Wirtschaft
29.11.2016

Volle Betten und leere Küchen

Die Nächtigungszahlen steigen, die hausgemachten Personalprobleme bleiben.

Die Sommerbilanz gibt Hoteliers keinen Grund zu jammern: Im Zeitraum Mai bis Oktober übertreffen die Nächtigungszahlen den Vorjahreswert um 5,1 Prozent und erreichen damit das höchste Niveau seit 1993. Die Feiertage im Herbst fielen günstig, viele nutzten die schulautonomen Tage für ein paar Tage Österreich-Urlaub. Dazu kamen viele Österreicher und Deutsche, die heuer lieber mit dem Auto als mit dem Flugzeug in den Urlaub gefahren sind.

Winter läuft gut an

Auch für den Winter sieht die Buchungslage gut aus. Der frühe Schneefall hat die Buchungsmaschinerie rasch in Gang gesetzt. Laut Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus, sind die Gästebetten für die anlaufende Saison um drei bis vier Prozent besser gebucht als zum Stichtag des Vorjahres. Die Frage ist nur, wer die vielen Gäste bekochen soll.

Wie berichtet, fehlt vielen Gastronomen noch immer Küchenpersonal. Nocker-Schwarzenbacher, selbst Hotelchefin aus Salzburg: "Bei uns im Pongau kommen auf 398 offene Stellen sechs vermittelbare Köche." Sie fordert einmal mehr, dass das Sozialministerium Köche in die Mangelberufsliste aufnimmt. Damit wäre es leichter, für EU-Drittstaatsangehörige eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung zu bekommen. Die Branche will also "zumindest kurzfristig" offene Stellen mit Köchen aus Ländern außerhalb der EU besetzen – auch weil sie in der EU offenbar zu wenig Küchenpersonal findet. Laut Eures, einem überregionalem Vermittlungsportal, sind allein in Deutschland mehr als 200.000 Koch-Jobs ausgeschrieben, in Tschechien sind es demnach 16.000. In Österreich ist die Zahl der offenen Stellen laut AMS heuer mit rund 1600 um ein Fünftel höher als vor einem Jahr.

5000 Lehrlinge weniger

Auch, weil die Branche selbst weniger Nachwuchs ausbildet. Vor zehn Jahren haben Gastronomen und Hoteliers noch 15.000 Lehrlinge ausgebildet, heute sind es nur noch 10.000. "Es gibt auch weniger geeignete Bewerber", argumentiert Nocker-Schwarzenbacher. Zuletzt haben österreichische Betriebe viele Jugendliche aus Deutschland ausgebildet. Diese bleiben nun aber aus, genauso wie deutsche Kellner und Köche. Schlicht, weil sie nun wieder in ihrem Heimatland einen Arbeitsplatz finden.

Dass die Branche zu wenig zahlt, wie die Gewerkschaft immer moniert, dementiert Nocker-Schwarzenbacher. "Ein Küchenchef verdient zwischen 2500 und 3000 Euro netto, ein Souschef rund 2000 und ein Koch 1600 bis 1800 Euro." Dass dieses Geld hart erarbeitet sind, ist aber auch kein Geheimnis.