VW hat verabsÀumt, Datenschutzregeln bei einer Testfahrt einzuhalten.

VW hat verabsÀumt, Datenschutzregeln bei einer Testfahrt einzuhalten.

© REUTERS/Matthias Rietschel

Wirtschaft
03/16/2021

VW-Konzern will heuer eine Million E-Autos ausliefern

Einbruch bei Gewinn und Rendite im Vorjahr soll durch Kostensenkungen wett gemacht werden.

Nach dem schwierigen, aber insgesamt doch profitablen Coronajahr 2020 will der deutsche VW-Konzern möglichst bald wieder zu alter StĂ€rke zurĂŒckfinden. Einen wesentlichen Beitrag soll mittelfristig eine neue Plattformstrategie liefern. Sie soll nicht nur verschiedene Varianten der Antriebs-Hardware, sondern auch Batterien, Software und MobilitĂ€tsdienste mehr vereinheitlichen. So will Volkswagen seine GrĂ¶ĂŸenvorteile nutzen und die Kosten weiter senken.

"Das gute Abschneiden im Krisenjahr 2020 gibt uns RĂŒckenwind fĂŒr die Beschleunigung unserer Transformation", sagte Vorstandschef Herbert Diess am Dienstag zur Bilanzvorlage. Die VW-Gruppe konnte - trotz deutlicher Einbußen vor allem im zweiten Quartal - unterm Strich erneut einen hohen Gewinn einfahren. Nach Steuern blieben rund 8,8 Mrd. Euro in der Kassa. Nimmt man das Jahr vor der Pandemie als Maßstab, wird der DĂ€mpfer allerdings deutlich: 2019 hatte der Konzern noch ein Nachsteuer-Ergebnis von gut 14 Mrd. Euro geschafft.

Heuer sollen eine Million elektrifizierte Fahrzeuge ausgeliefert werden. 2020 war es schon mehr als eine Verdreifachung, bei Plug-in-Hybriden ein Anstieg um 175 Prozent. Einen festen Zeitpunkt fĂŒr das Ende des Verbrennungsmotors lehnt VW weiter ab.

"Der Wechsel zur E-MobilitĂ€t erfolgt weltweit unterschiedlich schnell, abhĂ€ngig von der lokalen Gesetzgebung und VerfĂŒgbarkeit von CO2-freier PrimĂ€renergie", sagte Diess. VW setze eher auf die Marktdurchdringung mit E-Autos: "2030 gehen wir davon aus, dass die HĂ€lfte der Fahrzeuge, die wir weltweit verkaufen, batterieelektrisch angetrieben sein wird." Audi hatte angekĂŒndigt, ab sofort zumindest keine neue Generation von Verbrennungsmotoren mehr zu entwickeln.

Teilemangel

Ein Problem bleibt der Teilemangel bei Halbleitern. "Die Situation ist noch immer unĂŒbersichtlich", meinte Diess. "Bisher kommen wir gut durch, haben aber auch eine Produktion von 100.000 Autos verloren, die wir im Jahresverlauf wohl nicht aufholen werden." Der scheidende Finanzchef Frank Witter sagte hierzu: "Wir werden die Auswirkungen im Zaum halten, aber das wird uns das ganze Jahr beschĂ€ftigen."

Bei den Erlösen rechnet VW 2021 mit einem bedeutenden Plus, nachdem es 2020 um 12 Prozent auf 223 Mrd. Euro abwĂ€rtsgegangen war. Auch die ProfitabilitĂ€t soll zulegen, das Ergebnis im laufenden GeschĂ€ft soll so schnell wie möglich auf 7 bis 8 Prozent des Umsatzes steigen. 2020 hatte es wegen der schwĂ€cheren VerkĂ€ufe ein Minus auf 4,8 Prozent gegeben. FĂŒr 2021 peilt das Management 5,0 bis 6,5 Prozent an.

Marken

Die einzelnen Konzernmarken schnitten im vergangenen Jahr meist besser ab als zwischenzeitlich erwartet. Die Hauptsparte VW Pkw schaffte es dank der zweiten JahreshĂ€lfte mit einem Betriebsgewinn von 454 Mio. Euro doch noch in die schwarzen Zahlen. Der Umsatz der Marke brach um ein knappes FĂŒnftel auf 71,1 Mrd. Euro ein.

Bei Audi machte sich die Krise mit einem Umsatzminus von 10 Prozent auf 50 Mrd. Euro und einem operativen ErgebnisrĂŒckgang um 40 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro bemerkbar. Gut weg kam Porsche, wo der Umsatz mit 26,1 Mrd. Euro stabil blieb und das operative Ergebnis nur um 5 Prozent auf 4,0 Mrd. Euro sank.

Nutzfahrzeuge

Die leichten VW-Nutzfahrzeuge, Seat und der Lkw-Bauer MAN meldeten dagegen klare Verluste im laufenden GeschĂ€ft. Die VW-Gemeinschaftsunternehmen im Kernmarkt China, deren operative Ergebnisse nicht in die Konzernbilanz einfließen, verdienten mit 3,6 Mrd. Euro etwa 800 Mio. Euro weniger.

Zur BewÀltigung der Dieselkrise flossen 2020 weitere 2,5 Mrd. Euro aus dem Konzern ab. "Wir werden, was die Auszahlungen betrifft, das 2021 in etwa wieder sehen", sagte Witter. Es geht hierbei um Verpflichtungen etwa aus Prozessen und Vergleichen. 931 Mio. Euro kamen im vorigen Jahr als zusÀtzliche Ergebnisbelastung hinzu.

Co2-Ziele

Die CO2-Ziele der EU verfehlte der Konzern im vorigen Jahr knapp - VW gab die Abweichung mit aktualisiert 0,8 Gramm an. Insgesamt konnten allerdings deutliche Einsparungen des Treibhausgases erzielt werden, der Ausstoß sank um gut ein FĂŒnftel. UmweltschĂŒtzer kritisieren die Berechnung und sehen Schlupflöcher - die reale Klimabilanz vieler Autobauer seit weiter deutlich schlechter als offiziell angegeben.

2021 will VW weitere E-Modelle herausbringen. In den kommenden Jahren soll zudem ein eigenes Netz von Batteriezellfabriken entstehen.

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