Wirtschaft
08.07.2018

Türkei hebt ab, Kroatien ist teuer

Wo es heuer teuer ist und warum es keine Last-minute-Angebote gibt, erklärt Verkehrsbüro- Chefin Helga Freund

KURIER: Wo kann man heuer günstig Urlaub machen? In der Türkei?

Helga Freund: Ja, definitiv. Eine Woche all-inclusive in der Türkei ist 150 Euro günstiger als eine Woche Halbpension in Spanien. Viele Österreicher fliegen deshalb heuer wieder in die Türkei, wir haben ein Umsatz-Plus von mehr als 200 Prozent. Zusätzlich macht der Verfall der türkischen Lira das Reiseland momentan noch attraktiver.

Gibt es jetzt überhaupt noch viele freie Plätze?

Die Türkei ist sehr gut gebucht, es kommen wieder viel mehr Gäste aus Deutschland, Frankreich und halb Westeuropa. Und man darf nicht vergessen, dass die Urlauber aus Osteuropa, Russland und Israel dem Land treu geblieben sind.

Zuletzt sind viele ehemalige Türkei-Urlauber nach Spanien geflogen. Ist das vorbei?

Wir haben in Spanien ein leichtes Minus von fünf Prozent. Kroatien hat im Vergleich dazu aber einen Rückgang von knapp sechs Prozent. Ich nehme an, weil die Preise zuletzt zu sehr angezogen haben. Die kroatische Küsten war letztes Jahr gut gebucht, heuer gibt es im Juli und August noch relativ viele freie Kapazitäten.

Gibt es generell noch klassische Last-minute-Angebote?

Nein, diese Zeiten sind vorbei. Die Reiseveranstalter kaufen heute viel konservativer ein, damit gibt es keine Überkapazitäten mehr an Markt, die dann verschleudert werden. Zumindest für Pakete – also Flug, Transfer und Hotel – werden Sie keine Angebote finden, die günstiger sind als jene mit Frühbucher-Bonus. Es zahlt sich aus, früh zu buchen. Auch, weil man sich dann noch aussuchen kann, wohin man fährt. Was es jetzt aber gibt, sind billige Flüge.

Dank der neuen Billigflieger in Wien. Werden diese den Markt beflügeln?

Von neuen Angeboten profitiert immer die ganze Branche, genauso wie der Wegfall der Air Berlin zuletzt dem gesamten Standort geschadet hat. Derzeit ist ja auch im Gespräch, dass Airlines aus der Golfregion, die Air Arabia und Saudia, nach Wien starten. Trotz all dem kann man schwer sagen, wie das Angebot in einem Jahr ausschauen wird. Die Kampfpreise, mit denen die Billigairlines jetzt den Wettbewerb anheizen, wird es nicht ewig geben.

Als fix gilt dagegen, dass es im Sommer zu einem Chaos am Flughimmel kommen wird. Macht Sie das nervös?

Unseren Mitarbeitern – egal, ob in den Ruefa-Reisebüros oder im Business-Travel-Bereich – wird das viel Arbeit bringen. Und natürlich verdienen wir nichts daran, wenn wir einen Flug für unseren Kunden zwei, drei Mal umbuchen müssen. Kostenseitig trifft es uns zudem bei Pauschalreisen, bei denen wir für alle Änderungen auch finanziell aufkommen müssen. Es wird ein spannender Sommer.

Wird das Chaos den Reisebüros auch mehr Kunden bringen, die mit dem guten Gefühl wegfliegen wollen, dass sich im Fall des Falles jemand um alles kümmert?

Das ist bestimmt so. Außerdem sehen wir auch, dass viele mit der Komplexität der Tarife schlicht überfordert sind.

Inwiefern?

Sie finden sich im Tarifdschungel der Airlines nicht mehr zurecht oder wollen sich nicht damit auseinandersetzen. Oft, weil sie einmal einen vermeintlich billigen Flug gebucht haben und letztlich draufgezahlt haben – etwa beim Aufgabegepäck.

Zuletzt sind viele ohnehin lieber mit dem Auto auf Urlaub gefahren, wovon auch das Urlaubsland Österreich profitiert hat. Auch diesen Sommer?

Wir haben zwar ein Plus bei den Buchungen in Österreich, aber es melden sich heuer deutlich mehr Hoteliers als im Vorjahr bei uns, weil sie noch freie Kapazitäten haben.

Das heißt, für Österreich-Urlaube schnüren Sie jetzt noch Aktionen, um die Nachfrage anzukurbeln?

Natürlich versuchen wir, die freien Zimmer zu füllen. Es wird Aktionen geben, unter anderem über Hofer-Reisen. Die Österreicher und Deutschen buchen auch heuer viele Zimmer in Österreich, aber wir sehen, dass weniger Italiener kommen. Sie machen heuer wieder mehr Urlaub in ihrem eigenen Land.

Womit punktet Österreich?

Einfach nur drei Tage in einem österreichischen Hotel buchen immer weniger Kunden. Es geht immer mehr darum, Erlebnisse zu verkaufen. Ein Turbo sind die E-Bikes, egal ob auf Strecken entlang der Donau oder als Mountainbike in den Bergen. Die 600 E-Bikes, die wir in unseren Paketen haben, sind gut ausgelastet. Auch wandern wird mittlerweile gut inszeniert – etwa als Trekkingtour von Hütte zu Hütte. Die Zeiten, in denen man am Urlaub nur am See gelegen ist, sind vorbei.