Wirtschaft
19.04.2018

Wann sich Solarstrom rentiert

Fotovoltaik ist in Wien für 6800 Häuser interessant. Ein weiterer Ausbau rentiert sich laut Wien Energie derzeit nicht.

Politische Ankündigungen zum Ausbau der Fotovoltaik gab und gibt es mehr als genug. Doch erst nach einer im Vorjahr im Parlament beschlossenen Gesetzesänderung ist es in Mehrfamilienhäusern erlaubt, den am Dach erzeugten Solarstrom auch unter den Hausparteien aufzuteilen. Zuvor durfte der Strom nur für allgemeine Zwecke wie die Beleuchtung des Stiegenhauses genutzt werden.

Die entscheidende Frage ist nun, unter welchen Voraussetzungen sich Fotovoltaik für Privathaushalte rentiert? Die Bereitschaft, für Solarstrom mehr zu bezahlen als für konventionelle Energie, wird wohl nicht sehr hoch sein. Wien-Energie-Chef Michael Strebl verspricht, dass die Solar-Offensive von Wienstrom für die Kunden nicht zu höheren Energiepreisen führen wird. „Viele Dächer werden in den nächsten Jahren zu Kraftwerken. Wenn es sich nicht rechnet, würden wir es auch nicht machen.“ In Großstädten gibt es außer der Fotovoltaik nur wenige Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu nutzen.

Voraussetzung für die Rentabilität ist, dass der mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach erzeugte Strom zu einem beträchtlichen Teil auch sofort im Haus verbraucht wird. Da Solarstrom vor allem zu Mittag anfällt, macht es keinen Sinn, solche Anlagen zu bauen, wenn die meisten Mieter oder Eigentümer tagsüber nicht zu Hause sind. Strebl verweist auf sogenannte schaltbare Lasten. Dazu gehören etwa E-Autos oder Wärmepumpen, die untertags Strom verbrauchen.

Teure Speicher

Es ist natürlich auch möglich, den anfallenden Solarstrom in Akkulumatoren (wiederaufladbaren Batterien) zu speichern und erst am Abend zu verbrauchen. Doch dadurch steigen die Kosten deutlich und der Strom wird zu teuer.

Auch wenn die Preise für Fotovoltaik laufend sinken, kostet der damit erzeugte Strom pro Kilowattstunde deutlich mehr als der Großhandelspreis. Die E-Control berechnet jedes Jahr, wie hoch die Subventionen sein müssen, damit sich Fotovoltaikanlagen rentieren. Derzeit sind das 7,91 Cent pro Kilowattstunde plus einem Investitionszuschuss in Höhe von 30 Prozent der Errichtungskosten. Zum Vergleich: Der Großhandelspreis liegt bei vier Cent pro Kilowattstunde.

Allerdings müsse man auch berücksichtigen, dass für selbstproduzierten Strom keine Netzkosten und keine Steuern anfallen, betont Strebl. Netzkosten und Steuern machen etwa zwei Drittel der Stromrechnung aus. Unter diesen Voraussetzungen würden sich Solaranlagen sehr wohl rentieren, wenn auch die technischen Voraussetzungen stimmen. Dazu gehören etwas die richtige Dachneigung und die Sonneneinstrahlung.

Etwa zehn Prozent der rund 68.000 Mehrfamilienhäuser sind laut Wien Energie für Fotovoltaik geeignet. Wien Energie errichtet und betreibt die Anlagen. Das Budget dafür beträgt 100 Millionen Euro. Voraussetzung ist natürlich die Zustimmung der Haus- und Wohnungseigentümer.