Wirtschaft
26.08.2018

UBIT-Obmann Harl: „Brauchen Masterplan für mehr IT-Fachkräfte“

Neuer Lehrberuf "Applikationsentwicklung" könne den Fachkräftemangel in der IT nicht lindern, meint der Branchensprecher.

Um wirksam gegen den akuten IT-Fachkräftemangel vorzugehen, müsse die Regierung endlich ein Gesamtkonzept vorlegen, fordert Alfred Harl, Obmann des Fachverbandes Unternehmensberatung/IT (UBIT) in der Wirtschaftskammer. „Es gibt zwar die eine oder andere Initiative, aber es fehlt ein Masterplan für mehr IT-Fachkräfte mit konkreten Umsetzungsschritten“, sagt Harl im Gespräch mit dem KURIER.

Laut Schätzungen des Fachverbandes können in ganz Österreich derzeit 5000 bis 10.000 offene IT-Stellen nicht besetzt werden. Die Personalsuche im benachbarten Ausland mache wenig Sinn, denn auch hier würden die Fachkräfte fehlen. Die von der Regierung groß angekündigte Einführung des neuen LehrberufesApplikationsentwicklung-Coding“ mit einer Lehrzeit von vier Jahren sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein und könne die Problematik keineswegs lindern, so Harl. Er rechnet mit maximal 150 bis 200 zusätzlichen Lehrabsolventen jährlich in ganz Österreich.

Der Fachverband fordert außerdem die Umbenennung des Lehrberufes in „Softwareentwicklung-Coding“, weil die Bezeichnung branchenüblicher sei. In der von Einzelkämpfern (EPU) geprägten Branche mit 67.000 Mitgliedern hat die Lehre generell noch Aufholbedarf. Derzeit werden insgesamt nur rund 830 Lehrlinge ausgebildet.

Höherqualifizierung

„Wir suchen vor allem HTL-, Fachhochschul- und Uni-Absolventen“, sagt Harl. Hier vermisst er einen Maßnahmenplan, wie mehr Studierende angeworben und im Studium gehalten werden können. Statt Zugangsbeschränkungen wie zuletzt für Informatik an der TU Wien einzuführen, plädiert er für ein „Studierenden-Leitsystem“, das eine bessere Verteilung zwischen den technischen Unis ermöglicht. An den Schulen wiederum brauche es mehr Bewusstseinsbildung über die Berufsbilder der Zukunft.

Wegen der zersplitterten Kompetenzen zwischen den einzelnen Ministerien hofft Harl auf Kanzler Sebastian Kurz. „Er soll das Thema Digitalisierung zur Chefsache machen und alle an einen Tisch bringen.“