© dpa - Heiko Wolfram

Wirtschaft
05/18/2020

Wie nach Finanzkrise: 10.000 Pleiten zusätzlich erwartet

Die Insolvenzwelle werde in Deutschland bis 2021 reichen, glaubt CRIF Bürgel. Hilfskredite sind dabei aber nicht berücksichtigt.

Der Informationsdienstleister CRIF Bürgel rechnet in diesem Jahr mit mehr als 29.000 Firmeninsolvenzen in Deutschland.

Das wären 10.000 oder rund 54 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, teilte CRIF Bürgel am Montag in Hamburg mit. Dabei handle es sich aber um eine Szenarioanalyse, in die Liquiditätskredite und Hilfen der staatlichen Förderbank KfW nicht eingerechnet seien.

Zweifel an Rückzahlung

Das seien Darlehen, die zurückgezahlt werden müssten. "Dabei stellt sich die Frage, wie selbst bislang erfolgreiche Firmen, die aufgrund ihres Geschäftsmodells wenig Gewinn und eher geringe Rücklagen erwirtschafteten, zusätzliche Kredite abbezahlen sollen", heißt es in der Mitteilung.

Damit würde die Pleitewelle ähnlich hoch ausfallen wie in der Finanzkrise, als 2009 fast 34.000 Unternehmen in die Insolvenz gingen.

"Da die Insolvenzstatistik stets die Vergangenheit abbildet, also gewissermaßen einen Blick in den Rückspiegel darstellt, werden die genauen Auswirkungen der Coronakrise wohl erst im zweiten Halbjahr und im kommenden Jahr sichtbar werden", sagte CRIF-Bürgel-Geschäftsführer Frank Schlein. "Die Insolvenzwelle wird auch noch ins Jahr 2021 hineinreichen. Das Ausmaß ist noch offen und hängt auch von der Dauer der Pandemie ab."

Tourismus und Events

Vor allem in der Tourismus-, Gastro- und Eventbranche sieht CRIF Bürgeleinen hohen Anstieg an Insolvenzen.

Zudem würden Messebauer, Automobilzulieferer, Kinos und auch der Einzelhandel sowie die exportabhängige Industrie die Folgen des Lockdowns zu spüren bekommen. Unternehmen aus diesen Bereichen mit geringen Liquiditätsreserven dürften kaum wieder auf die Beine kommen.

Muss nicht das Aus sein

Eine durch die Coronapandemie verursachte Insolvenz müsse nicht heißen, dass das Unternehmen vom Markt verschwindet, schreibt CRIF Bürgel. Das Insolvenzrecht in Deutschland biete viele Möglichkeiten, Unternehmen zu erhalten.

Bisher spiegelt sich die Pandemie noch nicht in den offiziellen Insolvenzzahlen bis April wider. Der Kreditversicherer Euler Hermes hatte jedoch bereits weltweit einen Anstieg von 20 Prozent und für Deutschland von mindestens 10 Prozent vorhergesagt.