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Wirtschaft
09/06/2019

Wer von Smart Meter profitiert - und wer nicht

Die neuen Stromzähler sind nur für einen Teil der Haushalte interessant

von Andreas Anzenberger

Der Hype um die Smart Meter ist vorbei. Die meisten Netzbetreiber haben es mit der Umstellung auf die neuen Stromzähler nicht eilig. Zu Jahresbeginn waren 17 Prozent oder knapp über eine Million der Haushalte mit den intelligenten Stromzählern ausgestattet, heißt es in der Studie „Stadtwerke 2019“ der Wirtschaftsprüfer und Berater von EY Österreich. Bis 2020 sollte der Versorgungsgrad bei 80 Prozent liegen. In einigen Bundesländern hat der Rollout (Umstellung) noch nicht begonnen.

Salzburg startet Ende des Jahres. Niederösterreich beginnt Anfang 2020. In Wien wurden bisher 40.000 Smart Meter eingebaut. „Es wird keine revolutionäre, sondern eine evolutionäre Entwicklung geben“, lautet die Einschätzung des Energieexperten Stefan Uher, Leiter des Energiesektors bei EY Österreich. Die einst überzogenen Erwartungen sind einer realistischen Einschätzung gewichen. „Das Einsparungspotenzial bei den Haushalten ist überschaubar“, weiß Uher. „Wir reden nicht von großen Beträgen.“

Immerhin sind neue Geschäftsmodelle möglich. Laut Studie bieten derzeit erst 10 bis 15 Prozent der Energieanbieter ihren Kunden Smart-Meter-basierte Angebote an. „Mit der Smart-Meter-Einführung werden enorme Datenmengen verfügbar sein, die genutzt werden können, um Kundenverhalten zu analysieren und gegebenenfalls zu steuern“, heißt es in der Studie. Als Partner für Geschäftsmodelle wird etwa die Wohnungswirtschaft genannt.

Günstige Angebote

Eine Steuerung des Kundenverhaltens erfolgt über den Preis. Die Anbieter verkaufen den Strom dann an die Kunden, wenn er billig ist. Die Smart Meter messen den Verbrauch alle 15 Minuten. Dadurch sind speziell auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Tarife möglich.

Der KURIER hat bei der Energie AG OÖ nachgefragt, welche speziellen Angebote für Haushalte mit Smart Meter es bereits gibt. Denn in Oberösterreich beträgt der Versorgungsgrad mit Smart Metern bereits 95,5 Prozent. „Wir haben Tarife für smarte Wärmepumpen oder für Kunden, die vor allem am Wochenende Strom verbrauchen“, weiß Pressesprecher Michael Frostel.

Smart Meter sind für jene Haushalte interessant, die eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben oder ihr Elektroauto aufladen wollen. Da sind nach dem Stromangebot wechselnde Tarife interessant.

Für die meisten Haushalte in den Ballungsgebieten bringt der Smart Meter aber vor allem zusätzliche Kosten für das Gerät. Berater EY hat im Auftrag des deutschen Wirtschaftsministeriums eine Studie erstellt. Smart Meter rentieren sich ab einem Jahresstromverbrauch von 6.000 Kilowattstunden (kWh). Der durchschnittliche Haushalt verbraucht aber jährlich nur etwa 3500 kWh.

Auch bei der Steuerung des Kundenverhaltens gibt es Grenzen. Wenn sich in einer Wohnhausanlage um drei Uhr früh die Waschmaschinen einschalten, weil der Strom um diese Zeit billig ist, dann wird es massive Beschwerden jener geben, deren Schlaf gestört wird.

Profitieren werden von der Umstellung auf Smart Meter die Hersteller der Geräte und die Netzbetreiber. Die alten, analogen Stromzähler halten etwa 40 Jahre. Bei Smart Metern soll die Lebensdauer weniger als die Hälfte betragen. Die Netzbetreiber bekommen Informationen zur Stabilisierung der Netze.

Sicherheitsprobleme

Umstritten ist die Fernabschaltung. Smart Meter bieten die Möglichkeit, die Stromzufuhr der Haushalte aus der Zentrale des Netzbetreibers abzuschalten. Hacker könnten ganzen Städten den Strom abdrehen und für die Wiederherstellung der Versorgung die Überweisung einer höheren Summe Bitcoins verlangen.

„Wir bemühen uns um größtmögliche Sicherheit“, betont Stefan Zach, Pressesprecher der EVN-Tochter Netz Niederösterreich. Smart Meter sollen daher mit einem eigenen Code ausgestattet werden, um unerwünschte Massenabschaltungen zu verhindern.

Die   alten,  analogen  Stromzähler werden einmal im Jahr abgelesen. Es gibt keine genauen  Daten  über den Verbrauchsverlauf  während des  Tages.  Die neuen   Smart Meter  liefern Daten über den Verbrauch im Abstand von 15 Minuten. Dadurch ist auch eine genaue monatliche Abrechnung möglich.
Allerdings lassen sich aus den Verbrauchsdaten auch Informationen  über den Lebensstil ableiten. Wann verlässt eine Person seine Wohnung? Wie viele Personen haben sich wie lange in der Wohnung aufgehalten? In Österreich werden solche Bedenken bislang ignoriert.