Wirtschaft
15.05.2017

Warum die EVN in Dalmatien baut

Hotels und Großbetriebe wollen weg von Öl und Flüssiggas und sparen damit bis zu 40 Prozent ein.

Wenige Wochen vor Start der touristischen Hochsaison herrscht Hektik auf den Baustellen der EVN rund um Split, Zadar und Sibenik an der dalmatischen Küste. Mehr als einen Meter tiefe Gräben werden ausgehoben, kilometerlang: Der niederösterreichische Energieversorger baut hier ein Erdgasnetz auf und die Bauarbeiten müssen vor Juni fertig sein, damit die Urlauber nicht gestört werden.

"Große Hotels, Gewerbebetriebe und Wäschereien drängen uns auf einen raschen Anschluss ans Gasnetz", sagt Werner Casagrande, Geschäftsführer der EVN Croatia. Denn mit dem Gas sparen sie nicht nur 30 bis 40 Prozent ihrer Energiekosten sondern erhalten auch eine konstante Qualität, die für Produktionsbetriebe besonders wichtig sind.

Karlo Blonder, Chef der Rösterei Procaffe und einer der ersten EVN-Kunden im Raum Split, hatte lange mit den Temperaturschwankungen zu kämpfen, die das Heizen der Röstanlage mit Flüssiggas mit sich brachte. "Wenn der Flüssiggastank voll war, wurde genug Wärme erzeugt, wenn die Tankfüllung absank, ging auch die Wärmeleistung zurück. Das war schlecht für die Kaffeequalität", erzählt er.

Jährlich verdoppelt

1100 Kunden hat die EVN inzwischen an den mehr als 100 km langen Gasverteilnetz in Dalmatien angehängt. Der Gasabsatz hat sich seit 2013, als die ersten Kunden angeschlossen wurden, jährlich verdoppelt. Auch heuer sollte dieses Wachstum wieder gelingen. "In Split allein warten zwei Krankenhäuser und einige Betriebe auf den Gasanschluss" erklärt Casagrande. 14 Millionen Kubikmeter Gas hat die EVN im Vorjahr in Dalmatien verkauft, 50 Millionen Kubikmeter ist das mittelfristige Ziel.

In Österreich dagegen ist Wachstum beim Erdgasabsatz kaum noch möglich. Während in Kroatien, der Ersatz von Heizöl schwer durch Gas klimapolitisch gewollt ist, kommt in Österreich auch Gas mit Blick auf den Klimawandel zusehends in Verruf. Denn Erdgas stößt zwar vergleichsweise wenig Kohlendioxid bei der Verbrennung aus, klimafreundlich aber ist es nicht. Die Branche stellt sich hierzulande daher auf die nächste Umstellung ein: jene von Erdgas auf Biogas, das aus biologischen Abfällen oder Wind- und Sonnenstromüberschüssen gewonnen werden kann.

Davon ist Kroatien noch weit entfernt. Das Land setzt in seiner Klimastrategie auf Gas. Kein Wunder, hat es doch selbst einiges davon am Festland und in der Adria. Bis zu zwei Drittel der 3,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die in Kroatien jährlich verbraucht werden, stammen aus Inlandsproduktion. Der Rest kommt über Pipelines aus Russland und über den österreichischen Gasverteilknoten in Baumgarten an der niederösterreichisch-slowakischen Grenze.

Die EVN will sich zumindest einen kleinen Teil des wachsenden Gasmarkts in Kroatien sichern. Die 30-jährige Konzession für Bau und Betrieb des Gasnetzes in Dalmatien, hat der Versorger 2007 erworben. 20 Millionen Euro wurden bisher investiert, Gewinne gibt es bald, wie Casagrande hofft.