Wirtschaft
24.10.2018

Übernahmekampf um B&C: Tojner als Störenfried im exklusiven Club

Der Vorstand der Industrie-Stiftung schießt scharf, muss sich aber viel Kritik gefallen lassen.

Michael Tojner, als Investor ebenso erfolgreich wie umstritten, ist hartnäckig. Bereits 2008 versuchte er, Österreichs größte Industriestiftung zu knacken. Jetzt nimmt er einen zweiten Anlauf, mit Hilfe der Bank-Austria-Mutter UniCredit und mit prominenten Industriekapitänen wie Stefan Pierer (KTM) oder Andritz-Boss Wolfgang Leitner im Boot.

Der Vorstand lehnte ab und ging an die Öffentlichkeit. Mit der Message, Tojner und die italienische Großbank würden die B&C-Gruppe und ihre industriellen Leitbetriebe feindlich übernehmen wollen. Auf der einen Seite eine böse Heuschrecke, auf der anderen Seite die Stiftung als Bollwerk gegen Job-Abbau und den Abverkauf heimischer Industrieunternehmen? Ganz so einfach ist die Sache nicht.

Die aus der Bank Austria 2000 hervorgegangene Stiftung bestimmt mit ihrer B&C-Industrieholding über die Mehrheitsbeteiligungen an Semperit, Amag und Lenzing. „Die Vorstände wollen unbedingt verhindern, dass Dritte in die Stiftung kommen und sie nicht mehr so agieren können wie bisher“, wird im Tojner-Konsortium argumentiert. Im Umkreis der UniCredit gibt es ebenfalls viel Kritik, bis hin zum Vorwurf des „Selbstbedienungsladens“.

Millionen-Honorare

Die Kritik zielt auf den Anwalt Wolfgang Hofer ab, der seit 2000 im Stiftungsvorstand sitzt, sowie auf UniCredit-Bank-Austria-Aufsichtsratspräsident Erich Hampel, seit 2006 in der Stiftung. Hofer ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Industrieholding.

Die Kanzlei Grohs Hofer (50 Prozent Hofer) macht nach wie vor hohe Honorar-Umsätze im B&C-Umfeld. 2014 wies die Holding Beratungsleistungen an „nahestehende Unternehmen und Personen“ von 5,9 Millionen Euro aus, im Jahr zuvor schienen 5,6 Millionen auf. Seit der KURIER darüber berichtete, werden die Honorare im Anhang zur Bilanz, der im Firmenbuch einsehbar ist, nicht mehr ausgewiesen.

Die Grohs Hofer Rechtsanwälte GmbH ist nicht nur für die Holding im Einsatz. 2017 weist Semperit für die Kanzlei 1,25 Millionen aus, nach 612.000 Euro für 2016. Die B&C-Gruppe beschäftige eine Reihe industrienaher Dienstleister, die Honorare „sind absolut marktkonform“, erklärt die Holding.

Grohs Hofer weisen per Ende Februar 2017 (aktuellere Daten nicht verfügbar) einen Bilanzgewinn von mehr als sechs Millionen Euro aus. An Kassenbeständen, Schecks und Guthaben bei Kreditinstituten sind 13,7 Millionen angegeben sowie mehr als 10 Millionen Euro an Rückstellungen.

Als der dritte Stiftungsvorstand im Vorjahr verstarb, zog der Anwalt Stefan Fida in das Gremium ein. Damit sei die Kontinuität im Stiftungsvorstand sichergestellt, frohlockte Hampel. Völlig korrekt, Fida kommt schließlich aus der Kanzlei Grohs Hofer, wo er bereits als Konzipient arbeitete. Was Hampel freilich nicht erwähnte.

Die B&C-Industrieholding beschäftigt derzeit 23 Mitarbeiter und vier Geschäftsführer. Zum Vergleich: Die Staatsholding ÖBIB kommt mit einem Geschäftsführer und nicht einmal halb so vielen Mitarbeitern aus. Die ÖBIB ist allerdings eine Schuhnummer größer, sie managt die Bundesbeteiligungen an den Schwergewichten OMV, Telekom Austria, Post und den Casinos.

Unvereinbar?

In der Bank Austria hält sich hartnäckig das Gerücht, auch Hofer und Hampel hätten versucht, die Stiftung an sich zu reißen und gegen eine Ausschüttung an UniCredit Letztbegünstigte zu werden. Bezahlen hätte das die Stiftung sollen. Doch Mailand soll nicht zugestimmt haben.

"Ein solches Ansinnen oder Angebot hat es nie gegeben und müssen wir aufs Schärfste zurückweisen", dementiert die Stiftung.  

Warum arbeitet man nicht mit Tojner zusammen, der jetzt ohnehin ein Kooperations-Angebot gemacht hat? Die B&C verfolge auftragsgemäß den allgemeinnützlichen Zweck der Stärkung des heimischen Industriestandortes. Zu diesem Stiftungszweck könne Herr Tojner keinen Beitrag leisten, kontert die Holding. Alle Erträge würden in den Industriestandort Österreich investiert, eine Gewinnausschüttung an Dritte sei nicht vorgesehen.

Laut Stiftungsurkunde, die dem KURIER vorliegt, sind die Letztbegünstigten des milliardenschweren Vermögens bei Auflösung der Stiftung die Aktionäre der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank, heute UniCredit.

Zur Frage, ob die Rollen von Hampel als Bank-AustriaAufsichtsratschef und als Stiftungsvorstand vereinbar seien, heißt es: Tojner sei in Gesprächen mit UniCredit in Mailand, wo Hampel keine Funktion habe.andrea.hodoschek