Wirtschaft
30.12.2017

Warum der "Bankdirektor" nicht ohne Jägermeister auskommt

Grazer Bauer Spirits will mit dem Kräuterschnaps nicht nur die Skihütten, sondern auch die Nobelbars erobern.

Irgendetwas gibt es immer zu feiern: Rund 27 Millionen Liter Spirituosen werden jährlich in Österreich getrunken. Macht etwa 0,4 Liter pro Kopf und Jahr. Klingt viel, ist in Wirklichkeit aber gar nicht so schlimm. Denn darin sind auch alle Schnäpse und Cocktails enthalten, die Touristen im Österreich-Urlaub konsumieren.

Speziell in den angesagten Bars wollen alle sein. Nicht nur die Adabeis vor der Bar, sondern auch die Industrie-Marken hinter dem Tresen. Deswegen schickt die Industrie so genannte Brand Ambassadors los, die den Barkeepern erklären, warum sie ausgerechnet ihre Alkoholika fürs Mixen von Cocktails brauchen. Und, so wird in der Branche erzählt, es soll sogar schon Fälle gegeben haben, in denen Großkonzerne sechsstellige Beträge für die Aufnahme in Szene-Bars geboten haben.

Lizenz zum Abfüllen

"Wir zahlen nichts für eine Listung in einer Bar", betont dagegen Oliver Dombrowski, Geschäftsführer des Grazer Spirituosenmachers Bauer. In Österreich ist das Familienunternehmen vor allem als Lizenznehmer von Jägermeister bekannt. Österreich hat eine Sonderstellung beim Kräuterlikör aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel: In 117 Ländern wird Jägermeister verkauft, aber neben Deutschland hat nur Österreich die Lizenz zum Abfüllen. Die Mischung macht’s. Bauer füllt jährlich mehr als eine Million Liter des deutschen Kräuterschnapses ab. Abnehmer sind sowohl Gastronomie als auch Handel.

Mit der Skisaison kommt das Après-Ski-Geschäft in den Bergen in Gang. Was Dombrowski aber nicht so gerne hört. Kapsel-auf-die- Nase-stecken und das grüne Flaschl auf ex leeren – das war einmal, findet er. Er preist Jägermeister lieber als Getränk zum Cocktailmixen an.

Hotelbars

In der Wiener Hotel-Bar The Bank Brasserie & Bar im Park Hyatt hat der Brand Ambassador offenbar ganze Arbeit geleistet. Der Barkeeper serviert einen "Bankdirektor" – das ist ein Cocktail mit Wermut, Champagner, Blutorange, Ingwer und Jägermeister. Dass es den Kräuterschnaps gibt, ist für Barbesucher kaum zu übersehen. Schließlich stehen auf der Theke CO2-Glasvereiser mit dem charakteristischen Hirschgeweih. Eine Art Einstandsgeschenk.Die Barszene in Wien erwacht aus dem Dornröschenschlaf, findet Dombrowski. Er macht zwei Drittel des Umsatzes in der Gastronomie. Für 2018 hat er hohe Erwartungen, schließlich steht die nächste Fußball-WM auf dem Plan. Großereignisse kurbeln das Geschäft an – schon allein, weil die Getränke-Industrie mit Sondereditionen die Werbetrommel rührt.

Bauer Spirits hat im Vorjahr mit 85 Mitarbeitern 31,5 Mio. Euro umgesetzt. Zuwächse kamen zuletzt vor allem aus dem Handel, auch weil Jägermeister in die Hofer-Filialen eingezogen ist.