unterscheiden sich jedoch in vielerlei Hinsicht, geht aus einer Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag von "Frau in der Wirtschaft" hervor. So zählt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf neben der Unabhängigkeit und flexiblen Zeiteinteilung zu einem wichtigen Gründungsmotiv bei den Frauen, während das Erzielen eines hohen Einkommens nur bei den Männern ein Top-Motiv ist. Dies erklärt wohl auch den geringen Frauenanteil unter den Start-ups. Auch Kundenzufriedenheit und Freude am Job ist den Chefinnen wichtiger als den Chefs.

Gut ausgebildet

Weibliche Gründer sind im Schnitt besser ausgebildet als ihre männlichen Kollegen, ein Drittel verfügt über Uni- oder Fachhochschulabschluss. Sie bringen auch ähnlich viel Berufserfahrung mit, dafür deutlich weniger Branchenerfahrung. Zwei Drittel aller von Frauen geführten Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen (EPU), bei den Männern ist es knapp die Hälfte. "Die EPU-Förderung ist daher vor allem eine Frauenförderung", interpretiert Martha Schultz, Vorsitzende von "Frau in der Wirtschaft" und Vize-Präsidentin der Wirtschaftskammer.

Sie fordert etwa eine bessere steuerliche Absetzbarkeit von Büroräumlichkeiten im Wohnungsverband sowie Verbesserungen beim Krankengeld. Nur jede dritte Unternehmerin kommt auf einen Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro, dafür haben 20 Prozent zumindest ein weiteres Einkommen als unselbstständig Erwerbstätige oder Mehrfachunternehmerin. Dazu kommen Familien- und Hausarbeit, die nach wie vor zum Großteil Frauensache ist.

Kinderbetreuung

Hauptanliegen der Unternehmerinnen bleibt der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen. "Kinderbetreuung muss bis ins kleinste Dorf im hintersten Osttirol funktionieren", sagt Schultz. Immerhin ein Viertel der befragten Unternehmerinnen fühlt sich wegen des fehlenden Betreuungsangebotes "extrem belastet". Großen Bedarf gebe es vor allem in den Rand- und Ferienzeiten.