In Spanien sind diesen Sommer kaum freie Plätze zu finden

© APA/AFP/PAU BARRENA

Tourismus
06/17/2016

Warum Familien mit der Buchung zögern

Trotz billiger Pauschalreisen fahren heuer viele Familien lieber mit dem Auto auf Urlaub.

von Simone Hoepke

Die Chance, dass man sich während des Flugs in die Türkei ausstrecken kann, ist so gut wie nie zuvor. Obwohl der Club-Urlaub am türkischen Strand heuer um etwa 40 Prozent billiger zu haben ist als im Sommer 2015, bleiben vor allem die Familien aus.

Dagegen ist auf Mallorca der Kampf um freie Strandliegen vorprogrammiert. Spanische Hotels sind so gut gebucht wie schon lange nicht mehr. Manche meinen sogar überbucht. "Es ist schon ganz gut, wenn man den Spanien-Urlaub über einen Reiseveranstalter gebucht hat, der sich im Fall des Falles um einen kümmert", formuliert es Helga Freund, Chefin der Verkehrsbüro-Gruppe.

Das Gedränge entlang der spanischen Küste ist groß. "Halb Mitteleuropa sucht Alternativen zu Zielen wie der Türkei, Tunesien und Ägypten", sagt auch Martin Fast, Geschäftsführer von Rewe Austria Touristik. Seiner Beobachtung nach sind vor allem Familien unschlüssig. Dafür gibt es ein Sammelsurium an Gründen. Von den Bildern von Terror und Flüchtlingsbooten bis hin zur Angst um den eigenen Job. Viele schränken ihren Reiseradius ein und steigen lieber ins Auto als ins Flugzeug. Schon in "normalen" Jahren fahren vier von zehn Österreichern mit dem Auto auf Urlaub. Die Zeichen stehen damit auf Stau in Richtung Kroatien und Italien. Bei Rewe Touristik ist Kroatien heuer "fast doppelt so gut gebucht" wie im Vorjahr. "Darüber zu jubeln wäre aber so, als würde ein Lebensmittelhändler über das Plus beim Umsatz mit Schnittlauch jubeln", spitzt es Fast zu. Die großen Umsatzbrocken sind woanders. Veranstalter verdienen an Pauschalreisen mehr als an der alleinigen Vermittlung von Hotelzimmern.

Die Gewinner der Saison sind heuer ganz klar Auto-Destinationen wie Italien, Kroatien, Deutschland, aber auch Österreich. Hofer-Reisen meldet Zuwächse von zwölf Prozent über fast alle Bundesländer hinweg.

Währenddessen versuchen viele Veranstalter, quasi im letzten Moment noch ihre Chartermaschinen zu füllen – mit vielen Angeboten. "Urlaube auf griechischen Inseln wie Kreta, Rhodos oder Kos kosten Familien diesen Sommer um 15 bis 20 Prozent weniger als vor einem Jahr", beteuert etwa Martin Fast. Andere Veranstalter bewerben verstärkt Bulgarien und melden Zuwachsraten von 80 Prozent. Die Bulgaren bringen ihre Küstengebiete als günstige Alternative zum Türkei-Urlaub ins Spiel. Oft mit Unterstützung der Badeorte, die Veranstaltern fixe Beträge pro eingeflogenem Gast zahlen, erklären Branchenkenner.

Unter Vorjahresniveau

Unterm Strich liegen die Buchungszahlen deutlich unter dem Vorjahresniveau, weiß Walter Säckl, Generalsekretär vom Österreichischen Reise-Verband: "Jetzt hoffen alle in der Branche auf Kurzentschlossene."

TUI-Chef Fritz Joussen rechnet dagegen laut einem Interview mit so vielen Urlaubsreisen wie nie zuvor – weltweit. Europas größter Reisekonzern hat sein Geschäft auch über den ganzen Globus verteilt.

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