Unito-Chef Harald Gutschi

© Jungwirth/Christian Jungwirth

Wirtschaft
04/22/2020

Unito-Chef Gutschi: "Corona-Urknall verändert Einkaufsverhalten"

Versandhändler rechnet mit Digitalisierungs-Schub. "Größte Preisschlacht aller Zeiten" im Textilhandel

von Anita Staudacher

Der Online-Vertriebskanal zählt zu den größten Gewinnern der aktuellen Corona-Krise. Davon profitieren vor allem professionelle Versandhäuser wie die zum deutschen Otto-Konzern gehörende Unito-Gruppe (Otto, Universal Versand, Quelle, Lascana). Nach anfänglicher Schockstarre sind die Bestellungen seit Ende März sprunghaft angestiegen, jedoch nicht in allen Segmenten.

Alles für daheim

Deutlich zweistelligen Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahr meldet der Versandhändler bei Hartwaren, vor allem bei Haushaltsgeräten wie Kühl- und  Gefriergeräten, Elektronikteilen, Computern, Spielekonsolen, Wohn- und Einrichtungsgegenständen sowie Gartenartikel. „Das große Thema war: Alles für daheim und alles für die Kinder“, erzählt Unito-Geschäftsführer Harald Gutschi dem KURIER. So seien „Unmengen an Puzzle-Spielen“ bestellt worden und Spielekonsolen „waren in kürzester Zeit ausverkauft“.  

Wermutstropfen waren und sind die aktuell längeren Lieferzeiten. Derzeit käme es zu „ein bis zwei Tagen“ Verzögerungen, was von den Kunden aber weitgehend akzeptiert werde, so Gutschi. Im Mai sollte sich die Lage wieder normalisieren.  

 

Ladenhüter Textilien

Ladenhüter sind wie im stationären Handel nach wie vor Textilien. Vor allem Frühjahrs-, Sommer- und Bademode bleibt auch im Versandhandel coronabedingt liegen. Gut verkaufe sich nur Yoga- und Homewear sowie „sexy Dessous“, weiß Gutschi.

Größte Preisschlacht aller Zeiten

Weil die Lager übervoll sind und viele Menschen in der Krise sparen müssen, rechnet Gutschi in den kommenden Monaten „mit der größten Preisschlacht aller Zeiten im Textilhandel“, die freilich auch vom Versandhändler selbst durch Rabatte fleißig angeheizt wird. Viele stationäre Händler, die ihre Hausaufgaben im Online-Handel nicht gemacht hätten, würden diese Phase nicht überleben. Eine Normalisierung sieht Gutschi frühestens im vierten Qurtal zum Weihnachtsgeschäft.

Digitalisierungs-Schub

Gutschi geht davon aus, dass die Konsumenten auch nach der Krise wesentlich mehr online einkaufen werden als zuvor. "Der Corona-Urknall verändert das Einkaufsverhalten nachhaltig". Kunden würden sich jetzt auf den Online-Kanal gewöhnen, viele hätten überhaupt das erste Mal im Internet eingekauft.

Mit Blick auf die Gesamtsituation im Handel spricht Gutschi gar von einer weiteren "Revoultion in der Handelslandschaft“. Die Veränderung, die der Handel normalerweise in den nächsten zehn Jahren durchmacht, werde jetzt in den Jahren 2020 und 2021 realisiert. Der Anteil des Online-Geschäfts am Gesamthandel werde sich durch "einen bis dato nicht gekannten Digitalisierungs-Schub" um 4 bis 5 Prozentpunkte zulegen, glaubt der Handelsprofi.

Ohne Katalog weniger Umsatz

2019 verkaufte der Versandhändler in Österreich etwas weniger als ein Jahr zuvor. Nicht zuletzt wegen der Einstellung des Hauptkataloges und der Reduzierung von Print-Werbemittel gab es ein Umsatzminus von 2,9 Prozent auf 364,7 Mio .Euro. Kräftige Zuwächse gab es nur im Möbelhandel, der heuer weiter ausgebaut werden soll. Das Ergebnis (EBIT) – „im niedrigen einstelligen Bereich“- blieb stabil. Die Zahl der Mitarbeiter blieb mit rund 600 (davon 450 eigene) stabil. Der Großteil arbeitet derzeit im Homeoffice.

Zahlungsausfälle

Mit vermehrten Zahlungsausfällen rechnet der Unito-Chef trotz der Krise bei den Stammkunden nicht, geht bei Neukunden aber auf Nummer sicher . „Hier sind wir natürlich vorsichtiger, wenn teure Waren bestellt werden“. Die Unito-Gruppe hat in sechs Ländern mit Hauptmarkt Österreich nach eigenen Angaben rund vier Millionen Kunden.

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