© Getty Images/iStockphoto/krzysiekkostrubiec/iStockphoto

Wirtschaft
07/10/2019

Trinkwasser: Künftig werden mehr Aufbereitungsanlagen nötig sein

93 Prozent des Trinkwassers werden derzeit entweder gar nicht behandelt oder lediglich desinfiziert.

In Deutschland warnt das dortige Umweltbundesamt vor Konflikten um die Wassernutzung. „Häufigere trockene Sommer bedeuten auch, dass sich voraussichtlich mehr Nutzer um die Ressource Wasser streiten werden“, zitiert das Nachrichtenmagazin Der Spiegel den Wasserexperten Jörg Rechenberg. Vor allem der Verbrauch in der Landwirtschaft steigt. Es gibt Befürchtungen, dass es in einigen Regionen Deutschlands zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung kommen könnte.

Es wird auch in Österreich so sein, dass die Bewässerung im Agrarbereich an Bedeutung gewinnt. Derzeit werden rund 115.000 Hektar bewässert. Laut Reinhard Perfler von der Universität für Bodenkultur gibt es Pläne, diese Flächen auf 220.000 Hektar auszuweiten. Das betrifft vor allem landwirtschaftliche Gebiete in Nordostösterreich.

Das bedeutet aber nicht, dass es wie beim nördlichen Nachbarn automatisch zum Streit zwischen Bauern und Trinkwasserversorgern kommen muss.

Österreich ist anders

Die Ausgangslage ist in Österreich verglichen mit Deutschland eine andere, weiß Perfler. Er unterrichtet am Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz. „Wir haben üblicherweise kein Problem mit der Quantität, sondern ein Qualitätsproblem“, lautet Perflers Kurzversion. Die Information, dass lediglich maximal drei Prozent des Wassers in Österreich als Trinkwasser genutzt werden, habe nur eine sehr begrenzte Aussagekraft, betont Perfler. „Wasser ist ein lokale Ressource .“

Bedarfsspitzen

Es kann vorkommen, dass in Gebieten, die von Hitzeperioden stärker betroffen sind, einzelne Hausbrunnen oder kleinere Wasserversorger Probleme haben. Wenn der eigene Brunnen zu wenig liefert, dann wird der Bauer versuchen, vom öffentlichen Versorger Wasser zu bekommen. Diese Bedarfsspitzen können temporär zu einer Mangelsituation führen.

Bei größeren Gemeinden ist das meist nicht der Fall. Überregionale Wasserverbände können lokalen Wassermangel ausgleichen. Bereits Anfang der 2000er-Jahre gab es einige heiße und auch sehr trockene Sommer. „Daher hat man durch den Zusammenschluss von Wasserversorgern Verbundsysteme geschaffen, die solche lokalen Mangelsysteme vermeiden“, erklärt Perfler.

Probleme mit dem Nitratgehalt im Grundwasser gibt es in Gebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung wie dem Marchfeld oder dem Leibnitzer Feld (südliche Steiermark). Im Marchfeld etwa „müssen wir heute schon Wasser aufbereiten. Es schaut nicht so aus, als ob es maßgeblich besser werden würde.“ Biolandwirtschaft ist da ein Vorteil, weil die Nitratbelastung und die Belastung durch Pflanzenschutzmittel deutlich geringer ausfällt.

Von diesem Problem unberührt sind alle Gegenden, die ihr Trinkwasser aus Quellen beziehen. Dazu gehören neben Wien, Salzburg, Innsbruck oder Villach auch das Gebiet südlich des Hochschwabs bis Graz. Quellwasser trinken etwa 50 Prozent der Bevölkerung.

Lediglich ein Prozent des Trinkwassers, das aus dem Grundwasser kommt, muss für die Nitratreduktion intensiv behandelt werden. Die Qualität des Grundwassers sagt daher nichts über die Qualität des Trinkwassers aus, das aus dem Wasserhahn kommt.

Mehr Aufbereitung

Perfler rechnet damit, dass künftig mehr Trinkwasser- Aufbereitungsanlagen notwendig sein werden. Er wünscht sich „ernsthafte Pläne“ zu einer flächendeckenden Qualitätsverbesserung im Grundwasserschutz. 93 Prozent des Trinkwassers werden derzeit entweder gar nicht behandelt oder lediglich desinfiziert. Dazu wird ultraviolettes Licht verwendet.

Wobei auch biologische Dünger wie Gülle ein massives Problem für das Grundwasser sein können, wenn sie in zu hoher Dosierung verwendet werden. In Deutschland wird die Gülle von großen Mastbetrieben auf die Felder aufgebracht. Das führt seit Jahren zu einer viel zu hohen Nitratbelastung des Grundwassers.