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Wirtschaft
08/19/2019

Vier-Pfoten-Chef Heli Dungler: "Im Schnitzel steckt viel Steuergeld"

Jedes Kilo Fleisch wird in der EU mit einem Euro Steuergeld subventioniert, sagt der Tierschützer

von Simone Hoepke

Wenn es ums Schnitzel geht, hört sich beim Österreicher der Spaß auf. Derzeit wird heftig diskutiert, ob Fleisch zu billig ist und höher besteuert werden sollte. Das eingenommene Geld könnte in Tierwohl-Projekte fließen, so ein Vorschlag, der von Deutschland nach Österreich übergeschwappt ist.

Treiber der Vorschläge sind auch Umweltschutzorganisationen, die im Zuge der aktuellen Klimadebatte auf das Thema aufspringen. Schließlich ist die Fleischindustrie für einen beträchtlichen Teil der CO2-Emissionen verantwortlich. Ausgerechnet Heli Dungler, Gründer und Vorstand der Wiener Tierschutzorganisation Vier Pfoten, hält davon aber genau gar nichts.

KURIER: Müssten Sie als Tierschützer nicht für eine zweckgebundene Fleischsteuer sein?

Heli Dungler: Nein, die Diskussion greift viel zu kurz. Im Zuge der laufenden Klima- und Tierwohldebatte muss man das ganze Fördersystem neu denken.

Ein Ruf nach einem Ende der Subventionspolitik?

In der EU wird jedes Kilo Fleisch mit einem Euro Fördergeld subventioniert. Wir sprechen von einer Summe von rund 25 Milliarden Euro, die jährlich in die Fleischproduktion fließt. Das ist kein rein europäisches Phänomen. In den USA wird die Fleisch- und Milchwirtschaft jährlich mit rund 38 Milliarden Dollar subventioniert. Zum Vergleich: Nur 17 Millionen werden für den Anbau von Obst und Gemüse zugeschossen. Anders gesagt: Der Konsument kennt den fairen Preis von einem Kilo Fleisch gar nicht mehr, weil ihm gar nicht bewusst ist, wie viel von seinem Steuergeld schon im Schnitzel steckt, wenn er es kauft.

Österreichs Bauernvertreter würden nun sagen, dass wir ohne Förderungen im globalen Konkurrenzkampf nicht mithalten könnten ...

Im Billigpreissegment werden wir nie mitspielen können. Den dominieren Länder wie Thailand oder Brasilien mit ihren riesigen Industriebetrieben. Wir müssen in unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft in Qualität investieren.

Haben wir schon, etwa in der Putenmast. Bei uns haben die Tiere deutlich mehr Platz im Stall als in anderen Ländern. Das ist schön und teuer. Gekauft wird jetzt aber verstärkt ausländische Pute. Wir importieren jetzt also Tierleid. Ein Erfolg?

Natürlich nicht. Man müsste die Konsumenten besser darüber aufklären, was sie kaufen. Oft wissen sie es schlicht nicht und denken auch gar nicht darüber nach. Die öffentliche Hand müsste in ihren Großküchen nach dem Bestbieter- und nicht nach dem Billigstbieter-Prinzip einkaufen. Dafür fehlt aber der politische Wille. Großküchen müssen nach wie vor oft mit 3,40 Euro pro Person und Tag kalkulieren. Das muss sich ändern.

Konsumenten beteuern gern, dass sie auf Qualität und Herkunft schauen. Letztlich greifen sie dann doch zur Billigware. Was macht Sie optimistisch, dass sich das ändert?

Die Erfahrung vom Ei.

Welchem Ei?

Anfang der 1990er-Jahre gab es in Österreich rund vier Millionen Legehennen, viele davon in Käfigen. Österreich war dann Vorreiter in der Abschaffung der Legebatterien und was ist passiert? Heute haben wir landesweit rund sechs Millionen Legehennen in Boden- und Freilandhaltung, der Selbstversorgungsgrad der Ei-Produktion liegt nun bei mehr als 90 Prozent. Vor 25 Jahren war er unter 70 Prozent.

Und die Preise?

Die Schaleneier sind heute im Supermarkt 2,5 Mal so teuer als vor 25 Jahren und kein Mensch regt sich darüber auf. Niemand will Käfigeier kaufen, auch nicht in verarbeiteten Produkten wie Kuchen, Fertigprodukten und Teigwaren. Deswegen fordern wir, dass auf den Packungen draufsteht, was drin ist. Damit würden sich die Kaufentscheidungen der Konsumenten bestimmt schnell ändern.

Und auch der Preis. Industrievertreter argumentieren, dass das Mehrkosten in der Logistik und Produktion verursacht und damit den Regalpreis erhöht.

Das ist doch ein Blödsinn. Wir sprechen hier von Mehrkosten im Promille-Bereich, die wirklich nicht ins Gewicht fallen würden.