Sammler und Selfmade-Unternehmer Trenker: „Ich habe mit null begonnen“

Wie Werner Trenker den Aufstieg schaffte und was ihn an der Politik stört. Selbst unter Beschuss geraten ist er mit seiner Arnulf-Rainer-Ausstellung im Stephansdom.
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Der Unternehmer über seinen waghalsigen Erfolgsweg und seine Kunstleidenschaft.

KURIER: Wird es irgendwann einmal Aussöhnung mit der Familie von Arnulf Rainer geben, dessen Kreuze aus Ihrer Sammlung Sie gerade im Stephansdom ausstellen – gegen deren Willen?

Werner Trenker: Ich gehe davon aus. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich jemand bin, der immer versucht, Lösungen zu finden. Auch beruflich mache ich den ganzen Tag nichts anderes. Ja, es hat hier einen Konflikt gegeben. Mein Ziel bleibt es, gemeinsam mit der Familie Rainer irgendwo, irgendwann eine Ausstellung zu machen.

Es gab auch im KURIER Kritik an der Hängung der Kreuze. Bereuen Sie rückwirkend etwas?

Meine Frau und ich arbeiten bei jeder Ausstellung mit einem Kurator zusammen. Bei der nächsten in Wels wird es Prof. Klaus Albrecht Schröder sein, und bei dieser im Stephansdom hatten wir Prof. Friedhelm Mennekes, der mit Arnulf Rainer schon 12 Ausstellungen durchgeführt hat sowie mit und über ihn acht Bücher geschrieben hat. Er kennt sich wirklich aus. Wir haben das monatelang geplant und uns für diese Hängung entschieden. Konstruktive Kritik höre ich mir sehr gerne an und lerne dabei. Kunst betrachten wir ja nicht als Selbstzweck.

Planen Sie eigentlich ein eigenes Privatmuseum?

Nein, es gibt sehr viele gut funktionierende Museen in Österreich, da braucht es kein weiteres Privatmuseum. Wir stellen sehr viel regional aus: in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland. Aber zum Beispiel sind wir – was mich besonders freut – eingeladen worden in der Kulturhauptstadt Italiens für zeitgenössische Kunst 2026 Gibellina in Sizilien eine Ausstellung mit österreichischer Kunst zu machen – als einzige Nicht-Italiener.

Wieso haben Sie die „Himmelsleiter“, die in der Pandemie am Stephansdom prangte, erworben und an das Wiener Neustädter Museum St. Peter an der Sperr als Dauerleihgabe vergeben?

Die Himmelsleiter hat mich von Anfang an fasziniert, mit diesem Meisterstück hat Billi Thanner ihren Durchbruch geschafft. Ich habe neun Meter davon gekauft und dem Bürgermeister von Wiener Neustadt angeboten, sie aufs Rathaus zu montieren, weil sie ja auch eine Friedensleiter ist. Aber dafür war sie zu groß. Seine Idee war dann die profanisierte Kirche, die früher Teil der Stadtmauer war.

Sie waren ursprünglich Mitarbeiter in der Presse- und Informationsabteilung des ÖAMTC, wieso haben Sie dann später eine Firma für ein Diabetesmittel gestartet? Ein Freund hat mir vor 28 Jahren angeboten, ein non-invasives, kontinuierliches Blutzuckermessinstrument namens Glucowatch – es war eine Uhr – in Österreich zu vertreiben. Stechen wäre damit nicht mehr nötig gewesen. Ich wollte aber nicht in einer großen Firma arbeiten, sondern selbstständig sein. Dafür habe ich eine Firma gegründet, die damals schon MED TRUST hieß. Doch zwei Jahre später wurde ich informiert, dass das Produkt nie funktionieren wird.

Werner Trenker

War das nicht ein Riesenschock für Sie?

Ja. Ich hatte damals schon mehr als 10 Mitarbeiter. Für eigene Produkte gab es zwei Probleme: Know-how und finanzielle Möglichkeiten. Daher haben wir als Zwischenschritt Diabetes-Produkte als „private label“ produzieren lassen und sie unter der Marke „Wellion“ vertrieben. 2008/2009 brachten wir dann das erste eigene Produkt auf den Markt. Mir war klar: Man muss von der Idee bis zum Markteintritt alles in einer Hand haben, um wirklich erfolgreich zu sein. Mittlerweile stellen wir sogar für große Konzerne unter deren Marke Produkte her.

