© APA/BARBARA GINDL

Wirtschaft
12/05/2019

Warum Urlauber plötzlich mehr Zimmer buchen als sie brauchen

Schuld sind die Buchungsplattformen und ihre Stornobedingungen, findet die Branchensprecherin. Hoteliers mussten nachziehen.

von Simone Hoepke

Ein Skiwochenende in den Salzburger Bergen beginnt mitunter mit einer zusätzlichen Hotel-Buchung in Tirol und einer weiteren in Kärnten. Dass ein Gast drei Hotelzimmer für ein- und dasselbe Wochenende reserviert, ist keine Seltenheit mehr, beobachtet Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus und selbst Hotelchefin in St. Johann im Pongau.

Nicht, weil sich der Gast dreiteilen möchte, sondern weil er sich offen halten will, wohin die Reise letztlich geht. Das entscheidet dann meist der Wetterbericht kurz vor der Abreise. „Als Hotelier spielt man damit plötzlich in einer Lotterie mit“, findet Nocker-Schwarzenbacher. Der Gewinner ist der Ort mit den besten Wetter- und Pistenverhältnissen.

Getriebene Hoteliers

Ganz unschuldig sind die Hoteliers am Reservierungsspiel der Gäste freilich nicht. Sie selbst waren es schließlich, die kostenlose Stornos bis kurz vor der Anreise angepriesen haben. „Auf Druck der Buchungsplattformen“, sagt Nocker-Schwarzenbacher. Hoteliers die möglichst viele Direktbuchungen bekommen möchten, um möglichst wenig Provision an Plattformen zu zahlen, können es sich nicht leisten, schlechtere Bedingungen als Portale anzubieten.

Aufmerksame Winterurlauber werden zudem bemerkt haben, dass es im Vergleich zu früher weniger Pauschalangebote gibt, etwa für Zimmer mit Skipass und Therme inklusive. Hintergrund dafür ist die neue Pauschalreiserichtlinie. Sie schreibt Vermietern vor, dass sie für solche Pakete neuerdings eine Versicherung abschließen müssen. Um sich diese Kosten zu sparen, pfeifen viele Hoteliers aufs Paket. Den Skipass holt sich der Gast nun also wieder direkt bei der Talstation.

Traditionell stehen an den Skiliften in St. Anton immer viele Gäste aus Großbritannien. Schließlich ist Österreich nach Frankreich die zweitbeliebteste Winterdestination der Briten. „Obwohl Skifahren in Frankreich viel teurer ist als bei uns“, wie Nocker-Schwarzenbacher gerne betont. Ob sich nach dem Brexit noch immer so viele Briten einen Skiurlaub leisten können, bleibt abzuwarten. Die Bank of England rechnet vor, dass das Pfund nach einem Brexit bis 2023 um bis 25 Prozent fallen, parallel dazu das Bruttoinlandsprodukt um acht Prozent schrumpfen und die Inflation um 6,5 Prozent steigen könnte. Keine guten Voraussetzungen für eine volle Urlaubskasse also.

Das drängendste Problem der Branche bleibt aber der Fachkräftemangel. Der Erfolg der Rot-Weiß-Rot-Card, die es seit 2019 auch für den Tourismus gibt, war überschaubar. Nur 39 Stellen wurden damit besetzt – 27 Koch- und 12 Kellnerjobs. Grund dafür sei das Punktesystem. „Bewerber müssen 55 von 90 Punkten erreichen, was aufgrund des Alters, der benötigten Vordienstzeiten und der Sprachkenntnisse oft nicht möglich ist“, sagt Nocker-Schwarzenbacher.