Wirtschaft
09.07.2018

Warum der Fisch auf dem Teller oft aus China kommt

Aquafarmen zur Beschaffung von Nachschub: nicht alle arbeiten nachhaltig © Bild: AP/Robert F. Bukaty

Europa kann sich nicht selbst mit Fisch versorgen. Statistisch gesehen muss ab heute importiert werden.

Fast 3,5 Millionen Schiffe fahren Tag für Tag auf der Jagd nach dem großen Fang über die Weltmeere. Vom kleinen, lokalen Fischkutter bis zu den schwimmenden Fischfabriken der Weltkonzerne, die das Kühlhaus gleich an Bord integriert haben.

Experten schätzen, dass zusätzlich zum Fisch, der letztlich auf dem Teller landet, jährlich 38 Millionen Tonnen mehr oder weniger versehentlich aus dem Wasser gezogen werden – als unerwünschter Beifang. Dieser wird oft einfach wieder über Bord geworfen. Eine Verschwendung, wie Umweltschützer unermüdlich kritisieren.

Die Bilanz unter dem Strich ist jedenfalls ernüchternd: Wenn es so weiter geht, werden die Meere bald leer gefischt sein. Laut dem WWF ist rund ein Drittel der weltweiten Bestände schon jetzt überfischt, knapp 60 Prozent bis an nachhaltige Grenzen befischt. Nach Angaben der Europäischen Kommission gelten 41 Prozent der untersuchten Fischbestände im Atlantik als überfischt. Im Mittelmeer sind es 88 Prozent. Ein Problem, von dem insbesondere Menschen in Entwicklungsländern betroffen sind. Denn sie sind in hohem Maß von Meeres-Ressourcen abhängig. Fisch ist für 88 Millionen Menschen nicht nur essenzielle Nahrungs- und Proteinquelle, sondern auch Einkommensquelle.

Das größte Fischereiland der Welt ist China mit einer jährlichen Ausbeute von mehr als 15 Millionen Tonnen, an zweiter Stelle folgt mit Respektabstand Indonesien mit sechs Millionen Tonnen, rechnet Simone Niedermüller, Meeresbiologin vom WWF, vor: „Drei Viertel der Schiffe fahren unter asiatischer Flagge, 80 Prozent der weltweiten Fischerei entfällt auf nur 25 Länder.“ Europa spielt zumindest beim Fischfang eine Nebenrolle (vergleichsweise bescheidene 2,1 Prozent Weltmarktanteil).

Importabhängigkeit

Wenn es um den Import von Fisch geht, schaut die Lage anderes aus. Europa steht im Ranking der Top-Abnehmer ganz oben, weil die Nachfrage nicht aus eigener Produktion gedeckt werden kann. Statistisch gesehen hat die EU ihre Fischreserven für heuer bereits aufgebraucht – ab 9. Juli ist sie auf die Einfuhren angewiesen (siehe Grafik). Niedermüller: „Das heißt, mehr als die Hälfte des Bedarfs wird importiert. Etwa 50 Prozent aller Einfuhren aus Entwicklungsländern.“

Die Österreicher sind im Europa-Vergleich mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 13,4 Kilogramm relativ bescheiden (Platz 20 von 28 Staaten). Davon landen auch nur rund acht Kilogramm auf den Tellern, der Rest im Tierfutter oder im Abfall, rechnet der WWF vor. Traditionell ist der Fisch-Konsum in den maritimen Ländern am höchsten, allen voran in Portugal (55,3 Kilogramm pro Kopf) und Spanien (46,2 Kilogramm).

Aquakultur

Laut Experten kommt bereits jeder zweite Fisch aus einer Aquakultur. „Bis zum Jahr 2000 hatte diese jährliche Wachstumsraten von acht bis zehn Prozent, jetzt hat sich das Wachstum etwas eingebremst“, sagt Niedermüller. Ob es besser ist, einen Fisch aus Aquakultur zu kaufen, könne man so nicht sagen. Es komme unter anderem darauf an, ob das Futter für die Tiere aus nachhaltiger Produktion kommt, wie die Besatzdichte ausschaut, ob Mangrovenwälder für die Aquakultur gerodet wurden – so wie es oft für die Shrimps-Produktion der Fall gewesen ist. Dazu kommen die Arbeitsbedingungen vor Ort. Die Expertin empfiehlt, zu MSC- oder ASC-zertifizierter Ware zu greifen.