Internet der Dinge. Auch der Autoschlüssel kann zur Kreditkarte werden.

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Mastercard
09/29/2016

Was auf Papier- und Plastikgeld folgt

In der digitalen Welt wird mit unterschiedlichsten Geräten mobil und kontaktlos bezahlt.

von Anita Staudacher

Auch ein Roboter braucht mal Pause. Seit zwei Stunden nimmt "Pepper" ununterbrochen Snack-Bestellungen auf und wickelt mit sympathischer Stimme die mobile, kontaktlose Bezahlung ab. Doch plötzlich scheint die Batterie leer, Pepper antwortet nicht mehr, senkt den Blick und lässt schließlich ermüdet den Kopf hängen. Jetzt helfe nur noch abschalten und nach einigen Minuten wieder neu starten, klärt eine Mastercard-Mitarbeiterin auf. Die Zukunft des Bezahlens, die die Kreditkartenfirma bei ihrem internationalen Innovation Forum in Budapest vorführt, hat eben doch noch ihre Tücken.

Aber diese Zukunft hat längst begonnen. Pepper ist keine Fiktion mehr, sondern arbeitet real bei Pizza Hut in Singapur. Bis 2020, prophezeien Marktforscher, werden schon 30 Prozent aller Zahlungsvorgänge digital erledigt werden. Haupttreiber des mobilen Bezahlens ist die rasante Verbreitung von Smartphones, die zur Geldbörse in einer zunehmend digitalen Welt mutieren. Bargeld kommt in dieser Welt gar nicht mehr vor und auch Plastikkarten werden als Trägermedium für die Abwicklung des sicheren Zahlungsvorganges schlicht überflüssig.

Gerätevielfalt

"Egal, ob ein Smartphone, eine Uhr, ein Fitness-Armband oder ein Schlüsselanhänger: Jedes Endgerät kann für den Zahlungsvorgang genutzt werden", sagt Brian Morris, zuständig für Digital Payments bei Mastercard Zentral- und Osteuropa (CEE). Weil immer mehr Zahlungsterminals kontaktlos via NFC-Schnittstelle funktionieren, reicht zum Bezahlen schon das Hinhalten des jeweiligen Endgerätes.

Die Kartennummer wird digitalisiert und dabei zusätzlich verschlüsselt ("Tokenisierung"), sodass sie nur in Verbindung mit dem jeweiligen Endgerät funktioniert. Geht dieses verloren, wird auch der für dieses Gerät hinterlegte Zifferncode deaktiviert. Die Hauptkarte muss nicht ausgetauscht werden. Die nötige Authentifizierung erfolgt in Zukunft nicht mehr mit Unterschrift, PIN und Passwort, sondern mit biometrischen Lösungen wie Fingerabdruck oder Gesichtsscan. "Der Biometrie gehört eindeutig die Zukunft", meint Morris. Erst kürzlich präsentierte Mastercard seine Authentifizierungs-Lösung mittels Selfie, andere Firmen arbeiten ebenfalls am "Selfie-Pay".

Digitale Geldbörse

Der US-Kreditkartenriese beeilt sich gerade mit dem Roll-out von "Masterpass", einer Art digitalen Geldbörse im Smartphone oder am PC für den Einkauf via Internet. Statt bei jedem Online-Shop Adresse und Kreditkartendaten neu eingeben zu müssen, werden diese einmalig hinterlegt. Für den Bezahlvorgang reicht dann ein Tippen auf die virtuelle Kreditkarte aus.

Während in Österreich die Banken noch äußerst zurückhaltend sind, wird Masterpass bereits in fünf osteuropäischen Ländern angeboten, in Polen etwa von Raiffeisen. Mastercard-Österreich-Chef Gerald Gruber ist zuversichtlich, spätestens Anfang 2017 mit Masterpass auch in Österreich durchstarten zu können. Mastercard will mit der eigenen Lösung vor allen Rivalen Paypal angreifen, der zunehmend in das Kerngeschäft der Kartenfirmen vordringt.

Verdrängungskampf

Das Duell zeigt: Der Kampf um die globale Vorherrschaft beim digitalen Bezahlen wird härter. Mit sicheren Geldtransaktionen Geld verdienen wollen plötzlich ganz viele. Auf der einen Seite drängen die Big-Data-Konzerne Apple, Google, Microsoft oder Facebook massiv in den Finanzbereich und rollen eigene Lösungen aus. Über das World Wide Web Konsortium W3C sind die Internet-Riesen gerade dabei, eine weltweite Standardisierung für Online-Bezahlsysteme durchzusetzen. So soll etwa Googles Browser "Chrome" eine zentrale Rolle bei der Zahlungsabwicklung spielen. Auf der anderen Seite graben Tausende sogenannter FinTechs mit innovativen Ideen den Etablierten das Wasser ab.

Die Kreditkartenfirmen fürchten, dass es den Nutzern irgendwann egal sein wird, wer im Hintergrund die Bezahlvorgänge abwickelt, solange sie funktionieren. Mastercard will gegensteuern und öffnet sich für Partnerschaften. "Apple beherrscht das Marketing, aber wir haben die Technologie", zeigt sich George Simon, Chef von Mastercard CEE, kämpferisch und verweist auf einen jahrzehntelangen Know-how-Vorsprung in der sicheren Zahlungsabwicklung.

