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Wirtschaft
07/24/2019

Verteidigungskonzern Thales kauft Steyr Motors

Verteidigungskonzern Thales wird vom Kunden zum Eigentümer des insolventen Unternehmens.

von Christoph Schwarz

Das Ringen um das insolvente oberösterreichische Unternehmen Steyr Motors hat ein Ende: Der französische Verteidigungs- und Sicherheitskonzern Thales hat – wie der KURIER erfuhr – nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses gestern, Mittwoch, den Zuschlag erhalten.

Acht Interessenten, die sich teils zu Bietergruppen formiert hatten, waren zwischenzeitlich im Rennen um den oberösterreichischen Spezialmotorenbauer.

Steyr Motors, das aus den Resten der Steyr Daimler Puch hervorgegangen war, hat bewegte Jahre hinter sich: Frank Stronachs Magna kaufte das Unternehmen, im Jahr 2001 kam es zum Management-Buyout von Ex-SPÖ-Politiker Rudolf Streicher und Rudolf Mandorfer. Im Jahr 2012 wurde Steyr Motors an chinesische Investoren verkauft. Im November des Vorjahres schlitterte es in den Konkurs. Die Verbindlichkeiten liegen bei 30 Millionen Euro.

Das Unternehmen – im Portfolio sind Nischenprodukte wie Dieselmotoren für militärische Fahrzeuge und Loks – hält seit der Insolvenz den Betrieb aufrecht. Noch gibt es Aufträge in Höhe von bis zu 60 Millionen Euro, die die Produktion bis zu zwei Jahre sicherstellen könnten.

Standort war gefährdet

Nach einer gescheiterten Versteigerung im Mai wurden jedoch zuletzt erste Kunden nervös und stiegen auf andere Motorenlieferanten um. So wie die Schweizer Armee, die einen Großauftrag für mehr als 2.000 Duro-Mannschaftstransporter stornierte und nun bei Fiat einkauft.

Auch die Mitarbeiter sind beunruhigt – insgesamt 150 Beschäftigte arbeiten in Steyr an der Entwicklung und Fertigung der Motoren. Sie bei der Stange zu halten, sei zuletzt immer schwieriger geworden, heißt es. Mussten sie doch um den Erhalt des Standorts in Steyr fürchten.

Die ursprünglich angestrebte lokale Lösung, bei der die Invest AG von Raiffeisen das Unternehmen übernommen hätte, scheiterte. Das brachte den Motorenentwickler AVL ins Spiel – der sich dem Vernehmen nach jedoch weniger für den Fortbetrieb, sondern mehr für die Liegenschaft von Steyr Motors interessierte.

AVL ist ein Konkurrent und Nachbar am Standort Steyr und hätte die Immobilie gut gebrauchen können, die Produktion selbst aber nicht. Diese wollte AVL nach Dänemark auslagern und dort von einem wenig finanzkräftigen Partner abarbeiten lassen, erzählen sich Insider.

Auch die Mitarbeiter – mit Ausnahme einiger Konstrukteure – hätte man nicht benötigt. Die Kunden waren verärgert. Sie fürchteten, dass die langfristige Belieferung mit Ersatzteilen leiden könnte.

Produktion bleibt

Einer der größten Kunden von Steyr Motors – der französische Konzerns Thales – wird nun zum neuen Eigentümer. Und will die erhoffte „regionale Lösung“ bieten: „Der Standort Steyr und der Firmenname Steyr Motors bleiben erhalten. Wir sind mit der Produktion hier vor Ort sehr zufrieden“, sagt Thales-Österreich-Chef Hannes Boyer. Zum Kaufpreis wollte man sich bei Thales am Mittwoch auf KURIER-Anfrage nicht äußern.

Thales hat großes Interesse am Fortbestand von Steyr Motors: So zählt etwa Thales Australien zu den Kunden, die Produkte aus Steyr benötigen. Thales beliefert unter anderem die australische Armee mit dem militärischen Mehrzweckfahrzeug Hawkei. Der internationale Thales-Konzern erzielte im Vorjahr mit 80.000 Beschäftigen in 68 Ländern einen Umsatz von 19 Milliarden Euro.

Produzent des StG 77

Bezüge zu Österreich gibt es mehrere: So baut Thales etwa in Lizenz im Ausland das Sturmgewehr Steyr AUG – beim österreichischen Bundesheer als StG 77 bekannt und als Standardwaffe im Einsatz.

In Wien hat Thales rund 400 Mitarbeiter. Zu den größten Kunden in Österreich zählen ÖBB und Austro Control, sowie Verteidigungs- und Innenministerium. Der Thales-Konzern ist außerdem führend im Bereich der Drohnenabwehr.