VIG stellt weitere Zukäufe in Osteuropa in Aussicht

Die Vienna Insurance Group konnte im Vorjahr den Gewinn über den Erwartungen steigern. Die Dividende steigt und der Ausblick ist positiv.
Wiener Städtische Versicherung

Um satte 1,4 Milliarden Euro übernimmt, wie bekannt, die Vienna Insurance Group (VIG) die Nürnberger Versicherung. Die rechtliche Freigabe des Deals (Closing) wird für Beginn des zweiten Halbjahres erwartet. Trotz des hohen Kapitaleinsatzes bleibt noch genug Geld in der Kasse, um weitere Übernahmen zu stemmen. „Wir haben unmittelbar Investitionsmöglichkeiten in Zentral- und Osteuropa am Radar“, sagt VIG-Vorstandsvorsitzender Hartwig Löger im Rahmen der Bilanzkonferenz. Es würden Gespräche geführt. Als ungefähre Größenordnung nannte er die Übernahme der Aegon, bei der vor einigen Jahren zusammen rund 800 Millionen Euro flossen.

Mit dem Erwerb der Nürnberger werden sich die Größenordnungen in der VIG deutlich verschieben. Aktuell kommen von den Prämieneinnahmen nur zwei Prozent aus Deutschland. Künftig werden es laut VIG-Vorstand Gerhard Lahner 19 Prozent sein. Nach Sparten werde der Anteil der Lebensversicherungen von 24 auf mehr als 30 Prozent steigen. Denn die Nürnberger ist vor allem in diesem Segment sehr stark.

Trotz der größten Übernahme in der Unternehmensgeschichte bleibt Deutschland laut Löger ein Spezialmarkt. „Wir nehmen uns nicht heraus, eine marktdominante Rolle zu entwickeln. Das wäre nicht sinnvoll und machbar.“ Der Kernmarkt bleibe CEE, wo die VIG eine führende Rolle habe oder anstrebe. Die Übernahme sei aber wichtig hinsichtlich einer breiteren Diversifizierung und Risikostreuung.

Polen

Großes Potenzial sieht Löger unter anderen in Polen, wo schon 2025 mit plus 10,7 Prozent das stärkste Prämienplus verzeichnet wurde. Dort wurde mit Phinance der größte Finanzdienstleister des Landes erworben; das sichere starkes Wachstum. Und der Markteintritt der Erste Group in Polen durch die Übernahme der Santander Bank Polska verspreche weitere Chancen. Denn über die Erste werden Produkte der VIG auch in CEE vertrieben. Aktuell ist die Allianz Partner der Santander. Diese Kooperation sei aber zeitlich befristet. „Wir prüfen mit der Ersten, welche Möglichkeiten wir hier haben.“

Finanzvorständin Liane Hirner wiederum sieht Wachstumsmöglichkeiten im Bereich Krankenversicherungen. Diese würden derzeit nur sechs Prozent zu den Prämieneinnahmen beitragen, das Wachstum sei mit 15,5 Prozent aber am stärksten. Im Bereich Gesundheit seien neue Produkte und Services geplant.

Insgesamt stiegen die Prämieneinnahmen 2025 um 7,1 Prozent auf 16,3 Mrd. Euro (30 Prozent aus Österreich), das Ergebnis vor Steuern kletterte um fast ein Drittel auf 1,16 Mrd. Euro und lag damit über den Erwartungen. Die Dividende pro Aktie soll dank der Ergebnissteigerung um zwölf Prozent auf 1,73 Euro erhöht werden. Für heuer erwartet der Vorstand eine weitere Steigerung des Vorsteuerergebnisses auf 1,25 bis 1,3 Mrd. Euro. 2028 sollen es zumindest 1,5 Mrd. Euro sein (jeweils ohne Nürnberger).

Kommentare