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Partnerschaft
12/15/2018

Was Österreich für Afrika tun kann: „Bildung ist beste Hilfe“

Der Ex-Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung, Karl Aiginer, sieht in Afrika den nächsten großen Wachstumsmarkt.

von Irmgard Kischko

Die Chinesen sind längst dort: Sie bauen Straßen, Brücken, Eisenbahnen und kaufen Rohstoffe auf. Afrika ist für China zum Exportmarkt für ihre Billig-Textilien geworden und zum wichtigen Lieferanten seltener Rohstoffe für die IT-Branche. Die USA haben mit militärischer Präsenz und Investitionen in Großprojekte ihre Fußabdrücke in Afrika gesetzt. Und wo bleibt Europa oder gar Österreich?

Lediglich 1,16 Prozent der gesamten Ausfuhren Österreichs gehen nach Afrika. „Das ist schade. Denn Afrika ist der nächste große Wachstumsmarkt vor unserer Haustür“, sagt Karl Aiginger, Ex-Wifo-Chef und aktuell in der „Querdenkerplattform WienEuropa“ engagiert, im Gespräch mit dem KURIER. Es könnte lebenswichtig werden, sich wirtschaftlich in Afrika zu engagieren. Denn Europas Wirtschaftsdynamik sei schwach, die Bevölkerung alt. Afrika aber strebe auf Wachstumsraten á la China zu und die Bevölkerung sei jung. „Wenn wir partnerschaftlich aufeinander zugehen, können sich die beiden Kontinente gut ergänzen“, ist Aiginger überzeugt.

Studenten-Austausch

Was aber genau könnte das kleine Österreich dazu beitragen? „Wir werden keine Großprojekte in Afrika starten“, betont Aiginger. Unsere Stärke liege in der Ausbildung – also „Export von Bildung, Lehre, Studenten- und Schüleraustausch“. „Da können wir helfen“, betont Aiginger und verweist auf ein Projekt, das viel respektiert wird. Der renommierte Linzer Mathematik-Professor Bruno Buchberger habe in Kairo eine Universität gegründet, die „Austrian University of Cairo“.

Einen zweiten möglichen Schwerpunkt Österreichs kann sich Aiginger im Bereich der dezentralen Energieprojekte vorstellen. Die Stromversorgung ist in vielen Staaten Afrikas ein großes Problem. Wegen regelmäßiger Versorgungsausfälle haben fast alle Unternehmen ein Dieselaggregat, das bei Stromausfällen angefahren wird – mit enormen negativen Auswirkungen auf die Umwelt. „Große Stromleitungen zu bauen aber hat in Afrika wenig Sinn. Denn sie könnten von Terroristen angegriffen werden“, glaubt Aiginger. Die Lösung laute daher: Dezentrale, kleine, umweltfreundliche Stromerzeugungsanlagen mit Photovoltaik oder Wind. Hier seien Österreichs Unternehmen gut.

Ein Zehn-Milliarden-Fonds

Ohne finanzielle Hilfe aber werde der Kontinent nicht auf die Beine kommen, meint der Afrika-Experte. Er schlägt deshalb die Errichtung eines Fonds auf europäischer Ebene vor, der mit rund zehn Milliarden Euro gespeist werden sollte. Über Geldaufnahme am Kapitalmarkt könnte dieser Fonds bis zu 100 Milliarden Euro schwer werden.

Ähnlich wie der Marshall-Plan, der Europa nach dem Zweiten Weltkrieg finanziell beim Wiederaufbau unterstützt hatte, denkt Aiginger an eine Art „Kontroll-Komitee“, das die Zahlungen überwacht – natürlich unter Mitsprache der Afrikaner. Mit all diesen Maßnahmen könnte Europa in Afrika jene Lücke schließen, die die USA hinterließen. Denn Donald Trumps Politik führe zu einem Rückzug aus allen internationalen Gremien und so auch aus Afrika.

Im Vorfeld des EU-Afrika-Gipfels nächste Woche in Wien hat auch ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament Othmar Karas eine Stärkung der Afrika-Politik der EU gefordert. Es sollte einen eigenen Afrika-Kommissar in der nächsten EU-Kommission geben, meint Karas.