Wirtschaft 22.04.2012

Unschöner Streit um Faltencremen

Die Ex-Werber der Anti-Aging-Creme Botarin gründeten ihre eigene Kosmetiklinie. Sie werden nun der Betriebsspionage verdächtigt.

Hersteller von Falten-Cremen sind wohl selbst nicht vor Sorgenfalten gefeit: In der Steiermark eskaliert gerade der Streit zwischen dem Gründer der Anti-Aging-Marke Botarin und dem Hersteller der seit Anfang des Jahres erhältlichen Beauty-Marke Siin. Denn hinter Siin steckt ausgerechnet der Leiter der Ex-Werbeagentur von Botarin, der steirischen ZZYZX.

Der Steirer Georg Brandstätter hat Botarin 2008 gegründet und gemeinsam mit ZZYZX werblich – unter anderem mit dem Musicalstar Uwe Kröger als Werbe-Testimonial – hochgezogen. Er fühlt sich jetzt von seinen ehemaligen Werbern hintergangen: "Wir haben bei der Agentur alles offengelegt und können davon ausgehen, dass sie 100 Prozent ihres Kosmetikwissens von uns haben", sagt Brandstätter.

Edelweiß

Auf der Homepage von Siin wird deren Kosmetiklinie namens Edelweiß als "die österreichische Antwort gegen Falten aller Art" angepriesen. Die Forschungszeit hätte drei Jahre gedauert. Brandstätter schäumt. Denn das würde bedeuten, dass bereits 2009 an der Linie geforscht wurde, als er mit seiner Kosmetiklinie Botarin noch Kunde bei der Agentur war, sagt er. Aus seiner Sicht ist das ein klares Indiz dafür, "dass wir hier ganz klar beim Thema Betriebsspionage sind". Es sei schon dreist, dass eine Agentur die Geschäftsidee eines Kunden kopiere und dann "ein kaum unterscheidbares Produkt" auf den Markt bringe. Noch dazu in den selben Vertriebskanälen, nämlich in Apotheken. Brandstätter will "beinhart rechtlich vorgehen".

Jörg Tinnacher, Leiter der Werbeagentur und einer von vier Gesellschaftern von Siin, sieht die Situation freilich anders. "Unsere Produkte sind vielleicht mit einem Wirkstoff vergleichbar, aber nicht mehr", sagt er. Seine Cremen hätten "ein anderes Wirkungsprinzip". Er habe Brandstätter von der Entwicklung der Kosmetiklinie informiert und eingeladen, bei dem Projekt mit an Bord zu sein. "Mehr kann man nicht tun", sagt Tinnacher. "Wir sind in einem freien Markt." Das Betriebsgeheimnis sei gewahrt. Er habe schließlich "ein ganz anderes Produkt auf den Markt gebracht".

Der Anti-Aging-Markt lockt viele Anbieter. "Das Geschäft mit Kosmetika in Apotheken boomt", bestätigt Gudrun Reisinger von der Apothekerkammer.

Skepsis

Konsumentenschützer sind bei Anti-Falten- oder Anti-Cellulite-Cremen aber mehr als skeptisch. "Im Kosmetikbereich wird viel versprochen, das nicht eingehalten werden kann", sagt Bernhard Matuschak, Biologe und Konsumentenschützer beim Verein für Konsumenteninformation (VKI).

Es gebe – wenn überhaupt – nur minimale Unterschiede zwischen einer normalen Feuchtigkeits- und einer teuren Anti-Faltencreme. Nicht zu unterschätzen sei allerdings der psychologische Effekt, "denn hohe Preise führen zu einer hohen Erwartungshaltung", meint Matuschak.

Ernüchternder Nachsatz: "Man kann Falten und Cellulite aber definitiv nicht einfach wegcremen."

( Kurier ) Erstellt am 22.04.2012