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Stromversorger
03/05/2014

Türkeiausstieg rettet Verbund-Bilanz

Wasserkraftkonzern muss Millionen einsparen, Gewinn schwer unter Druck.

von Irmgard Kischko

Ein enormes Überangebot an Strom wegen des Booms an Ökoenergie, fallende Großhandelsstrompreise, unrentable Gaskraftwerke: Österreichs größtem Stromkonzern Verbund blies 2013 ein rauer Wind entgegen. Wären da nicht Millionen aus dem Ausstieg aus der türkischen EnergijSA geflossen, wäre der Gewinn dramatisch eingebrochen und die Aktionäre hätten wenig Dividende gesehen.

Dank des Verkaufs der Türkei-Beteiligung an E.ON, von der der Verbund im Gegenzug Wasserkraftwerke in Bayern übernahm, konnte das Konzernergebnis aber um 49 Prozent auf 580 Millionen gesteigert werden. Die Aktionäre erhalten zur Dividende von 55 Cent je Aktie einen Bonus von 45 Cent.

Wie schwierig das Geschäft am Energiemarkt geworden ist, zeigt sich im operativen Ergebnis des Verbunds, das um 83,7 Prozent auf 147 Millionen Euro abgestürzt ist. Hauptgrund dafür ist der Verfall des Großhandelsstrompreises, der 2013 mit durchschnittlich 48,1 Euro je Megawattstunde um gut zehn Prozent tiefer lag als 2012. Gaskraftwerke sind bei diesem Preis nur mit Verlust zu betreiben. 1,2 Milliarden Euro musste der Verbund in Wertberichtigungen für seine Gaskraftwerke – Mellach bei Graz, zwei in Frankreich und die Minderheitsbeteiligung in Italien – stecken. 2014 wird nicht besser: Der Konzerngewinn dürfte auf 150 Millionen Euro fallen.

"Verbund überlebt"

Für Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber ist die aktuelle Situation am Strommarkt mit dem riesigen Angebot an subventionierter Ökoenergie "die größte Herausforderung seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg". Ganz im Gegensatz zum Vorstandschef des deutschen Stromkonzerns RWE, der warnte, sein Unternehmen werde das nicht lange aushalten, ist Anzengruber aber zuversichtlich: "Der Verbund überlebt das hundertprozentig."

Auf den Strompreisverfall antwortet der Konzern mit einem Sparkurs: 250 der 3100 Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren abgebaut, 60 Millionen Euro pro Jahr eingespart. Die Investitionen werden von 2,3 auf 1,5 Milliarden Euro gekürzt.

Rupprechter warnt vor einer Rückkehr zur Atomenergie

Ein Europa ohne Atomenergie bei gleichzeitigem Erreichen der CO2-Reduktionsziele ist unter zwei Bedingungen möglich: Erstens muss die Energieeffizienz stark verbessert werden und zweitens muss der Ausbau der erneuerbaren Energien weitergehen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität Wien im Auftrag des Umweltministeriums.

Der Ausbau der Ökoenergie sei kurzfristig mit Mehrkosten verbunden, mittelfristig aber würden geringere Energieimporte die Strompreisrechnung entlasten. Die Realität in Europa aber ist eine andere. "Die Nuklearlobby scheint sich neu zu formieren", sagte Umweltminister Andrä Rupprechter bei der -Studien-Präsentation. Er verwies auf die Versuche Englands, für den Neubau des AKW Hinkley Point Subventionen genehmigt zu bekommen.

Reinhard Uhrig, Geschäftsführer von Global 2000, forderte abermals, dass sich Österreichs Regierung in der EU für verbindliche Ökoenergie-Ziele einsetzen müsse. Im Vorschlag aus Brüssel für die neuen Klimaziele für das Jahr 2030 ist nämlich nur von einem Ziel, der Reduktion von CO2 um 40 Prozent die Rede. Das freut die Atomlobby. Denn die CO2-freie Atomenergie könnte damit als wesentlicher Beitrag zum Erreichen der EU-Klimaziele gelten.

"Die politischen Entscheidungen über die EU-Klima- und Energiepolitik 2030 sind entscheidend dafür, dass die Vision eines atomfreien Europa Realität wird", sagte Uhrig. Die EU brauche nicht nur verbindliche Klima-Ziele, sondern auch verbindliche Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energie und verbindliche Energieeffizienz-Ziele.

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