Wirtschaft
26.12.2017

Weniger süß, mehr Sorten: Almdudler erfindet sich neu

Die Traditions-Getränkmarke will nach 60 Jahren am Markt mehr sein als das Original.

Auch Traditionsmarken müssen sich neu erfinden. So wie das Kräuter-Kracherl Almdudler. Neben dem Original gibt es nach 60 Jahren neue Geschmacksrichtungen wie Minze und Holunder. Der Zuckeranteil wurde nach unten geschraubt und das Vegan-Pickerl aufs Etikett gedruckt. Letzteres ist nicht ganz so selbstverständlich, wie es vielleicht klingt. In der Industrie werden Säfte und Limonaden nämlich oft mit Fischgelantine geklärt.

"Ich habe das Vegan-Thema anfangs selbst unterschätzt", sagt Almdudler-Geschäftsführer Gerhard Schilling. Das Pickerl habe dem Kracherl in den vergangenen drei Jahren aber den Weg in viele vegane Szene-Lokale geebnet, speziell am wichtigen deutschen Exportmarkt.

Der Konkurrenzdruck in Getränkeregal ist groß. Wachstumstreiber waren zuletzt diverse Mineralwässer mit Geschmack, Smoothies und Energy Drinks. Seit April 2017 mischt Almdudler auch im Markt der Muntermacher mit. Mit dem neu eingeführten Almdudler Mate & Guarana. Schilling: "Wir haben binnen sechs Monaten eine Million Dosen verkauft. Das war eine der erfolgreichsten Energy Drink Einführungen der vergangenen Jahre." Der Markt ist vor allem von Red Bull und den billigen Eigenmarken dominiert.

Auch Konzerne sind ständig auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Coca-Cola will Energydrinks verkaufen, Red Bull ist in den Bittergetränke-Markt eingestiegen. Die Multis pushen ihre Marken mit internationalen Kampagnen und dem Sponsoring von Großveranstaltungen. Parallel dazu bahnen sich lokale Neustarter den Weg in den aufstrebenden Urban-Drinks-Markt, also ins gerade gehypte regionale Sortiment. Viele sind allerdings nach wenigen Monaten auch schon wieder Geschichte – im Gegensatz zu Almdudler.

Die Marke hat 2017 ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert und sich selbst ein Geschenk gemacht. Ein Bild des Pop-Art-Künstlers Mel Ramos. Dieser ist für seine Pin-up-Girls bekannt, die sich mit Marken wie Coca-Cola oder Cohiba-Zigarren in Szene setzen. Heuer hat Ramos die Almdudler-Flasche samt Pin-up verewigt. Das Original hängt in der Firmenzentrale, die Kunstdrucke in der Galerie Hilger, die den Kontakt zum kalifornischen Künstler hergestellt hat.

Familiensache

Die Feierlichkeiten rund um die Bildübergabe wurden aber klein gehalten. Aus familiären Gründen. Ingrid Klein ist diesen Sommer im Alter von 82 Jahren gestorben. Die gebürtige Hamburgerin hatte nach der Hochzeit mit Almdudler-Erfinder Erwin Klein im Jahr 1957 das Unternehmen entscheidend mitgeprägt. Zur Hochzeit hat er ihr die erste Flasche Almdudler geschenkt.

Die Kinder der beiden, Thomas und Michaela Klein, sitzen heute im Aufsichtsrat des Unternehmens, das nach wie vor zu hundert Prozent in Familienbesitz ist. Der Sprudelfabrikant beschäftigt knapp 60 Mitarbeiter, die Produktion übernimmt der Mineralwasserabfüller Vöslauer.

Coca Cola: Wie ein Konzern sein Image repariert

Das Bild vom dicken, Burger-mampfenden Jung-Amerikaner mit Riesenbecher Coca Cola soll bald der Vergangenheit angehören. Aber wie repariert eine der bekanntesten Marken der Welt ihr Image, an zunehmender Fettleibigkeit von Kindern mitschuld zu sein? Indem es sein Getränke-Sortiment den Zucker entzieht, zum Beispiel. Philipp Bodzenta, Unternehmenssprecher bei Coca Cola, erzählte dem KURIER die Strategie des 1886 gegründeten Konzerns.

So hält zum Beispiel Österreichs Coca Cola-Testimonial David Alaba mittlerweile nicht mehr das Original in der Hand, sondern ein „Coca Cola zero“. Weltweit gibt es kein Marketing mehr für Kinder unter zwölf Jahren und in heimischen Volksschulen auch keine Produkte der Firma mehr. Ab 2019 werden in keiner österreichischen Schule mehr zuckerhaltige Coca Cola-Getränke verkauft.

„Minimize me“ statt „supersize me“ (ein kritischer US-Film über Fast Food) setzt man auf „minimize“: Insgesamt wurden die Gebinde verkleinert. Der Konzern wird künftig freiwillig seine Getränke genauer kennzeichnen – das Emblem „Zucker“ erscheint dann im Falle des Falles in Rot. Doch auch die Kennzeichnung ein Bio-Apfelsaftes ohne Zuckerzusatz wäre in diesem Fall rot eingefärbt, relativiert Bodzenta.

Weniger Soft Drinks

Überhaupt sollte man bedenken, dass Coca Cola nur für drei Prozent der Österreich-weit aufgenommenen Kalorien verantwortlich sei. Jugendliche würden schon jetzt viel weniger Soft Drinks konsumieren als früher. Und die europäische Industrie hat seit dem Jahr 2000 rund 12 Prozent Zucker aus den Soft Drinks herausgenommen – in den kommenden fünf Jahren werden es weitere 10 Prozent sein.

Die WHO empfiehlt übrigens, nicht mehr als 50 Gramm zugesetzten Zucker am Tag aufzunehmen. In 100 Milliliter Cola Original befinden sich 10,6 Gramm Zucker. Bei einem Viertelliter kommt man auf über acht Würfelzucker. Klar sollte man das nicht in riesigen Mengen trinken, meint Bodzenta. Es sollte einfach etwas sein, „das man sich gelegentlich gönnt“.