Wirtschaft
13.04.2018

Weniger Bipa-Filialen und Aktionen

Drogeriekette. Bis zu 100 Standorte fallen weg. Konzern-Boss will zudem aus Rabatt-Dschungel ausbrechen

von simone hoepkeDie Zeiten, in denen an gefühlt jeder zweiten Ecke eine Bipa-Filiale eröffnet, sind vorerst vorbei. Marcel Ha-

raszti, der neue Chef der Rewe-Austria-Gruppe (Billa, Merkur, Adeg, Bipa), streicht das Filialnetz zusammen.

Aktuell zählt die Drogeriemarktkette noch 599 Standorte, bald sollen es bis zu hundert weniger sein. „Mit durchschnittlich 280 Quadratmetern Fläche sind viele Standorte zu klein, ideal sind 350 Quadratmeter“, erläutert Haraszti, dass es zu weiteren Abtäuschen von Filialen kommen werde. Schon im Vorjahr wurden 27 Bipa-Geschäfte geschlossen und im Gegenzug 13 neue eröffnet. In der gleichen Dimension soll es heuer weiter gehen. Haraszti: „Zum Schluss werden wir 500 bis 550 Standorte haben.“

Umsatzbringer Bipa

Die Konkurrenz beobachtet die Entwicklung mit Argusaugen. In der Branche machen bereits Gerüchte die Runde, dass der deutsche Branchenriese Rossmann an der Kette interessiert sei und Rewe die Braut gerade herausputze. Solche Verkaufsgerüchte werden vom Rewe-Management entschieden dementiert. „Wir werden auf Bipa nie, nie, nie verzichten“, sagt Haraszti am Rande der Rewe-Bilanzpressekonferenz. Bipa sei ein wichtiger Umsatzbringer für die Gesamtgruppe, die auch in der Eigenmarkenproduktion eine gewichtige Rolle spielt. Zudem seien – trotz der Turbulenzen der letzten Jahre inklusive diverser Management- und Strategiewechsel – die Perspektiven gut.

Der Drogeriemarkt wächst, wenn auch in einem niedrigen einstelligen Prozentbereich. Gemessen an der Zahl der Standorte ist Bipa die Nummer eins, gemessen am Umsatz darf sich aber Konkurrent dm die Siegermedaille umhängen. Der Markt lässt sich aber immer schwerer abgrenzen, da dm verstärkt Regale mit Lebensmitteln bestückt und die Supermärkte und Diskonter seit jeher Kosmetika und Reinigungsmittel verkaufen.

In Österreich haben Konsumenten so viele Möglichkeiten zum Lebensmitteleinkauf wie in kaum einem anderen Land Europas. Der Preiskampf ist enorm, die Österreicher wurden von den Händlern zu Schnäppchenjägern erzogen. Es gibt quasi immer irgendwo Minus-25-Prozent-Aktionen auf ganze Produktgruppen, dazu kommen 2+1-Gratis-Aktionen und diverse Rabattpickerln. Unter dem Strich machen Händler rund ein Drittel ihres Umsatz mit Aktionsware.

Schluss mit Rabatten

Haraszti ist diese Aktionitis ein Dorn im Auge. „Es ist unsere Aufgabe als Marktführer, für mehr Übersichtlichkeit zu sorgen“, sagt er. Der Rabatt-Dschungel soll also gelichtet – sprich zusammengestrichen – werden. „Die Ersparnis können wir in den Regalpreis investieren.“

Die klassischen Supermärkte bekommen die Konkurrenz der Diskonter zu spüren, die mehr Marken ins Sortiment aufnehmen und damit den Preiskampf anheizen. Im Vorjahr wird dem gesamten Lebensmitteleinzelhandel in Österreich ein Umsatzplus von 4,1 Prozent bescheinigt, Branchenführer Rewe kommt allerdings nur auf ein Plus von 1,7 Prozent mit 8,53 Milliarden Euro.

Wachsen wollen Billa und Merkur künftig vor allem mit kleineren City-Lagen, im Westen des Landes gebe es zudem weiße Flecken.