An die 22 Milliarden Paar Schuhe werden im Jahr produziert, der Großteil davon in Asien.

© REUTERS/JASON LEE

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06/11/2015

Warum Schuhe einen großen Fußabdruck haben

Neun von zehn Schuhen kommen aus Asien – die größten Mengen aus China, gefolgt von Indien und Brasilien.

von Simone Hoepke

Weltweit werden jährlich an die 22 Milliarden Paar Schuhe produziert. Es kommen also drei Mal mehr Schuhe auf den Markt, als es Menschen auf der Erde gibt. Tendenz steigend, dank der Billigproduktion.

Bis ein Lederschuh fertig ist, hat er oft eine Weltreise hinter sich. Ein Beispiel: In Brasilien wird ein Rind geschlachtet und gehäutet, die Häute werden zur Konservierung eingelegt und nach Bangladesch verschifft, wo sie billig gegerbt werden. Dann geht die Reise weiter nach Indien, wo das Oberleder von Billigarbeitern in Heimarbeit genäht und dann nach Europa verschifft wird. In einer rumänischen Fabrik wird die Sohle an den Schuh geklebt, danach reist der Schuh nach Italien, wo er ursprünglich designed wurde und nun in Schachteln gesteckt und versandfertig gemacht wird. Und was steht dann auf dem „Made in ...-Schild“? „Vielleicht ‚Italy‘, weil 50 Prozent der Wertschöpfung in Italien erfolgt sind“, erklärt Regina Webhofer von der Nichtregierungsorganisation Südwind. Bei den Hungerlöhnen in asiatischen Fabriken sei die Quote erreichbar, wenn Design, Marketing, Vertrieb sowie Zwischenlager in Italien angesiedelt sind, meint sie.

Laut Südwind-Recherchen bekommt eine indische Heimarbeiterin zwischen sieben und 20 Cent pro Paar bezahlt. Pro Tag schaffen gute Näherinnen bis zu zehn Paar – sie verdienen also bestenfalls zwei Euro. Nicht viel, wenn man weiß, dass ein Kilo Reis rund 60 Cent kostet.

Südwind kritisiert einmal mehr die Arbeitsbedingungen in der globalisierten Schuhindustrie, vor allem die Chromgerbung von Leder. Diese ist für die Industrie billig, verursacht bei Arbeitern aber oft Atemwegs- und Hautkrankheiten. Eine Alternative wäre eine pflanzliche Gerbung – wie sie in Indien Tradition hat. Diese erfordert aber mehr Zeit und Know-how der Mitarbeiter.

Karawane zieht weiter

Weil die Chromgerbung nicht nur für Arbeiterinnen gefährlich ist, sondern auch Flüsse vergiftet, will die indische Regierung sie jetzt mit strengeren Regeln in den Griff bekommen. Das Problem: Statt auf neue Verfahren umzusteigen, ziehen die Firmen einfach nach Bangladesch weiter, wo die Löhne und Umweltauflagen niedriger sind.

Michaela Königshofer von Clean Clothes gibt Konsumenten zu bedenken, dass Chromrückstände im Leder auf dem Weg nach Europa nicht verloren gehen. „Sie werden in jedem fünften Kinderschuh nachgewiesen“, verweist sie auf eine dänische Studie. Die EU hat die Reißleine gezogen. Seit 1. Mai darf Leder nicht mehr in die EU eingeführt werden, wenn darin Chrome IV nachgewiesen wird. Sanktioniert wird das allerdings erst ab 2016. Was die neuen Regeln bringen, bleibt also abzuwarten.

Einfach keine Lederschuhe mehr kaufen, ist auch keine Lösung. Leder ist ein Nebenprodukt der Fleischindustrie, das auf der ganzen Welt genutzt wird. Der Umstieg auf Kunstleder würde die Welt auch nicht retten. Denn Kunstleder besteht aus Plastik, ist also Erdöl-basiert und vollgestopft mit Chemie, die es nach echtem Leder aussehen lässt. Und dass schon jetzt zu viel Plastik in Ozeanen schwimmt, trommeln Umweltschützer seit Jahren.

Absatzmärkte

Der größte Absatzmarkt der Welt ist China mit 3,7 Mrd. verkauften Schuhen im Jahr (2,6 Paar pro Einwohner), gefolgt von den USA mit 2,3 Mrd. (7,2 Paar/Pers.) und Indien mit 2 Mrd. Paar (1,6 Paar/Pers.). In Österreich wurden zuletzt 50 Millionen Paar Schuhe im Jahr verkauft. Laut Statistik hat damit jeder Österreicher sechs Paar Schuhe gekauft. Bei Lederschuhen ist Indien nach Rumänien das zweitwichtigste Produktionsland für Österreich.

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