Dass sich in der digitalen Welt Cryptowährungen wie Bitcoins durchsetzen werden, glaubt Simon nicht. Virtuelle Währungen würden nur geringes Vertrauen genießen. Sollten sie eine kritische Masse erreichen, werde es ohnehin strikte Regulierungen geben.

Hinweis. Der Kurier nahm auf Einladung von Masercard am Innovation Forum 2016 in Budapest teil.

Mastercard-Chef: "Schon 20 Prozent kontaktlos"

KURIER: Hat die Registrierkassenpflicht in Österreich die Kartenzahlungen angekurbelt?
Gerald Gruber: Die Nachfrage nach mobilen Terminals mit Kartenlösungen war groß, vor allem bei kleinen Händlern und Boutiquen. Der große Treiber für mehr Kartentransaktionen ist aber die Einführung des kontaktlosen Bezahlens mit der Maestro-Bankomatkarte.

Wie oft wird kontaktlos bezahlt?
Schon 20 Prozent aller Transaktionen mit der Maestro-Karte sind kontaktlos. Da ist aber noch Luft nach oben. In Tschechien etwa sind es 80 Prozent. Bei den Maestro-Transaktionen insgesamt haben wir zweistellige Zuwachsraten. Auf der Kreditkartenseite ist das Wachstum nicht ganz so stark. Die Österreicher verwenden die Kreditkarte nach wie vor hauptsächlich im Urlaub und für Einkäufe im Internet. Im stationären Handel werden 80 Prozent der Einkäufe bar bezahlt, etwa 15 Prozent mit der Maestro-Karte, der Rest mit Kreditkarte.

In Ungarn sind kostenpflichtige Bargeldautomaten ganz normal. Bald auch in Österreich?
Es muss Kostenwahrheit geben. Bei der eigenen Bank soll es weiterhin gratis sein, aber wenn ich einen Fremdautomaten nutze, halte ich Gebühren für legitim. Ich glaube, dass sich die Bargeldausgabe weg von den Bankomaten mehr an die Supermarkt-Kassen oder Tankstellen verlagern wird. Damit kann dort der Bargeldkreislauf verkürzt werden.

Wann kommt Masterpass nach Österreich?
Wir verhandeln gerade mit Banken, die das treiben sollen. Der Start ist im November geplant, Anfang 2017 sollen dann auch österreichische Online-Händler mit an Bord sein.

Kunden müssen sich künftig nur einmal registrieren und ihre Daten hinterlegen. Aber was haben Händler davon?
Es geht um den einfachen Kaufabschluss. Wenn Kunden sehen, wie kompliziert der Zahlungsvorgang wird, brechen sie einen Kaufvorgang schnell ab. Mit Masterpass reichen einige wenige Mausklicks.

Wann wird Masterpass auch im stationären Handel funktionieren?
Wir beginnen damit gerade in den USA, in Österreich wird es noch länger dauern. Bei Masterpass 2.0. muss ich den Kartenausgeber, sprich die Banken, auf alle Fälle mit an Bord haben. Die Karten werden tokenisiert und digitalisiert, das ist eine große Verbesserung in punkto Sicherheit.

Wann werden Fingerabdruck und Selfie die bisherigen PIN und Passwörter ablösen?
Das wird sich in den nächsten Jahren auch in Österreich durchsetzen, erste Banken beginnen ja schon beim Online-Banking damit. Seit Apple die Identifizierung per Fingerprint macht, hat sich das etabliert. Ich glaube, jetzige Authentifizierungen wie etwa die Securecode-Abfragen werden bald verschwinden und durch mobile Transaktionscodes (mobile TAN), Fingerprints oder Gesichtsscan ersetzt. Die Technologien sind da, es muss sie nur jemand umsetzen.

Haben die Kunden die Qual der Wahl oder wird sich ein Standard durchsetzen?
Es wird eine Vielfalt an Zahlungs- und Authentifizierungsmethoden geben. Sie werden an die jeweilige Benutzersituation angepasst sein. Es macht keinen Sinn, an der Supermarkt-Kassa Gesichtsscan zu verlangen, dort wird sich kontaktlos durchsetzen. Das Armband wird dann sinnvoll sein, wenn ich nach dem Joggen noch rasch was zum Trinken kaufen will.

Wird der Kunde dadurch nicht völlig gläsern?
Der Einzige, der weiß, was Sie einkaufen, ist der Händler. Wir als Kartenfirma wissen nur, welche Karte wo eingekauft hat, und die Bank weiß, wem das Konto gehört. Die Daten sind sehr gut verteilt, würde ich meinen. Wir müssen sicherstellen, dass dies auch so bleibt. Eine digitalisierte Gesellschaft funktioniert halt nicht mit Bargeld. Das heißt nicht, dass man Bargeld abschaffen muss. Es geht darum, wie wir in einer zunehmend digitalen Welt Bezahlen schnell, bequem und sicher machen. Ein wesentlicher Treiber davon ist Vertrauen.

Wer sind künftig die größten Konkurrenten von Mastercard?
Wir haben in diesem Match neue Konkurrenten, die zugleich auch unsere Partner sind. Paypal etwa ist ein wichtiger Partner, aber auch ein Mitbewerber, ebenso wie Google. Wir müssen neue Verbündete suchen und auch mit FinTechs kooperieren.

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