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Wirtschaft
02/05/2020

Umwelt-Risiko für Firmen steigt

Feuer, Dürre, Stürme und neue Konsumentenwünsche erschweren die Geschäftsplanung. Top-Ökonom hält Umwelt für eines der größten wirtschaftlichen Risiken.

von Irmgard Kischko

Durchsage des Piloten im Air-France-Flug von Paris nach Wien: „An all jene Passagiere, die Gewissensbisse wegen des Fliegens haben: Wir tun unser Bestes, um den -Ausstoß zu reduzieren. Und unser Kabinenpersonal trennt den Müll säuberlich in Glas, Metall, Plastik und den Rest.“ Die Luftfahrt macht sich wegen des Klima- und Umweltschutzes zunehmend Sorgen um ihr künftiges Geschäft. Sie ist nicht die einzige Branche, der es so geht.

Von der Autoindustrie über den Einzelhandel bis zur Forstwirtschaft werden Umwelt-Risiken zum dominanten Thema in der strategischen Planung. „Wir zählen die Auswirkungen von Umwelt und Klima zu den größten Risikofaktoren für Unternehmen im laufenden Jahr“, sagt Julien Marcilly, Chefökonom der Kreditrisikoversicherung Coface. Der Franzose analysiert mit seinem Team seit vielen Jahren Land für Land rund um den Globus und Wirtschaftssektor um Wirtschaftssektor, um die Gefahren für Exporteure zu ermitteln. An seinen Ergebnissen orientieren sich die Prämien, die die Exportunternehmen zahlen, um ihre Lieferungen abzusichern.

In Europa sieht Marcilly die Risiken vor allem in unvorhersehbaren und raschen Änderungen der Wünsche der Konsumenten. Also: Werden die Verbraucher bald nur noch E-Autos nachfragen? Oder werden sie Plastikverpackungen fast völlig meiden? Werden sie noch Schiffsreisen buchen? Und wir viele Menschen werden innerhalb Mitteleuropas noch fliegen wollen?

Diese Fragen seien kaum zu beantworten, zumal klare politische Regeln fehlten, meint der Coface-Chefökonom. Grundsätzlich sei das gestiegene Klima- und Umweltbewusstsein der Bevölkerung ja positiv. Wenn es aber zu abrupten und überraschenden Brüchen in der Nachfrage führe, sei das für die Unternehmen gefährlich. Die Politik müsse dafür sorgen, dass diese Veränderungen absehbar und planbar würden. Dann könne sich die Wirtschaft danach richten und viele Risiken vermeiden.

Katastrophen-Gefahr

Die Risiko-Weltkarte von Coface durchzieht ein breiter, roter Streifen vom nördlichen Afrika über den arabischen Raum, Südostasien bis nach Australien. Rot, das heißt: hoch riskant. In diesen Ländern sind Unternehmen, anders als in Europa, weniger von der geänderten Konsumnachfrage als vielmehr von großen Naturkatastrophen bedroht. Feuer, Dürren, Überflutungen bergen große Gefahren für die wirtschaftliche Entwicklung, meint Marcilly. Diese Katastrophen könnten rasch auch in politische Konflikte ausarten. „Kampf um Trinkwasser“ ist für den Ökonomen ein möglicher Auswuchs aus den negativen Effekten des Klimawandels.

Neben Umwelt und Klima müssten sich die Unternehmen auf einen weiteren Risikofaktor einstellen: den wachsenden Protektionismus. Und dieser betreffe nicht nur die USA und China. „Mehr als 1.000 handels-beschränkende Maßnahmen gab es 2018 und 2019 weltweit. Nur knapp ein Viertel davon kamen von den USA oder China“, betont der Ökonom.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung von Coface.

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