Unternehmensgründungen dauern in Österreich zu lange

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Deloitte kritisiert Österreichs Bürokratie in vielerlei Hinsicht. Eine baldige Besserung ist nicht in Sicht.

Rechtsexperten bezeichnen die österreichische Bürokratie im internationalen Vergleich als rasch und effizient. Beim Beratungsunternehmen Deloitte Österreich stößt das auf Unverständnis. Deloitte-Chef Bernhard Gröhs findet zahlreiche Punkte, die er für verbesserungswürdig hält.

"Unternehmensgründungen müssen in Österreich vereinfacht und digitalisiert werden." One-Stop-Shop – das Erledigen aller bürokratischen Schritte an einer Stelle – wäre wichtig, derzeit sei eine Unternehmensgründung zu aufwendig. "Für eine GmbH braucht man einen Notar, einen Richter, einen Finanzbeamten, einen Bankangestellten, einen Wirtschaftstreuhänder und einen Anwalt", sagt Gröhs. Mindestens zehn Leute würden beraten und kontrollieren. "In Österreich liegt die durchschnittliche Dauer für eine Firmengründung bei 25 Tagen", sagt Gröhs. Die EU-Vorgabe liege bei drei Tagen.

Große Probleme ortet er auch bei der Personalverwaltung. "Die Lohnsteuer und Sozialversicherung abzurechnen ist sehr schwierig, das kann nur ein Wirtschaftstreuhänder." Und sogar sie würden über die Komplexität bereits klagen. Das könnte man vereinfachen, in dem man die Bemessungsgrundlagen vereinheitliche. Der strafrechtlich gewordene Arbeitnehmerschutz führe zu überproportionalen Bestrafungen der Unternehmer. Außerdem sei das Gesetz schwer zu verstehen und umzusetzen. Diese Punkte würden alle Branchen betreffen, es gebe aber auch branchenspezifische Probleme. "Die Dokumentationsvorschrift im Bankwesen ist überbordend, das versteht kein Konsument mehr", sagt Gröhs. Die Banken müssten sich mehr mit Risikomanagement als mit ihren eigentlichen Aufgaben beschäftigten.

Auch den Wohnbau bezeichnet der Deloitte-Chef als überreguliert. "Es gibt immer mehr Vorschriften, was das Bauen immer teurer macht." Und das würde im Endeffekt die Mieten in die Höhe treiben.

Mühsamer Weg

Die Förderlandschaft besteht laut Gröhs aus 216 Organisationseinheiten, die sich mit Förderung und 24, die sich mit Forschungsfinanzierung beschäftigen, dazu kämen die Gemeinden und 13 Ministerien. "Für Unternehmen ist es sehr mühsam geworden, Förderungen zu bekommen, und für den Staat ist es schwer, deren Treffsicherheit zu beurteilen."

Die österreichische Bürokratie brauche grundlegende Reformen. Ohne eine große politische Anstrengung werde das nicht gelingen. Mit dieser sei allerdings nur zu rechnen, wenn es eine starke Regierung mit einer klaren Mehrheit gebe.

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