Wirtschaft
15.07.2018

Warum Glas nicht immer nachhaltiger ist als eine PET-Flasche

Der Sommer entscheidet über die Bilanz. Vöslauer will den Export nach Deutschland ausbauen

KURIER: Vöslauer hat viel Geld in die Entwicklung leichterer Glasflaschen gesteckt. Klingt gut, aber wer kauft Glasflaschen?

Birgit Aichinger:Wir haben heuer ein Plus von elf Prozent beim Verkauf von Glasflaschen. Sie werden von den Leuten gekauft, die auch PET-Flaschen kaufen – etwa, wenn sie Gäste eingeladen haben. Das nächste Mal kaufen sie wieder PET-Flaschen.

Ob Glas von der Öko-Bilanz her besser ist als eine PET-Flasche, ist umstritten. Sie füllen beides ab. Ihre Meinung?

Aichinger:Die CO2-Bilanz ist bei PET günstiger als bei Glas. Das hängt mit dem Energieeinsatz bei der Produktion zusammen. Bei Glas muss man auch mit einrechnen, dass man die Retouren transportieren und waschen muss. Ist der Radius kleiner als 100 Kilometer, ist die Glasflasche ökologisch nachhaltiger.

Stimmt’s, dass die Flasche bis zu 40 Mal wiederverwendet wird?

Herbert Schlossnikl: Das halte ich für ein Gerücht. 15 bis 20 Mal ist realistischer.

Vöslauer rühmt sich damit, 70 Prozent der PET-Flaschen aus Recyclat herzustellen. Wie hoch ist die Quote bei anderen Abfüllern?

Aichinger: Im Österreich-Schnitt bei 30 Prozent, globale Player peilen überhaupt nur 25 Prozent bis zum Jahr 2025 an. Wir haben da als Mittelständer einen ganz anderen Anspruch als die Großkonzerne.

Recyclat ist im Sinne der Kreislaufwirtschaft sinnvoll, aber ist es auch ökonomisch sinnvoll? Sprich, ist es in der Produktion günstiger?

Schlossnikl: Das ändert sich immer wieder, derzeit ist es sogar teurer, weil es zu wenig Angebot gibt.

Warum?

Schlossnikl: Der Bedarf an hohen Qualitäten ist groß, nicht nur in der Lebensmittelindustrie. Wir konkurrieren hier auch mit anderen Branchen, die den Rohstoff brauchen, etwa der Textilindustrie. Bei schlechten Qualitäten, die bisher nach China verschifft wurden, sieht der Markt ganz anders aus. Aber mit diesen Rohstoffen können wir nichts anfangen.

Aichinger: Es müsste den Menschen mehr bewusst gemacht werden, dass die Flaschen ein wertvoller Rohstoff sind. Speziell in Wien werden sie oft einfach in den Restmüll geworfen, statt in die Sammelbehälter. Gäbe es ein besseres Sammelsystem, würden die Menschen auch besser entsorgen. Am Land funktioniert das mit den Gelben Säcken schon sehr gut.

Mineralwasserabfüller machen 40 Prozent des Umsatzes im Sommer. Wie ist das Jahr angelaufen?

Aichinger: Gut, wir hatten ein warmes Frühjahr, einen Rekord im April. Aber entscheidend sind die kommenden drei Monate. Zu Spitzenzeiten füllen wir 2,5 Millionen Liter am Tag. Wenn es regnet, schaut die Sache anders aus.

Österreich hat viel und gutes Wasser. Trotzdem importieren wir jährlich 1 Million Hektoliter mehr Wasser als wir exportieren. Ist das sinnvoll?

Schlossnikl: Die hohe Importquote hängt mit der Einfuhr der Diskontmarken der Handelsketten zusammen. Sie holen viel billiges Wasser, speziell aus Norditalien, ins Land. Marken wie Evian machen dagegen nur einen kleinen Teil der Importe aus, weil der Österreicher lieber zu heimischen Marken greift.

Warum beliefern Sie nicht auch die Handelsketten mit billigen Eigenmarken?

Aichinger:Weil das nicht zu unserer Strategie passt. Wir sind Markenhersteller.

Deutschland ist Ihr wichtigster Exportmarkt und gleichzeitig ein Land mit 500 eigenen Mineralwasserbrunnen. Wer wartet da auf Vöslauer?

Schlossnikl: Erstens werden viele der deutschen Quellen nur regional vermarktet, und zweitens schmeckt unser Wasser einfach gut.

Ist es nicht primär eine Marketingleistung, in Europa Wasser zu verkaufen?

Aichinger: Natürlich geht es auch darum. Man muss sich optisch von den Mitbewerbern unterscheiden, vom Design her ansprechend sein. Das haben wir geschafft. Was natürlich auch hilft, sind die Sympathiepunkte, die man als Österreicher in Deutschland hat. Viele verbinden Österreich mit Urlaubserinnerungen. Wir sehen hier gute Wachstumschancen. Unser zweiter großer Exportmarkt ist Ungarn. Wir haben einen klaren Expansionsradius festgelegt.

Klingt wie Wasser zum Brunnen tragen, wenn man an die Transportkilometer denkt ...

Schlossnikl: Für uns macht es ja keinen Unterschied, ob wir es nach Bludenz oder München fahren. Im Sinne der Nachhaltigkeit wollen wir aber mehr Transporte auf die Schiene verlegen, derzeit liegen wir bei einer Quote von 30 Prozent. Steigt die Exportmenge nach Deutschland, werden wir da aber noch viel Potenzial haben.

Sie füllen in Bad Vöslau auch Pepsi und Almdudler ab. Wie wichtig ist diese Lizenz- bzw. Lohnabfüllung für das Unternehmen?

Schlossnikl: Ungefähr 15, 16 Prozent. Ein Wert, der seit Langem konstant ist.

Hilft Ihnen die aktuelle Zuckerdiskussion, in der Limonaden und alles Süße verteufelt werden?

Aichinger: Die Diskussion ist ja nicht neu, der Gesundheitstrend auch nicht. Wir haben aber auch darauf reagiert und unter anderem im Near-Water-Bereich Sorten ohne Zucker eingeführt. Wir sehen, dass diese immer mehr gekauft werden. Unter dem Strich trifft uns die Diskussion aber nur am Rande. 90 Prozent unserer Produkte sind schließlich zuckerfrei.

 

Vöslauer

Der Mineralwasserabfüller, der zur Ottakringer Getränkegruppe gehört, hat den Umsatz im Vorjahr um fünf Prozent auf 99,4 Millionen Euro gesteigert, der Absatz stieg von 290 auf 302,75 Millionen Liter. Die Exportquote (vor allem nach Deutschland und Ungarn) liegt aktuell bei knapp 15 Prozent.

Birgit Aichinger

Die 46-jährige Betriebswirtin ist seit 2000 bei Vöslauer und leitete zuletzt den Verkauf in Österreich sowie das gesamte Marketing. Im Juli 2018 folgte sie Alfred Hudler in die Geschäftsführung nach.

Herbert Schlossnikl

Der Niederösterreicher (geboren 1963) war unter anderem in der Raiffeisen Bioforschung und Ottakringer Brauerei tätig. Seit 2000 ist der Biotechnologe Vorstand der Vöslauer Mineralwasser AG und unter anderem für Technik, Produktion und Logistik zuständig.