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Neues Produkt
11/04/2014

UNIQA startet Lebensversicherung ohne Garantie-Verzinsung

Flexiblere Gestaltung, höhere Rückkaufwerte. Der Rest der Branche wartet ab.

von Andrea Hodoschek

Niedrige Renditen, lange Laufzeiten und viel Kritik der Konsumentenschützer – die klassische Lebensversicherung ist kein Verkaufsschlager. Die neuen Sicherheitsvorschriften (Solvency II) erfordern zudem künftig eine höhere Eigenkapitalunterlegung für Polizzen mit Garantie-Zinsen.

Da die klassische Lebensversicherung von vielen Kritikern totgesagt werde, "ist jetzt eine neue Basis notwendig", argumentiert Hartwig Löger, Chef der UNIQA-Österreich. Ab Anfang 2015 wollen die UNIQA und ihre Tochter Raiffeisen Versicherung daher nur noch die "Klassik Neu" anbieten.

Der Testlauf wird interessant. Es gibt keine Garantie-Verzinsung mehr. Gerade damit aber haben die Versicherer bisher gerne um Kunden geworben. Der Garantie-Zins orientiert sich am Kapitalmarkt und wird vom Finanzministerium als Höchstsatz festgelegt. Für 2016 droht eine weitere Absenkung auf 1,25 Prozent (1,5 Prozent ab 2015).

Die tatsächliche Rendite ist freilich höher und liegt derzeit in der Branche bei rund 3,25 Prozent. Zum Garantie-Zins kommt nämlich noch die vom Veranlagungserfolg abhängige Gewinnbeteiligung.

In der "Klassik Neu" wird die gesamte Netto-Prämie (Prämienzahlung minus vier Prozent Steuer) sofort veranlagt. Die Abschlussprovisionen für den Vertrieb, die sich bei einem 20-jährigen Vertrag auf eine Jahresprämie summieren können, werden auf die gesamte Laufzeit verteilt. Und gemeinsam mit den Verwaltungskosten eben nicht mehr von der Prämie, sondern von der Gewinnbeteiligung abgezogen. Die Kapitalgarantie läuft ab dem ersten Tag, was an Rendite erwirtschaftet wurde, "kann den Kunden nicht mehr weggenommen werden" (Löger).

Die UNIQA reagiert damit auf die Kritik der Konsumentenschützer, denn die Rückkaufwerte bei einer vorzeitigen Kündigung erhöhen sich nun deutlich. Nur jeder zweite Kunde behält seine Lebensversicherung bei Verträgen über 25 Jahre bis zum Ende der Laufzeit, so Raiffeisen-Versicherungschef Klaus Pekarek. ProvisionenDie UNIQA erspart sich mit der "Klassik Neu" 50 Prozent der Eigenkapitaldeckung, was die Bilanz um rund 25 Mio. Euro verbessert. Dem Vertrieb werden die Abschlussprovisionen weiter im Vorhinein ausbezahlt, allerdings nicht im bisherigen Ausmaß. Für VKI-Experten Walter Hager geht die "Klassik Neu" in "die richtige Richtung". Offen sei die Frage, ob die Kostenbelastung tatsächlich geringer sei.

"Wir planen kein garantiefreies Produkt, beobachten aber die Entwicklungen", will Judit Havasi, Vizechefin des Konkurrenten Wiener Städtische, noch abwarten. Für die Kunden sei die Kombination aus Garantiezins und Gewinnbeteiligung "noch immer eines der stärksten Argumente, in eine Lebensversicherung zu investieren". Auch die anderen Mitbewerber warten noch zu.

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