Russen vertrauen ihrer Währung nicht mehr. Sie tauschen Rubel massenweise in Euro und Dollar.

© APA/EPA/MAXIM SHIPENKOV

Währungverfall
12/17/2014

Russland stresst Europas Banken

Rubel-Verfall bereitet Sorgen, das Eigenkapital reicht aber auch bei einer Verschärfung der Krise.

von Irmgard Kischko

Die Verkäufer in Moskauer Luxus-Shops kamen in den vergangenen Tagen mit dem Austauschen der Preisschilder gar nicht mehr nach: Der rasante Absturz des Rubel-Kurses gegenüber Euro und Dollar verteuerte die noble Import-Ware stündlich.

Am Mittwoch gelang es der Zentralbank mit dem Verkauf von Devisen – zumindest vorübergehend – den Verfall der Währung zu stoppen. Und Notenbank-Chefin Elwira Nabiullina machte kein Hehl daraus, dass sie erneut mit Devisen Rubel aufkaufen würde, um den Kurs zu stützen. Immerhin sitzt das Land auf einem Finanzpolster von 420 Milliarden Dollar. Diese Zahl allerdings täuscht über das wahre Ausmaß der liquiden Reserven Russlands hinweg. Denn weniger als 200 Milliarden Dollar davon sind tatsächlich kurzfristig verfügbar. Der größere Teil ist gebunden (siehe Grafik unten).

Von einer Staatspleite, von der manche Experten reden, ist das Land allerdings meilenweit entfernt. "Russlands Budget ist ausgeglichen und der Staat hat kaum Auslandsschulden", betont Stefan Bruckbauer, Chef-Volkswirt der UniCredit Bank Austria. Der Ölpreis-Verfall treffe Russlands Wirtschaft zwar hart, fürs Budget habe er allerdings kurzfristig keine Auswirkung. Öl, das in Dollar gehandelt wird, ist billiger geworden. In Rubel umgerechnet hat sich der Ölpreis kaum verändert. Probleme sieht Bruckbauer jedoch bei den Unternehmen. 100 Milliarden Dollar an Auslandschulden müssen russische Firmen 2015 neu finanzieren.

Anleger in Panik

Wegen der schweren Krise der russischen Wirtschaft plündern nicht nur die Russen ihre Rubel-Konten und wechseln das Geld in Dollar oder Euro, auch in Westeuropa flüchten Investoren aus Aktien von Unternehmen mit Russland-Bezug. Besonders getroffen hat dies die Raiffeisen Bank International, deren Tochter in Moskau 15 Milliarden Euro an Bilanzvolumen umfasst. "Oberflächliche Panik nach dem Motto: Take the money and run", kommentiert dies Bruckbauer.

Die Sorge, dass die RBI durch die Krise in Russland in Probleme kommen könnte, sei unbegründet, heißt es auch in Aufsichtskreisen. Immerhin hat erst kürzlich der Stresstest der Europäischen Zentralbank ein Krisenszenario für Russland durchleuchtet. Die RBI habe dies ebenso gut bestanden wie andere heimische Institute. Die RBI selbst betont, dass das Ergebnis der Russland-Tochter heuer hoch positiv sein werde. Die Rubel-Abwertung wirke aber negativ auf die Einnahmen und das Eigenkapital der Tochter in Euro gerechnet.Auch Federico Ghizzoni, Chef der UniCredit, deren Tochterbank neben der französischen SocGen zu den größten Auslandsbanken in Russland zählt, sieht im Rubel-Verfall keine Gefahr: "Wir haben die Hälfte des Geschäfts in Russland in Dollar."

Dietmar Fellner: "Es gibt keine Alternative zu Putin"

Dietmar Fellner, seit 2008 Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau, im KURIER-Gespräch über ...

... die Gedanken der Russen über die westlichen Sanktionen Sie sind von Europa enttäuscht. Die Beziehungen zu den USA sind ihnen egal. Und auch einen Chinesen werden sie nicht lieben, obwohl die Wirtschaftskooperationen jetzt enger geworden sind.

... die Auswirkungen der Sanktionen

In Moskaus Geschäften ist nichts von einem Engpass zu merken, die Vitrinen sind voll. Die Schweizer, die jetzt ihren teuren Käse liefern können, sind die Gewinner. Die Österreicher sind die Verlierer. Das Fleisch kommt aus Südamerika, die Früchte und das Gemüse aus dem Mittleren Osten, Afrika oder Serbien. Die Letten liefern Butter nach Weißrussland und die Weißrussen nach Russland. Und für die russische Provinz hat sich nichts verändert, dort geht niemandem ein französischer Käse ab.

... die Zukunft Putins

Solange der Druck von außen kommt, ist die Solidarität im eigenen Land sehr, sehr groß. Es gibt keine Alternative zu Putin.

... die Auswirkungen auf Investoren in Russland

Projekte werden aufgeschoben oder abgesagt. Viele Produkte, wie Anlagen und Maschinen, sind für Russen zu teuer geworden. Wer hier vor Ort für den russischen Markt produziert, macht aber nach wie vor sehr gute Geschäfte. Die sich trauen, können jetzt azyklisch handeln und investieren. Der Rubel ist billig. Wir gehen davon aus, dass Russland nicht auf Jahre auf dem Boden bleibt und mittelfristig wieder ein spannender Markt wird. Wer Geld hat, könnte jetzt punkten. Aber ich weiß, die Ukraine-Krise wirkt sich auf das Klima aus und 50 Prozent der Wirtschaft ist Psychologie.

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