Wirtschaft
01.07.2018

Wie Augarten Porzellan glänzen will

Restrukturierung. Nach vielen verlustreichen Jahren soll die Porzellanmanufaktur bald Gewinne abwerfen.

Hoppalas, wie beim Besuch des Bundeskanzlers in Dubai, sollten künftig nicht mehr passieren: Das Porzellan-Pferd, das Sebastian Kurz dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Mohammed bin Sajed al-Nahja, im April überreicht hatte, war nämlich nicht wie vermeldet von Swarovski. Es stammt in Wahrheit von Augarten.

Die Wiener Porzellanmanufaktur will verstärkt von sich reden machen und stellt sich neu auf: Die Effizienz in der Produktion soll steigen, der Vertrieb verbessert und das Unternehmen in die Gewinnzone gebracht werden. Derzeit produziert das Traditionsunternehmen, das 2003 vom Sanierer Erhard Grossnigg gekauft wurde, 35.000 verschiedene Artikel. Thomas Eccli, seit Februar neuer Augarten-Geschäftsführer, will sich auf rund 350 Stück konzentrieren.

 

Alle anderen Artikel wird es weiterhin auf Bestellung geben. Jene, die sich am besten verkaufen lassen, werden aber in den Vordergrund gestellt. „Wir wollen uns auf ein Core-Sortiment konzentrieren“, sagt Eccli. Eine Kaffeekanne brauchen heute wenige, eine Teekanne hingegen schon. Tee- und Kaffeetassen gelten als Einstiegsartikel in die Augarten-Welt. Reüssieren will der neue Chef mit einer „weißen Linie“, die dem Zeitgeist entsprechen soll. „Wir müssen einen modernen und zeitlosen Weg mit unseren Produkten finden“, sagt der ehemalige Swarovski-Manager. Neben Ikonischem wie den porzellanenen Lipizzaner-Pferden oder Dekoren wie der Wiener Rose soll es ab November weißes Essgeschirr geben. Begonnen wird mit Kaffee- und Tee-Tassen, die personalisiert werden können.

Den Vertrieb will Eccli Schritt für Schritt ausbauen. Zuerst widmet er sich der deutschsprachigen Region, dann wird Asien folgen, allen voran China und Japan – die japanische Kaiserin gilt als leidenschaftliche Augarten-Sammlerin. Auch Südkorea und USA sind interessante Märkte für Porzellan aus Wien. „Wir sind im Prinzip überall vertreten. Die Frage ist nur, wie stark?“, sagt Eccli.

Jünger als gedacht

Augarten werde schon jetzt weltweit in vielen Märkten verkauft, allerdings fehlt es an der richtigen Struktur und einem maßgeschneiderten Sortiment. „So lässt es sich schwer bewerben, da muss ein Konzept her“, sagt der Vertriebsexperte. Er will im Ausland mit verlässlichen Partnern zusammenarbeiten und auch Shop-in-Shop-Lösungen anbieten. Ein Ziel ist es, im Warenhaus KaDeWe in Berlin vertreten zu sein.

Augarten Porzellan soll in den vergangenen Jahren selten bis gar nie schwarze Zahlen geschrieben und nur durch Grossniggs Liebe zu dem Traditionsunternehmen (sowie entsprechende Finanzierung) überlebt haben. Auch das soll sich ändern. Eccli rechnet damit, heuer eine schwarze Null zu erreichen und ab nächstem Jahr profitabel zu sein. Bisher betrugen die Verluste einige hunderttausend Euro pro Jahr, 2019 will man „einige“ hunderttausend Euro im Plus sein.

Der Umsatz liegt derzeit bei rund vier Millionen Euro und soll bis 2022 sechs bis sieben Millionen Euro ausmachen. Sollte die „weiße Linie“ ein durchschlagender Erfolg werden, könnte der Umsatz sogar deutlich höher steigen, meint Eccli. Proportional mit dem Umsatzwachstum würde auch die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 63 auf 80 zulegen. Bei den Kosten und der Effizienz in der Produktion sei noch viel zu holen. Hochqualifizierte Mitarbeiter würden derzeit noch zu viele Tätigkeiten erledigen, die auch weniger qualifizierte erledigen könnten. Die Wege müssen verkürzt und Produktionskosten durch größere Losgrößen gesenkt werden.

Eine der ersten Veränderungen ist schon in Kraft getreten: Das Augarten-Museum ist nun auch sonntags geöffnet, wovon der Shop profitiert. Bei der Zielgruppe gilt es nachzuschärfen. „Wir haben bisher unsere Käufer älter eingeschätzt, als sie tatsächlich sind“, sagt Eccli. Viele der Interessenten seien Anfang 30. Millionen-Gewinne wird man mit Augarten jedoch nie machen. „Dafür ist die Gewinnmarge zu gering.“ Die hohen Produktionskosten rühren von der Handarbeit, 60 bis 70 Prozent entfallen auf diese. Angst vor Jobverlust müsse niemand haben, vielmehr sei es schwierig, Nachwuchs zu finden. „Eine so spezielle Ausbildung zu machen, für die es in Österreich dann nur wenige Arbeitgeber gibt, ist für viele nicht ideal.“ Laufend müsse das Wissen der älteren Mitarbeiter an die Jungen oder die Neueinsteiger weitergegeben werden.

Ein erster Coup

Ein Coup ist Eccli zum 300. Geburtstag von Augarten bereits gelungen. 70 Geschäfte in der Wiener Innenstadt platzierten auf seine Bitte hin Augarten-Produkte prominent in ihren Schaufenstern. Das Interesse und die Nachfrage der Kunden war groß. Der Umsatz des Augarten-Stores in der Spiegelgasse ging seither um gut 30 Prozent nach oben.

Fakten: Lange Tradition

1718 In der Wiener Porzellangasse wird erstmals Porzellan für Kaiser und Adel gefertigt.

1864 Die Manufakturwird eingestellt, die Konkurrenz aus Böhmen ist zu stark.

1923 Im Schloss Augarten wird unter dem heutigen Namen wiedereröffnet.