Wirtschaft
15.06.2018

Wetterprognose für Österreich: Extrem wird normal

Unwetterschäden nehmen zu. Die Österreicher unterschätzen die Auswirkungen aber bei Weitem, warnen Experten

Nicht schon wieder. Wie schlimm wird es denn diesmal? In einigen Regionen Österreichs löst der Blick gen Himmel immer öfter ein mulmiges Gefühl aus. Extremes Wetter mit Sturm, Hagel oder Starkregen ist längst keine Ausnahme mehr. Klimaexperten wie Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), warnen schon seit Jahren davor, dass sich Extremwetterlagen in Österreich häufen werden. „Die Wettergefahren variieren von Jahr zu Jahr und können unterschiedlich ausgeprägt sein, aber in jedem Jahr kommt es zu markanten Schäden“, weiß Staudinger. Heuer ging schon am 16. April das erste Unwetter über Graz nieder – ungewöhnlich früh.

Laut Versicherungsverband (VVO) entstand durch Hagel und Überschwemmungen heuer bereits ein Schaden in der Landwirtschaft von mehr als 2 Millionen Euro, dabei habe die Blitz-Saison noch gar nicht richtig begonnen. VVO-Präsident Othmar Ederer hält künftig Schäden in Höhe von 200 Millionen Euro jährlich für möglich. Mit 100 Millionen Euro Gesamtschaden war schon 2017 das schwerste Unwetter-Jahr seit acht Jahren.

Die Betroffenen leiden aber nicht nur unter den materiellen Auswirkungen, sondern auch unter den psychischen. Diese würden oft sogar schwerer wiegen, weiß Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV). Das KFV führte Tiefeninterviews mit Opfern von Murenabgängen oder Hagelunwettern. Immerhin 40 Prozent der Befragten fürchten eine Wiederholung des Ereignisses. 17 Prozent gaben an, seit dem Ereignis schreckhaft bzw. unsicherer zu sein. Sechs Prozent litten zumindest zeitweise unter Schlafstörungen. „Die psychischen Folgen von Extremwetter führen oft dazu, dass sich das Leben der Betroffenen schlagartig ändert“, fasst Thann zusammen.

Bewusstsein schärfen

Das Gefahrenbewusstsein der Österreicher sei laut KFV-Studie in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, gleichzeitig werden die Auswirkungen aber noch immer unterschätzt. Die Experten wollen daher die Bevölkerung vermehrt für Naturgefahren sensibilisieren. Die ZAMG arbeitet mit vielen Regionen zusammen, um Gefahren möglichst früh zu erkennen und versucht über „auswirkungsorientierte Wetterwarnungen“ (z.B. unterschiedliche Farbstufen, Anm.) das Bewusstsein zu schärfen. „Viele direkte Schäden oder wirtschaftliche Probleme können durch geeignete Maßnahmen vermieden werden“, sagt Staudinger.

Der Versicherungsverband hat eine eigene Broschüre über vorbeugende Schutz-Maßnahmen gegen Ereignisse wie Blitzschlag oder Hochwasser herausgebracht. Laut Broschüre werden 18 Prozent aller Brände durch Blitzschlag verursacht, wobei sich die Schadenwirkung in einem Radius von bis zu 1,5 Kilometer um den Einschlagspunkt erstreckt. Ederer sieht auch die Politik gefordert und spricht sich für Änderungen beim Katastrophenfonds aus. Das Umweltbundesamt steht ferner Gemeinden bei der Umsetzung von Schutz-Maßnahmen mit Rat und Tat zur Seite. Im Rahmen des Förderprogramms „KLAR“ werden 20 Regionen mit insgesamt 2,1 Mio. Euro unterstützt.