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Wirtschaft
07/08/2019

Warum die Österreicher plötzlich weniger Mineralwasser trinken

Trotz Zuckerdebatte und Gesundheitstrend kaufen die Österreicher wieder mehr Limonade und weniger Mineralwasser.

von Simone Hoepke

Den Zuckerdebatten zum Trotz: In Österreich steigen die Absätze von Limonade, während jene von Mineralwasser sinken. „Der Wassermarkt wächst nicht mehr. Ich bin seit knapp 20 Jahren in der Branche, aber das habe ich noch nie erlebt“, bestätigt Monika Fiala, Geschäftsführerin der Waldquelle.

2018 war der Branchenumsatz von Mineralwasser leicht rückläufig (Minus 0,5 Prozent), bis Mitte Mai des laufenden Jahres hinkte das Geschäft um mehr als sieben Prozent hinter den Vorjahreszahlen her. Freilich auch wegen des schlechten Mai-Wetters, aber nicht nur. Die Zeiten der Wachstumssprünge sind offenbar vorbei. Ausgerechnet das genannte Near-Water-Geschäft, jahrelang Garant für Wachstumsschübe, schwächelt. Die Verkaufszahlen sinken. Im Vorjahr um mehr als zwei Prozent, in den ersten Monaten 2019 um rund sieben Prozent. Herbert Schlossnikl, Obmann des Forums Natürliches Mineralwasser, verweist auf die starke Konkurrenz am Markt und das steigende Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten.

Gesundheitstrend

Gerhard Schilling, Geschäftsführer von Almdudler, formuliert es etwas anders: „Kaufmotiv für die Near-Water-Bereiche war für viele Konsumenten, dass sie etwas Gesundes mit wenig Zucker haben wollten." Das sei bei den Wässerchen mit Geschmack aber nicht der Fall. "Technisch gesehen handelt es sich bei den Near-Water-Getränken um Limonade – das wissen Konsumenten mittlerweile." Deswegen würden jetzt viele gleich zur Limonade greifen. Zumindest die Branchenzahlen würden ihm recht geben. Die Limo-Verkäufe haben 2018 österreichweit um 1,3 Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahr und so ihre Marktanteile ausgebaut. Schilling glaubt, dass die vielen Innovationen für das Wachstum verantwortlich sind.

Lieber Leitungswasser

Auf den Mineralwasserabsatz dürften neben dem Limo-Wachstum auch ganz andere Kräfte lasten. Die Aufholjagd der Hersteller von Wassersprudlern. Immer mehr Konsumten machen sich zu Hause mit diesen Geräten und den entsprechenden Kohlensäure-Patronen ihr eigenes Sodawasser. Marktführer Sodastream hat im Vorjahr seinen Österreich-Umsatz um 22,8 Prozent ausgebaut. „Nicht Mineralwasser, sondern Leitungswasser liegt im Trend“, sagt Ferdinand Barckhahn und redet damit für sein Geschäft. Er ist Chef von Sodastream Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die hervorragende Qualität des Leitungswassers spiele ihm und seinen Wassersprudlern hierzulande in die Karten.

Ob der Erfolg auch daran liegt, dass es die Österreicher leid sind, Flaschen zu schleppen, sei dahingestellt. Überraschenderweise kaufen sie wieder mehr Glas-Flaschen. „Vor fünf Jahren hat jeder gesagt, dass Glas ein sterbendes Gebinde ist, jetzt sehen wir in der Branche jährliche Wachstumsraten von 15 Prozent“, sagt Waldquelle-Chefin Monika Fiala. Bei Waldquelle liegt der Glas-Anteil bei 17 Prozent. Ob Glas der PET-Flasche ökologisch überlegen ist, bleibt umstritten. Als Faustregel gilt, dass bis zu einem Radius von 100 Kilometern ab dem Abfüllungsort Mehrweggebinde besser abschneiden.

Engpass bei Plastik

Währenddessen fordert die EU Getränkehersteller auf, bis 2025 ihre PET-Flaschen zu 25 Prozent aus recycelten PET zu produzieren. Dieses ist aber ein knappes Gut. Auch, weil nur rund 70 Prozent der Flaschen gesammelt und wiederverwertet werden. In Ländern wie Deutschland liegt die Quote bei 90 Prozent – ein Erfolg, der sich mit einem Wort erklären lässt: Pfandsystem. In Deutschland sammeln Konsumenten die Flaschen und geben sie in den Supermärkten gegen Bares zurück.

In Österreich wird derzeit heftig über so ein System diskutiert. Die Händler sind dagegen, weil die entsprechenden Systeme erst teuer aufsetzen müssten. Auch die Begeisterung der ARA-Manager hält sich in Grenzen. Ein Pfandsystem für Einwegflaschen würde aufgrund von Doppelgleisigkeiten nur zu Mehrkosten in der Industrie und im Handel führen – und damit letztlich auch für den Konsumenten, argumentieren sie.

Ex-Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger hat zum Thema Pfandsystem eine Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis soll im Herbst auf dem Tisch liegen.

Wem die Mineralwasserquellen gehören

Wenn es ums Mineralwasser geht, sind die Österreicher patriotisch. Ausländische Marken von Großkonzernen wie Danone (Evian, Volvic) oder Nestlé (Vittel) spielen am rot-weiß-roten Markt kaum eine Rolle. Groß im Geschäft sind heimische Marken, allen voran Marktführer Vöslauer. Die niederösterreichische Quelle gehört zur Ottakringer AG, beziehungsweise den dahinter stehenden Eigentümerfamilien.

Nummer zwei am Markt ist die burgenländische Waldquelle, die seit 2008 der tschechischen Karlovarske mineralni vody (KMV, Carlsbader Mineralwasser AG) gehört. Diese wiederum ist im Besitz der italienisch-schweizerischen Unternehmerfamilie Pasquale. Die drittstärkste Marke in Österreich  kommt aus dem burgenländischen Ort Edelstal und heißt Römerquelle. Sie ist  seit 2003 Teil des Coca-Cola-Imperiums.

An der steirischen Peterquelle ist der deutsche Unternehmer Hans-Jürgen Riegel mehrheitlich beteiligt, Neffe von Haribo-Legende Hans Riegel. Die Brau Union hat Anfang 2019 ihre Anteile an einer Bad Gasteiner Quelle abgegeben. Nun gehört Gasteiner Mineralwasser zu 100 Prozent zu Spitz, also der oberösterreichischen Familie Scherb. Frankenmarkter, Juvina und Long Life gehören zum Familienunternehmen Starzinger, das Abfüller vieler Eigenmarken ist. Alpquell, TirolerQuelle und Astoria sind in Tiroler Besitz  (Familie Rieder).