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Krieg & Zölle: Voestalpine kann Gewinn dennoch um 138 Prozent steigern

Konzern behauptet sich in einem sehr schwierigen Marktumfeld. Die Wachstumsfelder sind Bahninfrastruktur, Luftfahrt und Lagertechnik. Die Dividende steigt auf 0,75 Euro je Aktie.
Ein Mann, Voest-Chef Eibensteiner, gestikuliert an einem Tisch.

Der Linzer Stahlkonzern voestalpine hat seine Ergebnisse im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 dank Umstrukturierungen deutlich verbessert. Der Konzerngewinn stieg "trotz volatilem Umfeld" um fast 138 Prozent auf 424 Mio. Euro. Die seit Juni 2025 geltenden US-Zölle in Höhe von 50 Prozent auf Stahl hätten das Ergebnis "in Höhe eines hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrages" belastet. Der Umsatz sank von 15,7 auf 15,1 Mrd. Euro.

Alle relevanten Ergebniskategorien hätten sich jedoch, gestützt durch robuste Strategie und aktive Reorganisation, positiv entwickelt. Gerade in einem von großen Unsicherheiten geprägten Umfeld hätten sich der klare Fokus auf Qualität, Innovation und Effizienz sowie die breite Diversifizierung nach Branchen und Regionen erneut als wesentliche Stärke des Konzerns erwiesen, teilte die voestalpine mit.

In den Bereichen Railway Systems und Luftfahrt blieb die Nachfrage positiv bzw. hoch. Die Lagertechnik war erneut ein Wachstumstreiber. Der Geschäftsbereich Automotive Components der Metal Forming Division sei hingegen "weiterhin von der sehr verhaltenen Marktdynamik in der Automobilproduktion, insbesondere in Europa, betroffen" gewesen.

Konsequente Reorganisation

"Der Fokus lag weiterhin auf der konsequenten Reorganisation renditeschwacher Geschäftsbereiche und auf der Forcierung internationaler Wachstumsprojekte", erklärte Konzernchef Herbert Eibensteiner. Die bereits im Geschäftsjahr 2024/25 gestarteten Maßnahmen wurden den Konzernangaben zufolge weitergeführt. Der weltweite Personalstand verringerte sich um 1,8 Prozent auf 48.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Bereich Automotive Components in Deutschland wird neu aufgestellt. Ziel sei es, den Automobilzulieferbereich der Metal Forming Division langfristig abzusichern, so der Konzern. Die High Performance Metals Division konzentriere ihr Produktportfolio auf Hochleistungswerkstoffe. Mit der Veräußerung der Buderus Edelstahl in Wetzlar (Deutschland), weltweiten Standortkonsolidierungen, Kapazitätsanpassungen der voestalpine Böhler Bleche in Mürzzuschlag und dem Verkauf der voestalpine Böhler Profil sei die Portfoliobereinigung innerhalb der Division weitgehend abgeschlossen.

Bei der voestalpine Tubulars in Kindberg, einer Gesellschaft der Metal Engineering Division, sei insbesondere aufgrund der erheblichen Belastungen durch die 50-Prozent-US-Zölle im Hauptabsatzmarkt USA eine Anpassung der Produktion an die geringere Nachfrage notwendig gewesen.

Rekordaufträge für Bahn und Luftfahrt

In wichtigen Bereichen der Weiterverarbeitung sicherte sich die voestalpine im abgelaufenen Geschäftsjahr Rekordaufträge für Bahnsysteme, Luftfahrtprodukte und Lagertechnik. Nachdem der Konzern die Koralmbahn in Österreich ausgestattet habe, seien auch von der Deutschen Bahn (DB) und den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) weitere Aufträge in Höhe von 500 Mio. Euro für die Lieferung von Schienen- und Weichensystemen bis hin zu Signaltechnik- und Überwachungsleistungen hereingekommen.

In der Luftfahrt holte sich die voestalpine Aufträge im Wert von rund 1 Mrd. Euro für die nächsten fünf Jahre - ein großer Teil stammt vom europäischen Flugzeughersteller Airbus.

Höhere Dividende

Vorbehaltlich der Zustimmung der am 1. Juli 2026 stattfindenden Hauptversammlung soll die Dividende von 60 auf 75 Cent je Aktie angehoben werden. Die voestalpine verfüge weiter über eine stabile Bilanzstruktur mit erneut gestärkter Eigenkapitalbasis.

Trotz der umfangreichen Investitionstätigkeit in Verbindung mit greentec steel sei die Nettofinanzverschuldung per Ende März 2026 um 23,4 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro reduziert worden. Das Eigenkapital betrug zum Bilanzstichtag 7,8 Mrd. Euro. Die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung in Prozent des Eigenkapitals) verbesserte sich auf 16,2 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit zwanzig Jahren.

Ausblick vorsichtig positiv

Vor dem Hintergrund anhaltend hoher geo- und wirtschaftspolitischer Unsicherheiten, des Fortlaufens bestehender Markttrends sowie positiver Effekte aus der Umsetzung interner Maßnahmen rechnet das Management für das Geschäftsjahr 2026/27 mit einem EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in einer Bandbreite von 1,60 bis 1,85 Mrd. Euro, also mit weiterem Wachstum.

Das Umfeld sei schwierig. Neben dem bis dato ungelösten Konflikt im Nahen Osten mit den daraus folgenden Effekten auf Energiepreise und Inflation, hätten auch die wirtschaftlich-rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen Europa und Nordamerika keinen stabilen und verlässlichen Zustand erreicht.

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