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Wirtschaft
08/14/2020

Videokonferenzen: Und plötzlich sind alle Fernsehsprecher

Gute Inszenierung ist fürs berufliche Weiterkommen wichtiger denn je, sagen Experten.

von Simone Hoepke

Wie man eine Videokonferenz erlebt, hängt wie so vieles im Leben von der Einstellung ab. Man kann sie als langatmige Zeiträuber verteufeln oder als großes Kino feiern. Schließlich ist das, was dort geboten wird, oft das reinste Unterhaltungsprogramm.

In den Hauptrollen die altbekannten Charaktere aus dem Büroalltag: Intriganten, Zahlenfüchse, Schleimer und Selbstdarsteller, die zu jedem beliebigen Stichwort einen sinnbefreiten Spontanvortrag halten – und sich damit beharrlich auf die Bildfläche hieven. Schon allein, weil Videokonferenzprogramme wie Teams immer denjenigen einblenden, der spricht oder zuletzt gesprochen hat. Doch wer macht in Zeiten der Videomeetings Karriere? Laufen die Stillen Gefahr, übersehen zu werden?

In Szene setzen

"Nein", meint Susanna Wieseneder, die mit ihrem Consulting-Unternehmen vor allem Top-Manager berät. "Es zählt nicht nur die Präsenz, sondern auch die Qualität der Wortmeldung. Introvertierte können mit einer einzigen Wortmeldung einem Gespräch eine völlig neue Richtung geben." Dem pflichtet auch Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin Christine Bauer-Jelinek bei. Ihrer Meinung nach gewinnen in Zeiten der Live-Schaltung in private Küchen und Wohnzimmer aber jene, die sich am besten in Szene setzen. Bauer-Jelinek: "Man muss noch mehr auf die eigene optische Wirkung achten als früher. Mimik und Gestik sind zum Teil wichtiger als der Inhalt, was man ja auch an politischen Inszenierungen beobachten kann." Letztlich würden alle in der virtuellen Konferenz zu Fernsehsprechern mutieren. Allerdings ohne entsprechende Ausbildung, unrasiert, ungeschminkt und mit schlecht sitzender Kleidung. Oft mit vertrockneten Blumen und fragwürdigen Bildern im Hintergrund. Kurz: Unprofessionell.

Wer sich schon bisher schlecht in Szene gesetzt hat, könnte jetzt noch mehr ins Hintertreffen geraten, warnt Bauer-Jelinek: "Im alten Büro-Alltag war der optische Eindruck nicht so entscheidend, weil man mehr als Gesamtpersönlichkeit gewirkt hat als am Bildschirm."

Von der virtuellen Besprechungswelt können laut der Expertin vor allem jüngere Kollegen profitieren, die durch die alltägliche Nutzung der sozialen Medien mit Inszenierungen und dem Lesen von Bildsprache vertraut sind. Dass eine gute Inszenierung die halbe Miete ist, ist allerdings nicht neu. Bauer-Jelinek: "In einem Assessment-Center wird ja auch mehr die Bühnenfähigkeit als das fachliche Können getestet."

Es sei aber kein Zufall, dass sich viele den alten Büroalltag zurückwünschen. Im virtuellen Meeting gehen viele Informationen verloren. "Durch die Verzerrung der Stimme am Laptop hört man Zwischentöne weniger gut, dazu kommen zeitliche Verzögerungen in der Übertragung", erläutert Wieseneder. Es kommt schneller zu Missverständnissen.

Sie rät, zwischendurch auch zum Telefonhörer zu greifen.

Zudem fehlt in den Videoschaltungen das Informelle. Das Augenrollen der Kollegen, wenn der Dampfplauderer sinnentleerte Vorträge hält oder der Schleimer von der neuen Idee des Chefs restlos begeistert ist. "Informelle Kommentare wandern oft in WhatsApp-Gruppen ab, die enttarnt werden, wenn plötzlich drei Leute ohne ersichtlichen Grund auflachen", weiß auch Wieseneder. Ob diese "Parallelveranstaltungen" gut oder schlecht sind? Beides. Letztlich sind sie oft auch Kitt für ein Team.

Kosten der Heimarbeit
Grundsätzlich gilt, dass Kosten, die für die Arbeit anfallen, auch vom Arbeitgeber übernommen werden müssen. Egal ob es sich um Druckerpatronen, Papier oder Schreibmaterial handelt. In der Praxis ist es aber oft eine  Streitfrage, was privat und was beruflich genutzt wird. "Wir empfehlen Arbeitnehmern, schon im Vorfeld einen pauschalen Aufwandsersatz mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren", sagt Sara Pöcheim, Arbeitsrechtsexpertin der Arbeiterkammer (AK)

Arbeitsumgebung
Für die Gestaltung des Arbeitsplatzes in der eigenen Wohnung ist der Arbeitnehmer selbst verantwortlich. Es gibt kein Anrecht darauf, dass der Arbeitgeber einen Schreibtisch und Bürosessel finanziert, heißt es seitens der Arbeiterkammer

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