Türkei-Krise: Investoren im Blindflug

Do&Co verhandelt mit Turkish Airlines über weitere Aufträge.
Heimische Firmen wie Do&Co und Mayr-Melnhof spüren Auswirkungen, Media-Saturn überdenkt Expansion.

Eine Atempause, aber noch keine Entwarnung: So kommentierten am Dienstag Marktbeobachter die Erholung des zuletzt schwer gebeutelten Lira-Kurses. Die türkische Währung konnte im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro um mehr als fünf Prozent zulegen. Zuvor hatte die türkische Notenbank die Liquidität der türkischen Banken erhöht und so für etwas Zuversicht gesorgt.

Auch die Aktienmärkte in der Türkei zogen wieder an. Der Leitindex in Istanbul legte um zwei Prozent zu, wobei vor allem die türkischen Banktitel gefragt waren. Die Währungskrise hält nicht nur den Kapitalmarkt in Atem, sondern hinterlässt auch Spuren in der Realwirtschaft. In Österreich ist vor allem der Caterer Do&Co betroffen. Im Vorjahr wurden knapp 30 Prozent des Umsatzes am türkischen Markt erwirtschaftet. Caterer Turkish Do&Co ist ein Joint-Venture mit der türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines. Dank gestiegener Passagierzahlen im ersten Quartal verzeichnete Do&Co in Lira ein Umsatzplus von 28,5 Prozent. Aufgrund der Währungsabwertung wurde in der Bilanz jedoch ein Umsatzminus von 2,9 Prozent ausgewiesen.

Do&Co

An der Partnerschaft mit Turkish Airlines hält der Caterer weiter fest. „Derzeit wird mit Turkish Airlines betreffend die Erbringung von Cateringleistungen am neuen Flughafen in Istanbul sowie an allen anderen Flughäfen in der Türkei verhandelt“, heißt es im Quartalsbericht. Insgesamt erzielte Do&Co im ersten Quartal ein kräftiges Gewinnplus, die Do&Co-Aktie erholte sich daher etwas von den jüngsten Abschlägen.

Mayr-Melnhof

Mit gleich vier Werken in der Türkei vertreten ist der Kartonspezialist Mayr-Melnhof. Die Währungskrise sowie die hohe Inflation könnten laut Konzernchef Wilhelm Hörmanseder zu Lohndruck und damit höheren Fixkosten führen. Er schließt daher einen Personalabbau nicht aus. Der Türkei Anteil am Gesamtumsatz liege jedenfalls „unter fünf Prozent“.

MediaMarkt

Die stark in der Türkei engagierte deutsche Elektronikkette Mediamarkt-Saturn überdenkt ob der Turbulenzen die weitere Filial-Expansion. Um ausländische Firmen nicht weiter zu verschrecken, kündigte der türkische Finanzminister Berat Albayrak für Donnerstag eine Telefonkonferenz mit rund 1000 Investoren an. Türkische Wirtschaftsverbände verlangten weitere, vertrauensbildende Maßnahmen der Regierung. Präsident Erdogan macht das Gegenteil. Er rief zum Boykott elektronischer US-Produkte wie iPhones auf.

Kommentare