Wie wird hierzulande mit dem Unternehmertum umgegangen? Was wünschen Sie sich von der Politik?

Deregulierung! Die Politik verspricht am Sonntag Deregulierung und macht von Montag bis Samstag genau das Gegenteil. Es ist daher nicht besser, sondern sogar noch schlimmer geworden. Wir haben vor 15 Jahren 80.000 Euro nur in Österreich für Qualitätsmanagement ausgegeben, 2025 waren es 1,3 Millionen Euro. Durch neue EU-Vorschriften geht es nun in Richtung zwei Millionen. Für eine neue Medizinprodukte-Zertifizierung haben wir gerade acht Mitarbeiter angestellt. Dabei geht es da um Produkte, die wir zum Teil schon 20 Jahre im Portfolio haben. Wohin führt das? Dagegen muss sich die österreichische Politik wehren.

Wir haben doch sogar einen eigenen Deregulierungsstaatssekretär.

Ich wünsche ihm sehr viel Glück und Erfolg. Ich glaube sogar, dass es alle Politiker ehrlich meinen. Aber der Verwaltungsapparat, auch in der Europäischen Union, hat sich verselbstständigt. Ständig werden neue Normen erfunden, die es der Wirtschaft sehr schwer machen.

Sind Sie da manchmal wütend?

Ich bin manchmal verärgert, aber als Unternehmer gewöhnt, Probleme selbst zu lösen. Die überbordenden Vorschriften behindern uns, weil wir ja im weltweiten Wettbewerb stehen.

Martina Salomon,  Werner Trenker

Zum ausführlichen "Salon Salomon'" mit Werner Trenker

Sie könnten Ihr Unternehmen in ein anderes Land verlegen.

Nein, wir sind ein Familienunternehmen aus Österreich. Da geht man nicht so einfach weg.

2021 haben Sie noch eine Firma für Nahrungsergänzungsmittel zugekauft. Das scheint ein Riesenmarkt zu sein, wenn man die TV-Werbeeinschaltungen betrachtet.

Bei uns macht es nur knapp zwei Prozent des Umsatzes aus. Wir hatten für das Unternehmen schon gearbeitet, dann wurde es mir angeboten.

Nehmen Sie selbst Nahrungsergänzungsmittel?

Nur gelegentlich Vitamin D, weil ich da – wie 95 Prozent der Österreicher – einen Mangel habe.

Wird mit diesen Mitteln nicht auch viel Schindluder getrieben?

Früher vielleicht schon, heute ist das nicht mehr möglich.

In der politischen Diskussion wird oft von breiten Schultern gesprochen und von Reichen, die mehr beitragen sollen. Ärgert Sie das? Und sind Sie reich?

Wissen Sie, ich habe im Keller meiner Eltern mit der Firma begonnen und schon während meines Studiums gearbeitet. Ich kenne daher das Gefühl, Waschpulver erst im nächsten Monat kaufen zu können, weil das Geld ausgegangen ist. Natürlich geht’s mir heute besser, darüber bin ich froh. Aber als ich selbst wenig hatte, war ich nie jemandem etwas neidig, sondern habe mich über den Erfolg anderer mitgefreut.

Hatten Sie nie Angst, in Konkurs zu schlittern?

Natürlich! Ich bin ein sehr mathematisch denkender Mensch und habe mir alles sehr oft durchgerechnet. Das Startkapital waren selbst gesparte 700.000 Schilling, also 50.000 Euro. Mein erster selbst gekaufter Schreibtisch um 50 Schilling war ein aussortiertes Möbel aus dem Spital Wiener Neustadt. An dem bin ich jahrelang gesessen. Ich habe wirklich mit Null begonnen.

Waren Ihre Eltern besorgt?

Anfangs waren sie schon schockiert, heute sind sie stolz.

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