Wirtschaft 05.12.2011

VW: Mit dem Lego-Prinzip zur Nummer 1

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Der Wolfsburger Konzern will Autos künftig nach dem Baukasten-System herstellen. Der "Toyota-Effekt" soll vermieden werden.

Das Ziel ist klar definiert: die Weltmarktkrone. Volkswagen fährt weltweit die Produktion hoch - und will dabei Qualitätsprobleme wie zuletzt bei Toyota vermeiden.

Der Wolfsburger Konzern führt derzeit ein neues Baukastensystem in der Produktion ein, durch das die Zahl gleicher Teile über alle Marken und Modelle hinweg enorm zunimmt. Die Kosten sollen dadurch um 20 bis 30 Prozent sinken.

Damit steigt aber auch die Anfälligkeit: Denn wenn ein Lieferant bei einem Bauteil patzt, kann das Auswirkungen auf die gesamte Produktion haben. "Wenn wir ein Werk im Ausland aufbauen, können wir nicht erwarten, dass die Lieferanten dort aus dem Stand unsere Erwartungen erfüllen", erläuterte VW-Chefentwickler Ulrich Hackenberg. Den Zulieferern würden daher Techniker von VW zur Seite gestellt.

Mehr Modelle

Lego-Auto: Gleiche Teile für verschiedene Modelle. Das neue Baukastensystem hat auch seine Risiken.
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Mit dem "Modularen Querbaukasten" will Europas größter Autobauer die Zahl neuer Fahrzeuge in den nächsten Jahren deutlich steigern und mehr Nischenmodelle anbieten. Mit dem neuen System ist das leichter.

Mindestens 40 Modelle von VW, Audi, Skoda und Seat sollen mit den gleichen neuen Modulen entstehen: Boden, Achsen, Lenkung, Sitzgestelle und die Motor-Getriebe-Einheit. Den Anfang macht der Audi A3, danach folgt der neue Golf.

Der Baukasten eignet sich zudem für alle Antriebsarten vom Verbrennungsaggregat über Erdgas- bis hin zu Hybrid- oder Elektromotoren. Wenn der Vorstand eine neue Fahrzeugvariante beschließt, greifen die Entwickler einfach ins Regal und setzen diese aus vorhandenen Modulen zusammen - wie bei einem Lego-Baukasten.

Die frei werdenden Mittel sollen in neue Modelle und Antriebe gesteckt werden, um die schärferen EU-Umweltvorgaben zu erfüllen.

Vorstandschef Martin Winterkorn hatte dem Konzern vor einigen Jahren das Ziel vorgegeben, Toyota bis 2018 vom Thron zu stoßen. Inzwischen müsste er dieses Ziel auf die Opel-Mutter GM umformulieren.

Toyota als warnendes Beispiel

"Das Risiko von Qualitätsmängeln existiert", räumte Hackenberg ein. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass VW ähnlich schmerzhafte Erfahrungen, wie sie Toyota machen musste, vermeiden könne. Der japanische Konzern hatte vor einiger Zeit weltweit millionenfach Fahrzeuge wegen rutschender Fußmatten und klemmender Gaspedale zurückrufen müssen. Die Mängel hatten sich bei Toyota, das lange Zeit als Vorzeigeunternehmen in Sachen Fahrzeug- und Produktionsqualität galt, bei verschiedenen Fahrzeugen eingeschlichen.

Seither kämpft der Konzern um seinen Ruf als Hersteller besonders zuverlässiger Autos. Zudem traf die Erdbeben- und Atomkatastrophe in seiner Heimat Toyota schwer, das Unternehmen musste die Weltmarktführung in der Folge an den US-Rivalen General Motors abgeben.

Erstellt am 05.12.2011