© APA/dpa/Daniel Maurer

Lebensmittel
09/19/2020

Warum das Schwein wenig Wert ist

Die Schweinepest in der EU drückt die Preise nach unten. Notwendige Investitionen bleiben aus.

von Andreas Anzenberger

Seit Jahresbeginn sind die Erzeugerpreise für Schweinefleisch deutlich gesunken. Gab es im Jänner für die Bauern noch einen Höchststand mit fast zwei Euro pro Kilo, so sind es derzeit nur noch 1,50 Euro. Das ergibt ein Minus von rund 50 Euro pro Schwein.

Für den Preisverfall gibt es mehrere Gründe. Politische Entscheidungen haben immer wieder Auswirkungen auf die Marktsituation. Das gilt etwa für die Corona-Krise und den Lockdown im Frühjahr. Der Absatz von Schweinefleisch in der Gastronomie ist dadurch deutlich gesunken. Das drückt den Preis.

Dazu kommt, dass China ein Importverbot für Schweinefleisch aus Deutschland erlassen hat. Deutschland gehört neben Spanien und den USA zu den weltweit größten Exporteuren von Schweinefleisch. Zuletzt war China für Deutschland der größte Exportmarkt mit jährlich rund einer halben Million Tonnen Schweinefleisch.

Schweinepest

Der Grund für das Importverbot ist die afrikanische Schweinepest. Zuletzt wurden an der Schweinepest erkrankte Wildschweine in einer Region nahe der polnischen Grenze gefunden.

Österreich ist bislang noch nicht betroffen. Man habe den Schweinezüchtern an der Grenze zu Ungarn zu Vorsichtsmaßnahmen geraten, betont Adolf Marksteiner, zuständig für Marktfragen in der Landwirtschaftskammer. In Ungarn sind bereits Wildschweine an der Schweinepest erkrankt. Innerhalb der EU sind Importbeschränkungen nur dann möglich, wenn Hausschweine erkrankt sind.

Die deutschen Schweinezüchter exportieren nun verstärkt nach Österreich. Das hat den Kilopreis um acht Cent nach unten gedrückt. Von den Schweinezüchtern gibt es diesmal sogar Lob für den Lebensmitteleinzelhandel. Der Preisverfall hätte noch deutlicher ausfallen können.

Die heimischen Schweinezüchter machen sich Hoffnungen, statt den deutschen Kollegen nach China zu exportieren. Das ist allerdings nur teilweise möglich. Derzeit dürfen nur die sogenannten Edelteile, also etwa das Schweinskarree, nach China exportiert werden. Für Innereien oder Schweinefüße gibt es noch keine Genehmigung. Doch gerade damit lässt sich Geld verdienen. Wegen anderer Essgewohnheiten in China lassen sich diese Teile vom Schwein dort zu einem guten Preis verkaufen.

In Österreich werden jährlich etwa 4,7 Millionen Schweine geschlachtet. Der aktuelle Bestand beträgt rund 2,8 Millionen Tiere. Ob das auch in Zukunft so bleibt, ist offen.

Strengere Vorgaben

Wegen strengerer Vorschriften für den Tierschutz und dem von der EU-Kommission angekündigten Green Deal mit strengeren Umweltvorgaben sollten die Schweinezüchter in ihre Betriebe investieren. Ohne Investitionen werden die Betriebe die künftigen Regeln nicht einhalten können.

Doch angesichts der angespannten Marktsituation wollen die Schweinebauern in Deutschland das Risiko nicht tragen und verzichten auf Investitionen. Marksteiner befürchtet Betriebsschließungen in größerem Ausmaß und als Folge eine „teilweise Auslöschung“ der Schweinezucht in Deutschland. Der Geschäftsführer des Verbandes der Schweinebauern, Michael Klaffenböck, sieht in Österreich derzeit eine „gewisse Zurückhaltung“ bei Investitionen. Wie lange diese Zurückhaltung anhalten wird, lässt sich nicht vorhersagen.

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