Wirtschaft
03/26/2019

Warum Dorfbewohner Firmen mögen und Politiker Gasthäuser fördern

In Österreich gibt es mehr als 2000 Gemeinden, 80 Prozent davon haben weniger als 5000 Einwohner.

„In der Stadt ist viel los, am Land ist tote Hose.“ Aussagen wie diese seien schlicht falsch und würden verlässlich von Städtern kommen, meint Peter Filzmaier.

Der Wissenschaftler, der durch seine ORF-Analysen bekannt ist, interpretiert den zweiten Adeg-Dorfleben-Report, für den rund 1000 Einwohner von Landgemeinden befragt wurden. Ergebnis: Mehr als vier Fünftel der Befragten finden, dass ihre Gemeinde lebendig ist. Vor allem dank des funktionierenden Vereinslebens, der Unternehmer vor Ort und der Gemeindevertreter.

Die Mehrheit der Befragten wünscht sich mehr Selbstständige in der Gemeinde, schon allein, weil diese Arbeitsplätze und Aufträge in die Region bringen. Jeder Dritte überlegt sogar den Schritt in die Selbstständigkeit, heißt es. Es scheitere letztlich aber oft am Finanziellen und dem nötigen Know-how.

Adeg-Vorstand Jürgen Öllinger betont, dass angehende Adeg-Kaufleute in einer eigenen Akademie ausgebildet werden und es derzeit eine rege Nachfrage gebe. Aktuell zählt die Rewe-Tochter 280 Adeg-Kaufleute, die rund 400 Standorte betreiben. Ihre Umsätze seien zuletzt wieder gestiegen. Auch, weil sie immer mehr Zusatzfunktionen übernehmen. So sind rund 90 Kaufleute Post-Partner, viele betreiben nebenbei Kaffeehäuser oder Catering-Services. Mitunter, weil am Land zuletzt viele Gasthäuser den Betrieb eingestellt haben.

Gasthaussterben

Laut den Aufzeichnungen der Wirtschaftskammer Österreich sind in den vergangenen zwanzig Jahren landesweit knapp 2300 Gasthäuser von der Bildfläche verschwunden. Aktuell gibt es demnach noch gezählte 8012 Wirtshäuser. Diese will Tourismusministerin Elisabeth Köstinger so gut es geht erhalten und macht dafür ein Sonderbudget von 1,5 Millionen locker. Noch vor dem Sommer könnten die Kredite verfügbar sein, sagt Wolfgang Kleemann von der Tourismusbank ÖHT. Er geht davon aus, dass die Nachfrage groß ist. Kleemann verweist auf eine ähnliche Förderung im Jahr 2017: „Damals wurden die zinsfreien Kredite von 185 Betrieben in Anspruch genommen. Es ging um durchschnittlich 68.000 Euro.“

Die Förderung ist aus seiner Sicht wichtig, weil „die Wirtshäuser Authentizität geben, Lehrlinge ausbilden und Touristen wie Einheimische von ihnen profitieren“. Womit ein zentraler Punkt des neuen Masterplans T von Ministerin Köstinger angesprochen ist. „Wir müssen Einheimische, die nicht vom Tourismus leben, mit auf die Reise nehmen“, sagt Köstinger und meint damit, Rückzugsgebiete vor Trubel zu schützen und genervte Bewohner von Tourismusgebieten milde zu stimmen. Aus Skigebieten ist neuerdings zu hören, dass nicht nur die großen Liftschaukeln gefördert werden, sondern auch die kleinen Liftanlagen, an denen die Kinder der Einheimischen seit Generationen Skifahren lernen.