Wirtschaft
24.07.2017

Verreisen mit dem Haustier

Reiseveranstalter offerieren zunehmend erfolgreich Nischenprogramme.

Urlauben als Single, tierfreundliche Appartements, spezielle Kinderhotels oder barrierefrei unterwegs – so individuell war Reisen noch nie. Heutzutage muss man keine Pauschalreisen mit All-Inclusive-Hotels buchen, sondern kann sich entweder selbst oder von einem Reisebüro seinen Traumurlaub planen lassen. Sightseeing in Reykjavík und Vulkan-Entdeckungstour an der Südküste Islands – auf Wunsch lässt sich nahezu alles verbinden. Mit diesen individuellen Reiseangeboten haben Reisebüros das Potenzial kleiner Zielgruppen erkannt und setzen vermehrt auf Spartenurlaub.

So wurde vor einiger Zeit das Verreisen mit dem Haustier als neuer Markt entdeckt. "Wer mit Hund verreist, will ihn weder im Zimmer einsperren noch im Restaurant schief angeschaut werden," sagt Claudia Pertl, Projektleiterin Tierischer Urlaub. Deshalb sollen Suchfilter auf der vor einem Jahr gegründeten Urlaubsplattform bösen Überraschungen vorbeugen. Pertl betont: "Wir sind kein Reisebüro, sondern eine Angebotsgruppe, die das Thema Urlaub mit Hund vermarktet."

Finanzierung

Finanziert wird die Plattform über Mitgliedsbeiträge, die abhängig von der Betriebsgröße zwischen 500 und 1200 Euro pro Jahr betragen. Derzeit sind 35 Betriebe vernetzt.

Neben dem Staatspreis Startup-Marketing dieses Jahr verzeichnete Tierischer Urlaub einen weiteren Erfolg: Kooperationspartner, wie z.B. das Landgut Moserhof in Kärnten, verlängerten ihre Sommersaison um rund drei Wochen. Der Grund: Tierbesitzer verreisen selten während der Hochsaison; meistens ist ihnen zu heiß, zu teuer und zu viel los.

Singles

"Wir wollen für jede Zielgruppe das passende Angebot finden, so auch für Singles bzw. Alleinreisende," heißt es seitens TUI Österreich. Auf den TUI Magic Life Clubreisen versuchen so genannte Magic Angels Alleinreisende zu vernetzen, damit diese Sportpartner sowie Leute für Unterhaltung und Partys finden. Zum Teil verzichtet TUI bei expliziten Singlereisen auf den sonst üblichen Einzelzimmerzuschlag. Der Anteil an Alleinreisenden liegt laut TUI Österreich aber unter zehn Prozent.

Diskriminierungsfrei

Anfang Juni startete Ruefa Reisen mit Gaytravel. Die neuen Pauschal- und Individualreisen sind auf die Wünsche und Bedürfnisse von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Interpersonen angepasst. "Die Produktlinie hat ein hohes Potenzial, da die Community extrem reisefreudig ist, viel Geld für Urlaub ausgibt und bisher nicht berücksichtigt wurde," heißt es seitens Ruefa.

Neben den klassischen Gay-Destinationen in Spanien und Griechenland bietet Ruefa auch Pauschalreisen an. Besonders beliebt: drei Tage im belgischen Flandern Kunst, Kultur und Mode erkunden oder 13 Tage mit dem Mietwagen durch Südafrika cruisen. Derzeit gibt es zwölf Reiseangebote für Schwule; ab Herbst sollen Angebote für Lesben folgen.

"Menschen mit Behinderungen bekommen bei uns ebenso abwechslungsreiches Programm wie ihre Begleitungen," sagt Marc Fauster, Geschäftsführer Barrierefrei Reisen. Mit seinen Eigenreisen hat 2008 alles angefangen. Da die selbstveranstalteten Handbike-Reisen nicht den erwarteten Zuspruch erhielten, setzt Fauster heute auf Reisevermittlung. Die Provision variiert zwischen sieben und 15 Prozent.

"Wir betreuen einen kleinen Personenkreis, weil unser Angebot ein Nischenprodukt ist," so Fauster. Sein Reisebüro bietet 20 Unterkünfte weltweit an. Neben Paaren und Familien vermittelt Barrierefrei Reisen auch WG-Reisen für Vereine wie die Lebenshilfe oder Chance B.

Vergangenes Jahr wurden 350 Personen auf Reisen geschickt. Besonders beliebt war der Urlaub an der italienischen Adria. Heuer wird vermehrt Urlaub in der Toskana mit Ausflügen nach Florenz und Siena nachgefragt.