Gaskombikraftwerk Mellach

© /Heinz A. Pachernegg/Verbund

Verkauf von Mellach
10/13/2016

Verbund-Kraftwerksdesaster: Spur nach Russland?

Ein völlig intransparentes Bieterkonsortium dürfte das höchste Angebot für das defizitäre Gaskraftwerk Mellach gelegt haben.

von Andrea Hodoschek

Der schwer zerstrittene Verbund-Vorstand unter Wolfgang Anzengruber entscheidet heute, Donnerstag, über den Verkauf des defizitären Gaskraftwerkes Mellach. Oder doch nicht. Das Konsortium um die völlig intransparente Avior Energy dürfte zwar von den drei Bietergruppen den besten Preis offerieren, lässt aber viele Fragen offen.

2011 ans Netz gegangen, ist das steirische Gaskraftwerk einer der großen Investitionsflops des mehrheitlich staatlichen, börsenotierten Stromkonzerns. Bei 550 Millionen Euro Baukosten ist das Kraftwerk, das kaum in Betrieb ist und bisher nur Verluste einfuhr, heute auf 17 Millionen abgeschrieben.

Alle drei Offerte dürften sich in der Größenordnung von 100 Millionen Euro bewegen, sind aber schwer vergleichbar. Avior soll am meisten Cash bieten und will, dass der Verbund das Kraftwerk quasi als Dienstleister weiter betreibt.

Im Aufsichtsrat sieht man den Verkauf kritisch. Welches Geschäftsmodell haben die Käufer überhaupt, wenn nicht einmal der Verbund selbst das Kraftwerk profitabel betreiben kann? Das müsse sehr fundiert argumentiert werden.

Zugang zu billigem Gas

Die Avior-Eigentümer verstecken sich hinter fünf Stiftungen. Von dort könnte die Spur über Liechtenstein letztlich nach Russland führen. Insider im Gas-Geschäft vermuten, hinter den Stiftungen könnten Oligarchen mit Zugang zu billigem Gas stecken. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass sich Anzengruber im Sommer mit dem Russland-affinen OMV-Chef Rainer Seele über den Ausstieg des Verbunds aus dem Gasliefervertrag mit der OMV einigte.

Helmut Schnitzhofer, Ex-Chef der Alpine Energie, beteuert, trotz anderweitiger Spekulationen, nicht mehr im Avior-Konsortium dabei zu sein: "Ich habe zwei Jahre in die Projektentwicklung gesteckt, habe mich aber komplett zurückgezogen". Schnitzhofer hat andere Sorgen. Er steht ab nächster Woche vor dem Linzer Landesgericht wegen des Vorwurfs der Untreue (Schaden mehr als 880.000 Euro) und des schweren Betrugs (Schaden mehr als 330.000 Euro). Ihm wird vorgeworfen, Teile seines Privatlebens auf Firmenkosten finanziert zu haben, es gilt die Unschuldsvermutung.

Ebenfalls im Rennen ist der deutsche Stromproduzent Steag mit der Christof Industries. Der steirische Anlagenbauer war bei der Errichtung von Mellach dabei. Sowie der US-Fonds Contour Global mit KTM-Eigentümer Stefan Pierer und dem Ex-Politiker und Unternehmer Herbert Paierl.

Die Alternative zum Verkauf wäre Einmotten. Wie auch immer, die Steuerzahler und die Verbund-Aktionäre zahlen auf jeden Fall.

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