Mehr als neun Millionen Euro für Wiener Quanten-Start-up
Der Markt für Augmented-Reality-Brillen, die virtuelle Informationen in das Sichtfeld ihrer Träger einblenden, wächst stark. Die Facebook-Mutter Meta musste wegen der starken Nachfrage nach ihren neuen AR-Brillen in den USA zuletzt sogar den Marktstart in Europa verschieben.
Das Wiener Start-up Vitrealab entwickelt Technologien für die nächste Generation solcher Geräte. Vor Kurzem wurde eine Finanzierungsrunde über 9,4 Mio. Euro abgeschlossen.
Quanten-Lichtchips
Mit dem Geld will das 2018 gegründete Unternehmen seine Quanten-Lichtchips (QLC) in Richtung Serienproduktion weiterentwickeln. Die Technologie soll eine höhere Helligkeit bei den in den Brillen verbauten Displays ermöglichen, sodass projizierte Inhalte auch bei Tageslicht gut sichtbar sind. Sie verspricht auch ein breiteres Sichtfeld und geringeren Energieverbrauch und hilft dabei, dass die ebenfalls von Vitrealab entwickelten neuartigen Projektoren in herkömmlichen Brillengestellen Platz finden. Erreicht wird das durch die präzise Steuerung von Laserlicht durch photonisch integrierte Schaltkreise.
Die Grundlagen für die Vitrealab-Lösung wurden in der Quantenforschungsgruppe der Universität Wien entwickelt. Unter den Mitgliedern war neben Vitrealab-Gründerin und -Gründer Chiara Greganti und Jonas Zeuner auch Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger.
Auch das Team des Start-ups, das derzeit 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt, soll vergrößert werden, sagt Hartmut Schneider, der bei Vitrealab für das Business Development zuständig ist, dem KURIER.
Vorwiegend europäische Geldgeber
Die Geldgeber der aktuellen Finanzierungsrunde kommen vorwiegend aus Europa, darunter der italienische Technologie-Investor LIFTT und dessen Joint Venture mit der Europäischen Investitionsbank (LIFTT Euroinvest), der aws-Gründerfonds sowie xista Science Ventures (ehemals IST Cube) und der Tiroler Arm-Gründer Hermann Hauser.
Bereits 2021 erhielt Vitrealab ein Millioneninvestment, das unter anderem in Fertigungsinfrastruktur, etwa Reinräume für die Produktion der zentralen Bauteile, floss. Ziel sei es, die Komponenten in die Augmented-Reality-Brillen der großen multinationalen Hersteller zu bekommen, sagt Schneider.
Flaute bei Start-up-Finanzierung
Investitionen in heimische Start-ups waren zuletzt eingebrochen. Im vergangenen Jahr erhielten lediglich fünf österreichische Jungunternehmen Investments von zehn Mio. Euro oder mehr. Darunter war das ebenfalls auf Augmented- und Virtual-Reality-Technologie spezialisierte Hololight. Die Innsbrucker Firma entwickelt unter anderem AR- und VR–Streaminglösungen für industrielle Anwender.
An Displaytechnologie für Augmented-Reality-Brillen arbeitet auch das von Absolventen der TU Wien gegründete Start-up Trilite. Das Unternehmen brachte 2025 einen Laserprojektor für AR-Brillen zur Marktreife. Unter den Kunden finden sich führende asiatische und US-amerikanische Technologiefirmen.
In den vergangenen Jahren wurden ebenfalls zweistellige Millionenbeträge von Kapitalgebern eingesammelt. Mit Hermann Hauser und Apex Ventures teilt man sich mit Vitrealab Investoren.
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